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Dieser Artikel: Ausgabe 44/2015 vom 01.11.2015
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Der Depression ins Auge sehen

Sonntagsblatt-Sprechstunde


»Wenn sogar ein Pfarrer zweifelt an dem, was er tut, wie kann er denn dann Vorbild sein für andere?«

Ich bin in meiner Gemeinde sehr engagiert. Hier in der Kleinstadt ist unsere Kirchengemeinde immer noch ein wichtiger Teil des gemeinsamen Lebens, wir haben viele Gruppen und Kreise und feiern gerne. Wir sind alle froh über unseren Pfarrer, der viele Ideen hat. Gut predigen tut er auch - also ist eigentlich alles gut.

Neulich hat er in einer kleineren Runde erzählt, dass er immer wieder an Depressionen leidet. Dann fällt es ihm schwer, etwas anzupacken, und manchmal zweifelt er dann an dem, was er tut. Er will damit offen umgehen, sagt er, weil er denkt, dass es anderen auch so geht.

Wir haben nicht viel dazu gesagt, aber es lässt mich nicht los. Einerseits finde ich es gut, dass er so offen ist, andererseits denke ich: Wenn sogar ein Pfarrer zweifelt an dem, was er tut, wie kann er denn dann Vorbild sein für andere?

Frau K. (73)

 

Ihr Gemeindepfarrer hat sich entschlossen, seine persönlichen Erfahrungen mit depressiven Phasen nicht zu verschweigen, sondern darüber zu reden. Ich finde das beeindruckend. Es ist ein wichtiger Schritt bei seinem Vorhaben, offener mit dieser Erkrankung umzugehen, als es gewöhnlich geschieht.

Es kann der Anfang eines Gesprächs sein, zu dem all die Fragen gehören, die Sie jetzt haben. Das »einerseits-andererseits«, das Sie formulieren, braucht Raum. Das geht sicher nicht von heute auf morgen. Das Vertrauen Ihres Pfarrers zu Ihnen ist aber womöglich ein guter Boden dafür.

Wie könnte so ein Gespräch weitergehen? Dazu gehört aus meiner Sicht nicht nur die Frage danach, wie jemand als Pfarrer zweifeln kann. (Klar kann er das - und wird es immer wieder tun. Dass alle Frommen unserer Glaubens-Geschichte gezweifelt haben und sich mit Niedergeschlagenheit herumschlagen mussten, wird schon in der Bibel deutlich.)

Wichtig scheint mir auch zu fragen, wie er es bisher geschafft hat, immer wieder aus diesen depressiven Phasen herauszukommen. Was oder wer hat ihn gestützt? Was hat ihm - trotz allem - Hoffnung gegeben? Was hat ihm geholfen, durchzuhalten, selbst dann, wenn er selber am Sinn aller Hilfe gezweifelt haben mag? Auch mit solchen Erfahrungen kann jemand Vorbild für diejenigen sein, die Zweifel und Depression kennen und sich nicht trauen, darüber zu reden.

Aus den Schriften der Wüstenväter, frühchristlicher Mönche, die im 4. Jahrhundert in Ägypten gelebt haben, lässt sich herauslesen, dass viele von ihnen depressive Verstimmungen durchleben mussten. Sie empfehlen, solche Lebenssituationen anzunehmen, wie sie sind, um sie dann besser bekämpfen zu können.

»Sieh der Niedergeschlagenheit ins Auge«, schreibt einer. Sie sei zwar die schlimmste von allen Versuchungen, »aber vor ihr zu fliehen oder sie zu scheuen macht den Geist ungeschickt, feige und furchtsam.«

Es könnte sein, dass ein Gespräch darüber, was es bedeutet, unter Depressionen zu leiden und sie - hoffentlich - immer wieder auch durchzustehen, ein wichtiger Schritt zur Annahme ist. Es kann Mut machen, dieser scheußlichen Sache ins Auge zu sehen. Darin zum Beispiel ist der Kollege ein Vorbild. Dabei können Sie ihn und einander unterstützen.

SONNTAGSBLATT - SPRECHSTUNDE

Barbara Hauck

Wenn Sie ein Problem haben und Rat brauchen, dann schreiben Sie an die »Sprechstunde«, Birkerstraße 22, 80636 München. Die Berater antworten auf dieser Seite oder mit Brief. Sie können auch unmittelbar an einen Berater schreiben: Pfarrerin Barbara Hauck, Breite Gasse 82/84, 90402 Nürnberg - oder Kirchenrat Waldemar Pisarski, Meringer Str. 38c, 86163 Augsburg.

Waldemar Pisarski

Wenn Sie eine längerfristige Korrespondenz wünschen, steht Ihnen die Evangelische Briefseelsorge, Postfach 600306, 81203 München, zur Seite. Alle Zuschriften werden vertraulich behandelt.

 

 

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Barbara Hauck

 


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abgerufen 30.05.2016 - 03:02 Uhr

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