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Sonntagsblatt 44/ vom

ZEITZEICHEN


And the winner is: Martin Luther, Martin Luther, Martin Luther, Martin Luther, Martin Luther. Gleich fünf Mal wurde der 531 Jahre alte deutsche Reformator bei der Verleihung der Worldwide Preaching Awards ausgezeichnet, und das in einigen der wichtigsten Kategorien: bester männlicher Prediger, »Best Collaboration Award« für seine Zusammenarbeit mit Lucas Cranach und Philipp Melanchthon. Bester Look, größte Fangemeinde und standhaftester Ex-Mönch Mitteleuropas.

Luthers Fazit des Abends: »Das ist einfach eine riesige Gnade!«

Die meisten Preisträger werden per Handzeichen von den 2,3 Milliarden Christen weltweit gewählt (Katholiken inklusive).

So stand es - leider nicht - im Spiegel. Die Meldung dreht sich in leichter Abwandlung um den Teeniestar Justin Bieber, der bei den »MTV Music Awards« abräumte. Aber wir finden: Die Welt sollte sich am Reformationstag um den größten Star der Christenheit drehen.

Deshalb weitere Enthüllungen: Der kleine Bieber plauderte fröhlich, dass er die meisten Ideen für seine Songs in der Nacht habe.

Dank archäologischer Nachforschungen weiß die Nachwelt heute, dass Luther seine reformatorische Erkenntnis auf dem stillen Örtchen fand. Seit 498 Jahren wird viel darüber spekuliert, an welchem Ort genau Luther zu der Vorstellung gelangte, dass der Mensch nicht durch gute Werke, sondern allein durch den Glauben die göttliche Gnade erfährt.

Jetzt wissen wir: Archäologen haben die Latrine von Luther auf dem Grundstück des Lutherhauses in Wittenberg ausgegraben: Ein 30 Zentimeter breiter Sitz aus Stein mit Abfluss. Luther selbst hat es in seinen Tischreden schon lange selbst erzählt: »Diese Kunst hat mir der Heilige Geist auf dieser Cloaca auf dem Turm gegeben.«

Dafür verdient er einen Preis: Freimütigster Theologe aller Zeiten.

zei