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Dieser Artikel: Ausgabe 44/2015 vom 01.11.2015
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Zurück zu den Wurzeln

Nach 37 Jahren verlässt Christian Kabitz St. Johannis in Würzburg


Der Kirchenmusikdirektor packt seine Koffer und kehrt Würzburg den Rücken, vermutlich für immer.

Geht in den Ruhestand: der Würzburger Kirchenmusikdirektor Christian Kabitz.
Foto: Bachchor Heidelberg
   Geht in den Ruhestand: der Würzburger Kirchenmusikdirektor Christian Kabitz.

        

Der 65-jährige Christian Kabitz ist eine Koryphäe als Kirchenmusiker: Er komponiert, dirigiert und organisiert Festivals wie die bekannten Würzburger Bachtage. Die waren auch der Grund, weshalb es den gebürtigen Nürnberger weg von der Münchner Christuskirche nach St. Johannis lockte.

Das Schelmische, Aufgeweckte, Spitzbübische - Kabitz hat es sich bis heute erhalten. Er wagt musikalisch gern etwas. So war das schon in München, als er Philosophie auf Magister studierte und nebenbei ein Orchester gegründet und einen Chor geleitet hat. An der Paul-Gerhardt-Kirche in München-Laim hat er als Kirchenmusiker gewirkt, noch ehe er auf dem Papier einer war. »Die haben damals eine riesige Orgel mit vier Manualen in die Kirche gebaut«, erinnert er sich. Und der damalige Landeskirchenmusikdirektor überredete ihn bei der Einweihung, sich doch zur Aufnahmeprüfung fürs Kirchenmusik-Studium anzumelden.

Zwei Kantaten im Jahr

So gelangte Kabitz an die Christuskirche in München-Neuhausen. Mit langen Haaren und einem schwarzen Persermantel wirbelte er dort so manche Vorstellung durcheinander, führte das Musical »Jesus Christ Superstar« unter Polizeischutz auf, weil das mancher Protestant Ende der 1970er-Jahre gar nicht lustig fand, ging mit seinem Chor quer durch Europa auf Tournee und rief die Konzertreihe »Bach in der Karwoche« ins Leben, die es heute noch gibt. Alles war bestens - doch dann kam das Angebot, nach Würzburg zu gehen: »Für A-Kirchenmusiker gibt es nicht so viele interessante Stellen. Würzburg St. Johannis ist jedoch eine.«

Es sind nicht die Gottesdienste oder die Kinderchöre, die überregional reizvoll und von Bedeutung sind - obwohl Kabitz bis zuletzt beides mit viel Engagement gemacht hat. Es sind die Bachtage, die von der Johann-Sebastian-Bach-Gesellschaft kofinanziert werden. »So kann man Konzerte ausrichten, die anderswo nicht möglich wären«, sagt Kabitz. Dank der Rahmenbedingungen habe er die Weltspitze der Pianisten nach Unterfranken einladen können oder berühmte Quartette und Solisten: »Wir führen zwei Mal pro Jahr eine Bach-Kantate im Gottesdienst auf - das geht in kaum einer Kirche.«

Zum Weggehen gereizt hätte Kabitz höchstens die Kirchenmusiker-Stelle am Hamburger Michel oder in der Dresdner Frauenkirche. Dazu kam es nicht - zum Glück für die Würzburger. Denn Christian Kabitz übernahm in der unterfränkischen Metropole für fünf Jahre noch das Mozartfest als Intendant, internationalisierte es. Zuvor hob er Anfang der 1990er das Projekt »Rock meets Classic« mit aus der Taufe, tourte durch Europa.

Kabitz hat die Hochmusik damit aus ihrem Elfenbeinturm geholt - und ist doch einer ihrer größten Verfechter: »Leider hat die Kirchenmusik bei vielen Pfarrern nicht mehr den Stellenwert, den sie haben sollte.«

Was zum Abschied sein muss

Genau deshalb ist ihm auch stets die Arbeit mit Kindern ein Anliegen gewesen: »Wir müssen uns nicht nur Sänger heranziehen, sondern vor allem Zuhörer.« Für seine Kinderchöre in Würzburg und andernorts komponiert er regelmäßig Musicals und mehr. Zudem leitet er noch den Heidelberger Bachchor und den Cäcilienchor Frankfurt.

Dass Kabitz aus Würzburg weggeht, hat nur einen Grund - denn seine Frau bleibt vorerst hier wohnen und betreibt eine große Arztpraxis: »Ich kenne etliche Kirchenmusiker im Ruhestand, die ihren Nachfolgern das Leben schwergemacht haben, weil sie sich weiterhin in alles einmischen - oder eigene Ensembles gründen.«

Doch zuvor leitet er vom 21. bis 29. November letztmals die Bachtage in Würzburg. Auf seinen Wunsch dieses Jahr ohne Schwerpunkt auf einem zweiten Komponisten, sondern Johann Sebastian Bach pur. »Das musste zum Abschied einfach mal sein«, sagt Kabitz.

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Daniel Staffen-Quandt

 


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abgerufen 28.08.2016 - 22:36 Uhr

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