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Dieser Artikel: Ausgabe 43/2015 vom 25.10.2015
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Das Hochhaus-Kloster

Eine Handvoll junger Niederländer gründet in Amsterdam in einem Hochhaus ein Kloster


Der Gemeinschaftsraum in der ersten Etage hat eine Kochinsel. Vor der Glasfront, durch die man auf den Hof blickt, steht eine lange Bank mit Kissen. Dazu ein Tisch mit Platz für 20 Menschen. Die Luft riecht nach frisch gestrichenem Holz, auf der Treppe liegt noch Baustaub. Mitten in Amsterdam öffnet in einem Hochhaus ein Kloster.

»Wir nennen es Kloster, weil wir das tun und leben, was man allgemein mit Klöstern verbindet«, sagt »Abt« Johannes van den Akker.
Foto: Screenshots www.kleiklooster.nl
   »Wir nennen es Kloster, weil wir das tun und leben, was man allgemein mit Klöstern verbindet«, sagt »Abt« Johannes van den Akker.

        

Dieser Raum soll wie ein Wohnzimmer werden, erklärt Johannes van den Akker: gemeinsam essen, Gäste empfangen, singen, spielen, diskutieren. Ein Klavier steht noch im Erdgeschoss und muss nach oben gehievt werden. Bald soll alles fertig sein. Dann ist Eröffnung des »Kleiklosters« in Amsterdam. Mitten in einem Hochhaus.

Van den Akker, 31 Jahre alt, bezeichnet sich als Abt und Unternehmer. Er hat vor zwei Jahren die Idee entwickelt und nun umgesetzt: Eine Gruppe Gläubiger lebt zusammen, betet gemeinsam, ist gastfreundlich, hilfsbereit und für die Nachbarschaft engagiert. »Wir nennen es Kloster, weil wir das tun und leben, was man allgemein mit Klöstern verbindet«, erklärt van den Akker. Die Gemeinschaft ist allerdings an keinen Orden gebunden, sieht sich aber als Kloster weil sie laut van den Akker die Kernelemente eines Klosters teilt: Lebensgemeinschaft, Spiritualität und Gastfreundschaft.

Dabei sieht von außen nichts wie ein traditionelles Kloster aus, weder der Ort noch die Gläubigen. Die ersten Bewohner sind acht Protestanten zwischen 25 und 37, dazu fünf Kinder. Ein Ergotherapeut ist darunter, ein Hausarzt und ein Unternehmer. Sie haben eigene Wohnungen, die miteinander verbunden sind, und teilen sich den Gemeinschaftsraum.

Die ersten Bewohner sind acht Protestanten

Ebenfalls auf der ersten Etage liegt ein abgedunkelter Raum mit Bänkchen und einem kreuzförmigen Fenster, durch das Herbstlicht scheint. Hier beten die Bewohner jeden Abend. Mittwochs kochen und essen alle zusammen, ansonsten sind die Tage frei. Die Klosterbewohner gehen in Teilzeit ihrer Arbeit nach, sollen sich in Zukunft aber auch in die Gemeinschaft einbringen. Das Kleikloster liegt im Kleiburg-Hochhaus im Amsterdamer Stadtteil Bijlmer. Hier ragen Gebäude mit Hunderten Wohnungen in den Himmel. Auf dem Platz zwischen den Gebäuden hockt eine Gruppe Jugendlicher auf einer Bank. Das Viertel wurde berühmt-berüchtigt, weil 1992 ein israelisches Frachtflugzeug auf eines der Hochhäuser stürzte. 43 Menschen kamen ums Leben. Heute sind die Hochhäuser der beton-gewordene Inbegriff für Arbeitslosigkeit, Integrationsprobleme und Kriminalität.

Der Ort ist außergewöhnlich für ein Kloster. Aber er passt: »Wir wollen der Nachbarschaft etwas Gutes tun«, sagt van den Akker. Die Tür soll offen sein, und jeder soll auf eine Tasse Kaffee vorbeikommen können. Auch Gästezimmer gibt es, um Fremde aufnehmen zu können. In Zukunft könnten hier für eine Weile Alleinerziehende leben, die sonst hoch verschuldet aus ihren Wohnungen geworfen würden. Die Idee zum Kloster entstand vor mehreren Jahren. Van den Akker wollte mit seiner Frau bei einem Essen die gemeinsame Zukunft diskutieren. Ihre Wohnung wurde wegen der Kinder zu klein. Im Lauf des Abends entstand die Idee, eine Wohngemeinschaft zu gründen. »Als Christen halten wir Werte wie Nächstenliebe und Hilfsbereitschaft hoch«, sagt van den Akker: »Aber was bringt es, wenn man sich damit nur im Kopf beschäftigt?«

Van den Akker entwickelte die Idee und fand Mitstreiter, die auch die Wohnungen gekauft und beim Umbau Hand angelegt haben. Finanziert werden die Gemeinschaftsausgaben des Projekts aus Spenden, in Zukunft vielleicht durch eigene Einnahmen: Wie in einem traditionellen Kloster gibt es einen Garten und eine Brauerei, die sich ebenfalls im Hochhaus befindet. Der Garten, ein 25 Quadratmeter großes Grundstück, liegt noch brach. Im Frühjahr sollen Obst und Gemüse angebaut werden. Im Viertel gibt es eine Gruppe Ehrenamtlicher, die für Schulkinder Frühstück vorbereitet - der Klostergarten könnte Obst und Gemüse liefern. Überhaupt will man sich mehr für die Nachbarschaft engagieren. Dazu sind neben den offenen Türen und dem Garten weitere Projekte geplant.

Die Brauerei war anfangs ein Scherz, könnte aber Geld bringen und für Aufmerksamkeit sorgen: Das »Kleiburg«-Bier gibt es derzeit in drei Sorten: Winterweizen, Doppelblond und Triple IPA. Es wird in Cafés und Bars ausgeschenkt und verkauft. 9000 Flaschen wurden bisher gebraut. Zurzeit kleben van den Akker und die anderen die Etiketten noch von Hand auf die Flaschen. Das Interesse ist groß: Sie denken darüber nach, einen vierten Braukessel anzuschaffen.

 

  INTERNET:  kleiklooster.nl (niederländisch)

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Benjamin Dürr

 


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abgerufen 03.12.2016 - 14:42 Uhr

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