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Sonntagsblatt 43/ vom

Studieren statt warten

1000 Flüchtlinge beginnen ihr Studium an der Online-Uni


Die Uni ins Asylbewerberheim holen: Studenten und Professoren haben dafür eine Online-Universität gegründet. Zum Semesterstart haben sich 1000 Flüchtlinge eingeschrieben.

Studenten gründen eine Online-Uni: Markus Kreßler (rechts), Initiator der »Kiron University«, und Student Andrew Moussa aus Ägypten.
Foto: Bernd von Jutrczenka / dpa
   Studenten gründen eine Online-Uni: Markus Kreßler (rechts), Initiator der »Kiron University«, und Student Andrew Moussa aus Ägypten.

        

Langeweile ist ein großes Problem für viele Flüchtlinge. Wenn sie in Deutschland angekommen sind, haben sie zunächst nichts zu tun. Studieren können sie oft nicht, weil sie keine Papiere haben oder ihr Abschluss nicht anerkannt wird.

Markus Kreßler findet das ärgerlich. Gemeinsam mit Freunden gründete der 25-jährige Berliner Psychologie-Student daher im vergangenen Jahr die Online-Universität »Kiron«, die nun Mitte Oktober mit 1000 Studenten offiziell gestartet ist.

Ehrenamtliche Unterstützung erhielten die beiden Pioniere dabei von acht Professoren. »Ich mache aus Überzeugung mit«, sagt etwa Martin Woesler, Professor für Sinologie und Kulturvergleich in Rom, bei der Vorstellung des Projekts im Mai. Der Aufwand der Gründung einer Uni sei enorm.

Im Pilotjahrgang bietet die Online-Uni für Bachelorstudiengänge die Fächer Informatik, Ingenieurwesen, Kulturwissenschaften, Architektur und Betriebswirtschaft an. Die mehrheitlich englischsprachigen Onlinekurse stammen unter anderem von Elite-Universitäten wie Harvard, Stanford oder Yale.

Die Kiron University will den Studenten zudem neben den Kursen unter anderem auch Sprachkurse und psychosoziale Beratung anbieten. Das Studium dauert drei Jahre. In den ersten beiden Jahren belegen die Studenten Onlinekurse. Im dritten Jahr wechseln sie dann an eine der 20 staatlichen deutschen Partneruniversität, an der sie dann den Abschluss machen. Damit reagierten die Gründer auch auf die Einwände von Skeptikern, die Integration in der Online-Uni käme zu kurz, da der Kontakt zu Mitstudenten fehlen könne.

 

  INFO:  www.kiron.university

 

 

epd/nam