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Dieser Artikel: Ausgabe 43/2015 vom 25.10.2015
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Rettungsinsel in Lebenskrisen

Die ökumenische Beratungsstelle »Münchner Insel« zieht wieder ins S-Bahn-Untergeschoss


Drei Jahre lang hatte die ökumenische Krisenberatung »Münchner Insel« ihr Quartier am Viktualienmarkt. Nach dem Umbau des Zwischengeschosses am S- und U-Bahnknoten Marienplatz zieht es die Insel am kommenden Montag wieder in den Untergrund - einen besseren Platz für die vertraulichen Gespräche kann sich ihr evangelischer Leiter, Pfarrer Tilmann Haberer, nicht denken.

»Die persönlichen Kontakte in der Großstadt werden immer weniger«: Pfarrer Tilmann Haberer und das Team der Münchner Insel sind als Gesprächspartner für Menschen in Lebenskrisen da.
Foto: Schröder
   »Die persönlichen Kontakte in der Großstadt werden immer weniger«: Pfarrer Tilmann Haberer und das Team der Münchner Insel sind als Gesprächspartner für Menschen in Lebenskrisen da.

        

  Die Münchner Insel gibt es seit über 40 Jahren. Heute, so schreiben Sie auf der Homepage, befinden sich mehr Menschen als damals in einer »seelischen Schieflage«. Warum ist das so?

Haberer: Die Gesellschaft hat sich verändert. Überall herrscht ein wahnsinniger Druck, das fängt schon in der Grundschule mit dem Übertritt an und setzt sich im Beruf fort. Immer wieder kommen Menschen zu uns, die kurz vorm Burn-out stehen oder mittendrin sind, weil es im Job so unbarmherzig zugeht. Ich habe auch den Eindruck, das Leben in der Großstadt findet nur noch vermittelt statt. Die unmittelbaren, persönlichen Kontakte werden immer weniger.

  Sie sind seit knapp zehn Jahren Leiter der Insel. Wie haben sich die Anfragen in dieser Zeit verändert?

Haberer: Es gibt einen Zuwachs bei der Gruppe der 20- bis 40-Jährigen, etwas gestiegen sind auch die Beratungen bei Beziehungsproblemen. Das sehe ich positiv: Zu uns kommen schon junge Paare, weil sie ein Problem in ihrer Beziehung haben und es ändern wollen. Außerdem gibt es heute mehr Folgegespräche. Das liegt daran, dass die Probleme komplexer geworden sind: Wer ein Burnout hat, hat meistens auch ein Beziehungsproblem, und falls er den Job verliert, kommen schnell Armut und Wohnungsverlust dazu - das ist eine Abwärtsspirale. Bei unseren jungen Klienten merken wir, dass sich die Verschulung des Studiums niederschlägt. Der Zwang mitzuhalten, dabei zu sein, fit und schön zu sein, ist für manche eine Quelle tief reichender Selbstwertzweifel.

  Die Insel ist eine Einrichtung der Kirchen. Spürt man das im Beratungsalltag?

Haberer: Es kommt zum Tragen, wenn jemand die Sinnfrage stellt. Das kann ich aufgreifen und nach Ressourcen des Glaubens fragen. Darüber können wir in der Insel vielleicht anders sprechen als in anderen Beratungsstellen.

  Ist Ihr Glaube für Sie eine Ressource, um schwierige Gespräche zu verarbeiten?

Haberer: Die kürzeste Zusammenfassung meines Glaubens besteht aus drei Worten: Alles wird gut. Das gibt mir die Kraft, mich scheinbar ausweglosen Situationen zu stellen. Ich bin einfach davon überzeugt: Im tiefsten Kern der Wirklichkeit ist alles Liebe. Selbst wenn ich von schweren Schicksalsschlägen erzählt bekomme, weiß ich: Gott hat noch andere Möglichkeiten.

  Drei Jahre lang war die Insel oberirdisch. Was werden Sie beim Umzug ins Untergeschoss vermissen?

Haberer: Wir Mitarbeiter werden die Sonne vermissen, dass man die Fenster öffnen kann, den Markt vor der Tür. Aber die Räume hier sind schon sehr provisorisch. Die neue Insel ist größer und schöner. Und für unsere Arbeit ist das anonyme Gewühl dort unten besser. Hier oben waren wir auf dem Präsentierteller, inklusive Laufsteg zur Tür. Im Untergrund kann man unerkannt zu uns hereinschlüpfen.

MÜNCHNER INSEL

  GESCHICHTE: Seit 1972 im Zuge der Olympischen Spiele in München das S- und U-Bahnnetz ausgebaut wurde, gibt es im Zwischengeschoss des Marienplatzes die Krisen- und Lebensberatungsstelle »Münchner Insel«, die von beiden Kirchen betrieben wird.

  ANGEBOT: Die Insel ist Mo-Fr von 9 bis 18 Uhr geöffnet, Do ab 11 Uhr. Ratsuchende können ohne Terminvereinbarung kommen; das Angebot ist kostenlos.

  STATISTIK: Im Schnitt besuchen 7792 Menschen pro Jahr die Insel, das sind rund 32 Gespräche am Tag. 44 Prozent der Ratsuchenden sind zwischen 40 und 60 Jahre alt, gefolgt von den 20- bis 40-jährigen, die 31 Prozent ausmachen. Knapp 57 Prozent sind Erst- und Einmalgespräche; 60 Prozent aller Gespräche sind ausführliche Beratungen.

  KONTAKT: Tel. (0 89) 22 00 41,  www.muenchner-insel.de

 

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Interview: Susanne Schröder

 


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abgerufen 03.12.2016 - 14:41 Uhr

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