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Dieser Artikel: Ausgabe 44/2015 vom 01.11.2015
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Bestattet zum Baum

Werner Fleckstein aus Würzburg sucht die letzte Ruhe als Eiche im Garten seiner Schwester


Letzte Ruhe in der Harley-Davidson-Urne, als Diamant oder im Weltraum: Die Auswahl an modernen Bestattungsformen nimmt stetig zu. Mit dem sogenannten »Tree of Life« (»Baum des Lebens«) kommt nun ein Angebot für Naturfreunde dazu - die Bestattung im Baum.

»Die Vorstellung vom indirekten Weiterleben des Menschen in einem Baum widerspricht dem christlichen Glauben«, sagt Stephan Steger, Liturgiereferent des Bistums Würzburg. Und auch der Sprecher der bayerischen evangelischen Landeskirche findet die »Tree of Life«-Bestattung eher »fraglich«.
Foto: epd-by
   »Die Vorstellung vom indirekten Weiterleben des Menschen in einem Baum widerspricht dem christlichen Glauben«, sagt Stephan Steger, Liturgiereferent des Bistums Würzburg. Und auch der Sprecher der bayerischen evangelischen Landeskirche findet die »Tree of Life«-Bestattung eher »fraglich«.

        

Werner Fleckstein hat sich nie viele Gedanken um seine Bestattung gemacht. Der 66-jährige Würzburger betrachtete den Tod eher unter praktischen Gesichtspunkten. Aber als er im September eine Ausstellung von Bambus- und Weidesärgen des Würzburger Bestattungsunternehmens »Welt-Bestattung« besucht, fasziniert ihn das Thema. Und Fleckstein trifft eine Entscheidung. »Aber das ist schon was sehr Persönliches«, sagt er. So persönlich, dass er seinen richtigen Namen nicht in der Zeitung lesen will.

Fleckstein entscheidet sich für den »Tree of Life« (»Baum des Lebens«). Dabei wird der Leichnam in Deutschland eingeäschert, die Asche des Verstorbenen dann im Ausland mit Blumenerde vermengt, in die ein Setzling gepflanzt wird. Nach einen halben Jahr kann der junge Baum wieder nach Deutschland eingeführt und im eigenen Garten gepflanzt werden. Die Route übers Ausland ist notwendig, um die in weiten Teilen Deutschlands geltende Friedhofspflicht zu umgehen. Ob im Sarg oder in der Urne - in Bayern müssen die Überreste von Verstorbenen auf ausgewiesenen Friedhöfen beigesetzt werden.

Kirchen sehen das Angebot kritisch

Für Fleckstein ist diese Regelung eine Bevormundung. »Ich hab generell was gegen Pflichten«, erklärt er lachend. Grundsätzlich habe er kein Problem mit Friedhöfen und Friedwäldern, aber jeder müsse die Möglichkeit haben, das für sich passende Angebot zu finden.

Die Idee, in einem Baum bestattet zu sein, gefällt dem Würzburger, der sein ganzes Leben lang gerne in freier Natur unterwegs war. »Der Wald und ich sind eins«, sagt er. Diese Verbindung soll auch nach seinem Tod weiterbestehen.

Auf ihrer Webseite bietet »Tree of Life« verschiedene Baumarten an. Fleckstein hat sich für eine deutsche Eiche entschieden - und einen Platz hat er auch schon gefunden: Der Baum soll im Garten seiner Schwester gepflanzt werden. »Ich war schon immer in Würzburg verwurzelt«, erklärt er.

Der Rentner nähert sich dem Thema Bestattung mit Humor. Da er neben Mutter und Schwester keine weiteren Verwandten hat, wird es wohl nicht zum Streit über die Besuchsrechte für seinen Baum kommen. Ein großes Plus von Friedhöfen gegenüber Privatgrundstücken war immer, dass sie öffentlich zugänglich sind und so jedem Raum zum Trauern bieten.

Dass Naturfreunde heute die Möglichkeit haben, sich in einem Baum beisetzen zu lassen, liegt in erster Linie an zwei Brüdern aus Brandenburg - der eine Bestatter, der andere Gärtner. Zusammen tüftelten sie das »Tree of Life«-Konzept aus, inzwischen arbeiten sie deutschlandweit mit Bestattungsunternehmen zusammen.

»Baumbestattungen sind sehr beliebt«, bestätigt Angela Stegerwald, Geschäftsführerin von »Welt-Bestattung« in Würzburg. Inzwischen führt sie regelmäßig »Tree of Life«-Beisetzungen durch. Auch die Politik gibt dem Wunsch nach individuellen Bestattungsformen nach: Bremen schaffte Anfang des Jahres als erstes Bundesland die Friedhofspflicht ab. Hier kann die Asche der Verstorbenen jetzt legal im eigenen Garten verstreut werden.

Doch nicht jeder ist begeistert von den neuen Möglichkeiten. Der Sprecher der bayerischen evangelischen Landeskirche nennt die rechtliche Grundlage der »Tree of Life«-Bestattung »fraglich«. Er verweist auf Naturfriedhöfe als Alternative für Naturfreunde. Und Stephan Steger, Liturgiereferent des Bistums Würzburg, stellt klar: »Die Vorstellung vom indirekten Weiterleben des Menschen in einem Baum widerspricht dem christlichen Glauben von der Auferstehung des Menschen in Gott. Diese Form der Bestattung liegt den östlichen Wiedergeburts-Vorstellungen näher als dem christlichen Glauben.«

Tatsächlich scheinen einige Angehörige auf ein Weiterleben des Verstorbenen zu hoffen. »So ist unser Liebster nicht komplett von uns gegangen und hat einen Platz auf unserem Waldgrundstück«, schwärmt eine Kundin auf der »Tree of Life«-Webseite.

Für Fleckstein spielen solche Überlegungen keine Rolle. Er hat einen naturwissenschaftlichen Blick aufs Sterben und spricht von seinen Atomen statt von einer Seele. Aus der katholischen Kirche ist er lange ausgetreten. Aber auch seine gläubigen Verwandten hätten kein Problem mit seiner Entscheidung, sagt er. Und wenn sich seine Schwester beim Gießen der Eiche ihm verbunden fühlt, ist ihm das recht. »Letztlich geht es um die Hinterbliebenen.«

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Simon Lukas

 


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abgerufen 08.12.2016 - 06:55 Uhr

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