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Dieser Artikel: Ausgabe 44/2015 vom 01.11.2015
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Maximale Menschlichkeit

Den Arbeitsmarkt humaner machen - geht das? Es geht.

Kommentar von Andreas Jalsovec

Es klingt wie ein modernes Wirtschaftsmärchen: Eine Unternehmerin gründet eine Firma mit dem Ziel, dort Menschen zu beschäftigen, die anderswo keinen Job bekommen. Sie stellt Frauen ein, die alleinerziehend sind, psychische Probleme haben oder einfach schon so lange arbeitslos sind, dass ihnen keiner mehr eine Chance gibt. Die Arbeitszeit und die Art der Arbeit lässt sie die Beschäftigten selbst bestimmen - und sie zahlt ihnen mindestens zehn Euro die Stunde.

Kann das funktionieren?

Es funktioniert bereits seit fünf Jahren. Damals gründete die Augsburgerin Sina Trinkwalder die Öko-Textilfirma »Manomama«. Ein Unternehmen für diejenigen, die sonst keiner will - das sei ihre Idee damals gewesen, sagt Trinkwalder.

Aus der Idee ist eine Firma mit zunächst drei (im Jahr 2010), dann 40 (2012) und schließlich mehr als 150 Mitarbeitern (aktuell) geworden. Sie alle hätten anderswo vergeblich nach einer Stelle gesucht. Und selbst wenn sie eine gefunden hätten: Niemand hätte ihnen dort sofort einen unbefristeten Job gegeben, geschweige denn diesen Lohn für die Arbeit an der Nähmaschine bezahlt.

Warum funktioniert das?

Weil das Ziel dieser Art des Wirtschaftens darin besteht, Menschen Arbeit zu geben. »Maximierung von Menschlichkeit« statt von Gewinn nennt Öko-Unternehmerin Trinkwalder das. Es bedeutet, den Menschen im Arbeitsleben in den Mittelpunkt zu stellen.

Das klingt selbstverständlich, ist es aber auf dem Arbeitsmarkt längst nicht immer. Vor allem dort nicht, wo - wie in der Textilindustrie - die Produkte weltweit zu Billiglöhnen hergestellt werden.

In Trinkwalders Firma gibt es stattdessen nicht nur Zehn-Euro-Mindestlöhne. Bis auf die Baumwolle kommen auch alle Einsatzstoffe und Vorprodukte aus einem Umkreis von höchstens 300 Kilometern. Das kostet Geld verglichen mit einer Billigproduktion in Asien. Aber es funktioniert offenbar, solange man nicht nur auf maximale Gewinne schaut, sondern stattdessen eben auf maximale Menschlichkeit.

Kann das auch anderswo funktionieren?

Ja, aber wir müssen dazu unsere Art des Wirtschaftens überdenken - und radikal ändern. Warum soll es nicht mehr Firmen geben können, die nur angemessene Gewinne machen statt möglichst hoher und dafür mehr Menschen beschäftigen? Und warum sollten nicht mehr Konsumenten zur Einsicht kommen, dass statt sechs T-Shirts für fünf Euro es auch zwei für 15 Euro tun? Rund 2,7 Millionen Menschen sind derzeit in Deutschland ohne Arbeit - obwohl die Wirtschaft gut läuft. Das ist Ausdruck des Prinzips »Gewinn statt Menschlichkeit«.

Wir sollten das ändern.

 

Sonntagsblatt-Redakteur Andreas Jalsovec

 

  Was denken Sie? Schreiben Sie an Sonntagsblatt-Redakteur Andreas Jalsovec:  ajalsovec@epv.de

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abgerufen 30.09.2016 - 17:09 Uhr

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