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Aktuelle Ausgabe: 39 vom 25.09.2016
Dieser Artikel: Ausgabe 44/2015 vom 01.11.2015
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Alltag mit Flüchtlingen

Seit Mai beherbergt die Johannesgemeinde in Königsbrunn rund 30 Männer aus Syrien


Von den rund 300 Flüchtlingen, die in Königsbrunn leben, wohnen derzeit gut 30 im Gemeindehaus der evangelischen Johanneskirche.

Begeistert von der Gastfreundschaft der Gäste: Timo Bützler (3. v. re.) kocht mit Abdulkader Orabi (re.), Iyyas Ghanem (3. v. li.) und anderen Flüchtlingen.
Foto: Lonnemannn
   Begeistert von der Gastfreundschaft der Gäste: Timo Bützler (3. v. re.) kocht mit Abdulkader Orabi (re.), Iyyas Ghanem (3. v. li.) und anderen Flüchtlingen.

        

Timo Bützler ist fast jeden Tag da. Der 17-jährige Jugendmitarbeiter der Johannesgemeinde in Königsbrunn bei Augsburg spielt Fußball mit den Flüchtlingen oder geht mit ihnen zur Bandprobe der Gemeindeband. »Das Erste, was ich gelernt habe, ist, wie westlich die Syrer sind - die haben das gleiche Menschenbild wie wir«, meint Bützler. Begeistert ist er von deren Gastfreundschaft: Das wenige, was die Flüchtlinge hätten, würden sie sofort mit ihren Besuchern teilen. Während des muslimischen Ramadan hätten sie oft gemeinsam abends gegessen, als es dunkel war.

»Die Jugend macht es uns vor: einfach drauflosgehen«, meint Pfarrerin Andrea Graßmann begeistert. Ältere Gemeindemitglieder hätten dagegen erst einmal vorsichtig bei ihr angefragt, wie sie es machen könnten, Flüchtlinge zu sich einzuladen.

Der Umbau kostete 50.000 Euro

Fast genau ein Jahr ist es nun her, dass das Landratsamt bei der Kirchengemeinde anfragte, ob sie Raum für Flüchtlinge bereitstellen könnte. Im Dezember stimmte in einer außerordentlichen Gemeindeversammlung eine Mehrheit dafür, die kaum noch genutzten Räume im Untergeschoss des Martin-Luther-Hauses zum Wohnheim für Flüchtlinge umzubauen. »Wir hatten hier zu viel Platz und die Flüchtlinge zu wenig«, erzählt Pfarrerin Andrea Graßmann.

Von der Tafel zur Tafel: Ehrenamtliche helfen bei den Sprachkursen im Gemeindehaus.
Foto: Lonnemannn
   Von der Tafel zur Tafel: Ehrenamtliche helfen bei den Sprachkursen im Gemeindehaus.

        

Rund 50.000 Euro investierte die Gemeinde, um die Räume im Untergeschoss als Unterkunft nutzbar zu machen. So wurden etwa Duschen eingebaut. Im Mai dieses Jahres zogen 37 Flüchtlinge ein, Männer im Alter zwischen 20 und 45 Jahren, die meisten aus Syrien und Albanien. Die Albaner wurden bereits wieder abgeschoben. Zugewiesen werden die Männer vom Landratsamt. Es zahlt auch die Miete und das Geld für den Unterhalt der Flüchtlinge.

Auch der 22-jährige Abdulkader Orabi kommt aus Syrien. Seine Eltern und die beiden Schwestern seien noch in Damaskus, sein Bruder lebe mit ihm in Königsbrunn, berichtet er. Zu Hause hat Abdulkader Wirtschaft studiert, nun hofft er, eines Tages in Deutschland studieren zu können. Sein Freund Iyyas Ghanem möchte am liebsten noch eine Ausbildung machen, obwohl er schon 30 Jahre alt ist. Im Moment arbeitet er als Ein-Euro-Jobber für das Grünamt Königsbrunn. »Ich komme raus und gebe der Stadt damit etwas zurück für das Gute, das ich hier erfahre«, so Ghanem.

Zu fünft oder sechst wohnen die Flüchtlinge in einem Zimmer, Privatsphäre gibt es kaum. Jeder hat ein Bett, einen abschließbaren Spind, dazu gibt es einen Tisch und Stühle in jedem Raum. In der Gemeinschaftsküche stehen drei Herde, auf denen sich die jungen Männer ihr Essen kochen.

Aus dem Königsbrunner Unterstützerkreis kümmern sich etwa 20 Leute um die Flüchtlinge im Martin-Luther-Haus. »Sie helfen ehrenamtlich mit Sprachkursen, gehen mit zu Ärzten und Behörden oder organisieren Freizeitveranstaltungen«, berichtet Pfarrerin Graßmann. Ihr sei es wichtig, dass man den Flüchtlingen auf Augenhöhe begegne und sie mit Respekt behandle: »Das sind Männer aus der arabischen Kultur, die waren Tausende Kilometer unterwegs. Ehre und Würde sind da wichtige Begriffe«, erläutert die Pfarrerin. »Nicht wir müssen ihnen die Welt erklären, sondern sie haben viel erlebt und können uns manches beibringen.«

Christlicher Auftrag

Für Graßmann ist es Teil des christlichen Auftrags, sich um Flüchtlinge zu kümmern, auch wenn diese einen anderen Glauben haben. »Jesus Christus sagt uns in einem Matthäus-Vers ,Ich bin fremd gewesen und ihr habt mich aufgenommen'. Aber auch schon im Alten Testament wird bei Mose gesagt, dass der Fremde wie ein Einheimischer gelten soll und wir ihn lieben sollen wie uns selbst.«

Gleichzeitig scheut sich Graßmann auch nicht, Probleme zu benennen. Mit den Flüchtlingen aus Albanien habe man durchaus Schwierigkeiten gehabt. »Aber«, so Graßmann, »zwischen der Gemeinde und den Syrern hat es von Beginn an keine Probleme gegeben.«

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Angelika Lonnemann

 


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abgerufen 01.10.2016 - 15:45 Uhr

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