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Dieser Artikel: Ausgabe 43/2015 vom 25.10.2015
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Palestrina des 19. Jahrhunderts

Eine Ausstellung in Regensburg erinnert an den Komponisten Michael Haller


Man nannte ihn den »Palestrina des 19. Jahrhunderts«, das war vielleicht ein wenig übertrieben und geschmeichelt. Doch zweifellos gehört der aus Neusath bei Nabburg stammende und vor hundert Jahren gestorbene katholische Stiftskanonikus Michael Haller zu den beliebtesten Kirchenkomponisten seiner Zeit. Nun erinnert eine Ausstellung in Regensburg an ihn.

Michael Haller (1840-1915).
Foto: Bischöfliches Zentralarchiv Bistum Regensburg
   Michael Haller (1840-1915).

        

Hallers Erfolgsgeheimnis war der hohe praktische Wert seiner Werke: Messen, Motetten, Litaneien sind von gediegenem künstlerischem Niveau, sie orientieren sich streng am liturgischen Text; ihre einprägsamen Melodien und der fließende Satz machen sie aber gleichzeitig leicht singbar, was man nicht von jeder guten Kirchenmusik sagen kann.

Deshalb standen die 113 Kompositionen, die von dem vielseitigen Priester aus der Oberpfalz gedruckt wurden, lange Zeit im In- und Ausland hoch im Kurs. Hallers Sakramentsgesänge, Offertorien, Marien- und Grablieder waren in vielen Ländern verbreitet. Und dann hatte er auch ein Übungsbuch für den Gesangsunterricht geschrieben, das seinen Namen weithin bekannt machte.

Michael Haller stammte vom Gut Neusath bei Nabburg in der Oberpfalz, sein Vater war dort Verwalter im Dienst des Landrichters Karl Franz Reisner von Lichtenstern. Der Nabburger Stadttürmer Franz Michael Walter, ein Großonkel des berühmten Richard Strauß, gab ihm Geigenunterricht. 1852 wechselte er auf das Benediktinergymnasium Metten, wo er sich als Altist im Chor eine Auszeichnung verdiente.

Aber auch Violine und Cello, Horn und Trompete beherrschte er so gut, dass er bald als bester Musikschüler des Klosters Metten galt; schon für die Schulentlassfeier lieferte er eine anspruchsvolle eigene Komposition. Sein Berufsziel war freilich von Anfang an nicht Musiker gewesen, sondern Priester. In Regensburg studierte er folgerichtig Philosophie und Theologie.

1864 wurde er zum Priester geweiht und zum Präfekten an der Dompräbende ernannt. Drei Jahre später folgte die Berufung zum Inspektor und Stiftskapellmeister an der Alten Kapelle, wo es einen hervorragenden Kirchenchor gab, der durchaus mit den »Domspatzen« wetteifern konnte.

Mit einer geradezu besessenen Leidenschaft unterrichtete Haller gleichzeitig Gesang und Musik am benachbarten Institut der Armen Schulschwestern, schuf Singspiele, Lieder und Motetten und wurde 1874 der erste Dozent für Kontrapunkt und Vokalkomposition an der eben gegründeten Kirchenmusikschule, die den Ruf Regensburgs als Hauptstadt der kirchenmusikalischen Erneuerung in die ganze Welt hinaustragen sollte. 1882 leitete er für kurze Zeit als Domkapellmeister die »Domspatzen«.

Ziel der Regensburger Reformbewegung war die Reinigung der katholischen Kirchenmusik von opernhaftem Pomp und Schwulst und die Wiedergewinnung einer ernsten Nüchternheit in der Liturgie, geschult an der klassischen Vokalpolyphonie von Lasso und Palestrina mit ihrem Verzicht auf Instrumente. Die sakrale Musik sollte wieder ganz dem liturgischen Wort dienen, statt sich in verspielter Virtuosität mit sich selbst zu beschäftigen.

Hallers Messkompositionen, etwa die »Missa Tertia«, die 37 Auflagen erreichte, die fünfstimmige »Missa in honorem Sancti Henrici« oder die sechsstimmige »Missa solemnis« sind ganz diesem Reformwerk verpflichtet. Die »Laudes eucharisticae«, die er für die Regensburger Fronleichnamsprozession komponiert hat, werden noch heute gern gesungen.

Das Prädikat »Palestrina des 19. Jahrhunderts« hat sich der Stiftskapellmeister übrigens verdient: Er ergänzte nämlich den verschollenen dritten Chor in Palestrinas sechs zwölfstimmigen A-cappella-Motetten so gekonnt und einfühlsam, dass bei der Aufführung zum 300. Todestag des Meisters 1894 auch Experten nichts von den Einfügungen merkten.

In seinen letzten Lebensjahren teilte Haller das Schicksal Beethovens: Er litt an zunehmender Schwerhörigkeit, war am Ende fast taub. Mit fast 75 Jahren starb er 1915 in Regensburg. Eine Gedenktafel an seinem Wohnhaus nahe der Alten Kapelle erinnert an den Schöpfer so vieler Messen und Marienlieder; Nabburg hat ihm eine Michael-Haller-Straße gewidmet.

Die Bischöfliche Zentralbibliothek Regensburg, die über eine illustre Musikabteilung verfügt, erinnert in einer Ausstellung an Hallers hundertstes Todesjahr. Geöffnet ist die Schau am St.-Peters-Weg 11 in Bahnhofsnähe bis zum 17. Dezember, jeweils Montag bis Mittwoch von 9 bis 12 und 13 bis 17 Uhr sowie donnerstags durchgehend von 9 bis 18 Uhr. Ein reich bebilderter Ausstellungskatalog ist im Verlag Schnell und Steiner erschienen.

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Christian Feldmann

 


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abgerufen 26.06.2016 - 22:41 Uhr

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