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Dieser Artikel: Ausgabe 44/2015 vom 01.11.2015
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Hölzerne Klischees

Kay Pollaks Fortsetzungsfilm »Wie auf Erden« ist eine Enttäuschung


»Wie auf Erden« sollte als eigenständige Fortsetzung von »Wie im Himmel« ein Meisterwerk werden, das mitten ins Herz trifft. Herausgekommen ist aber leider eine belanglose, sich in Allgemeinplätzen verlierende Komödie, in der nicht einmal die Musik hilft, den Film zu retten.

Händels »Halleluja« als Event: Die Fortsetzung von »Wie im Himmel« lässt Fragen offen.
Foto: Prokino Filmverleih
   Händels »Halleluja« als Event: Die Fortsetzung von »Wie im Himmel« lässt Fragen offen.

        

Vielleicht sollte man einfach nicht zum Wiederholungstäter werden, wenn man bereits mit einem Oscar-nominierten Film gepunktet hat. Noch dazu, wenn dessen eindeutiger Held im Film das Zeitliche gesegnet hat.

Was also tun? Zum Fernsehen zur besten Sendezeit wechseln? Oder sich vom Film ganz zurückziehen? Eine Zeitlang hat der schwedische Regisseur Kay Pollak (Jahrgang 1938) genau Letzteres getan. Er nahm sich eine Auszeit, dann entschied er sich doch, an seinen Filmerfolg »Wie im Himmel« von 2004 beinahe gebetsmühlenartig anzuknüpfen. Nach elf Jahren schuf er die Fortsetzung »Wie auf Erden«. Das hätte er lieber bleiben lassen sollen.

Auch unter den Schweden gibt es keine verlässlichen Kirchgänger mehr. Wenn man ihnen aber mit Gesang, Tanz, Kaffee und Kuchen die Sache schmackhaft macht, dann kommen sie in Scharen. Jung und Alt. So oder so ähnlich lautet die Botschaft des Films, der wiederum um das Thema »Lebensfreude durch Musik« im weitesten Sinne kreist.

Hauptfigur Lena (reichlich überzeichnet von Frida Hallgren) ist eine junge, rustikale Country-Sängerin. Mit ihrem überbordenden Lebensmut rüttelt sie die lethargische Kirche im hohen Norden von Schweden in Ljusåker wach.

Sie stellt in ihrem maßlosen Übereifer die Gepflogenheiten der Kirche regelrecht auf den Kopf. Mit Brachialgewalt werden die Kirchenbänke herausgerissen und der Tanzboden ausgerollt, um das großartige Gotteslob »Halleluja« aus Händels »Messias« einzustudieren und als großes Event zu feiern. Dabei ruft Lenas unorthodoxe Art der Instrumentierung und Inszenierung zwangsläufig auch Kritiker auf den Plan. Darunter die pflichtbewusste Pfarrersfrau Siv einschließlich des Kirchenrats und eines neidischen Organisten.

Auch Dorfpfarrer Stig (Niklas Falk), der anfangs fast auf Knien darum gebettelt hat, Lena solle das Erbe ihres verstorbenen Freundes - Vater ihres neugeborenen Sohns und einst begnadeter Chorleiter - antreten, beginnt allmählich an ihrer Kompetenz zu zweifeln.

Wie nicht anders zu erwarten, braucht die Story noch einen charmanten Jüngling zur Unterstützung von Lena, die nach unverständlichen Irrungen und Wirrungen zu ihrem Märchenprinzen, dem Handwerker Axel (Jakob Oftebro) findet. Von ihm stammt der wohl symbolisch zu verstehende Satz: »Der Grund der Kirche ist morsch.« Dass Lena auf ihrem Kreuzzug gegen Konventionen die Kirche durch Liebe und Zusammenhalt retten kann, davon ist der Regisseur überzeugt.

Mal abgesehen davon, dass der 130-minütige Nachfolgefilm unnötig in die Länge gezogen wird, bleibt das Ganze relativ unausgegoren und ohne Spannungsbogen. Bereits am Filmanfang verausgabt sich die hochschwangere Lena auf der Bühne so lange, bis ihr die Fruchtblase platzt und sie sich vor dem Publikum zwischen die nassen Schenkel fasst. Dass sie in diesem Zustand den im Schnee steckenden Wagen anschiebt, nimmt man ihr nicht ab. Ebensowenig, dass der erst betrunken auf der Straße liegende Pfarrer die Rolle als Geburtshelfer übernimmt. Bei der Niederkunft am heimischen Herd durchtrennt er die Nabelschnur.

Wollen wir das alles sehen? Wäre es nicht auch mit leiseren Tönen möglich, eine toughe Heldin darzustellen? Überhaupt bleiben die Charaktere hölzern und werden auch für den letzten Hohlkopf in Gute und Böse aufgeteilt. Und von der allein erziehenden Mutter bis zum geistig Behinderten werden sämtliche gesellschaftlichen Klischeebilder vorgeführt.

Der Film zeigt da seine Stärke, wo er von den Personen weg auf die Weite der Landschaft fokussiert und eine Hundeschlittenfahrt durch die Naturidylle Nordschwedens zeigt.

 

  »Wie auf Erden« (Så ock på jorden), ab 3. Dezember im Kino. Internet:  www.wie-auf-erden.de

WIE IM HIMMEL

Wie im Himmel. Kay Pollaks Erfolgsfilm über einen schwedischen Kirchenchor zeigt großes Gefühlskino (2005). Von Markus Springer. » lesen!

Hölzerne Klischees. Kay Pollaks Fortsetzungsfilm »Wie auf Erden« ist eine Enttäuschung (2015). Von Angelika Irgens-Defregger. » lesen!

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abgerufen 29.07.2016 - 12:08 Uhr

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