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Dieser Artikel: Ausgabe 45/2015 vom 08.11.2015
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Sterben ohne Zeitdruck

Die Geburtshilfe als Warnhinweis für die Zukunft der Sterbehilfe

Kommentar von Nadja A. Mayer

Sterbebegleitung und Sterbehilfe: Über diese beiden Aspekte des Lebensendes hat diese Woche der Bundestag beraten. Dabei ging es vor allem um die Frage: aktive Sterbehilfe - ja oder nein? Die Diskussionen im Vorfeld haben erneut die Zwiegespaltenheit bei diesem existenziellen Punkt gezeigt. Die Angst vor der Kommerzialisierung des Sterbens gegenüber der Furcht vor nicht enden wollenden Todesqualen, die Ärzte künftig ganz legal könnten beenden sollen.

Bei den Angst-Debatten lohnt sich, den Blick auf den anderen Rand des Lebens zu werfen: das Geborenwerden. Tod und Geburt sind die Klammern der Existenz. Die Entwicklungen im Bereich der Geburtshilfe lassen erahnen, wie es in der Sterbehilfe künftig aussehen könnte.

Abgesehen von allen medizinischen Entwicklungen: Während früher die Kinder zu Hause zur Welt kamen, werden sie heute im Krankenhaus geboren. Beim Sterben schaut es ähnlich aus: Laut aktuellem Bericht der Bertelsmann-Stiftung stirbt mittlerweile jeder Zweite im Krankenhaus - obwohl er lieber zu Hause bliebe.

Dinge, die einst in der Familie organisiert wurden, werden heutzutage delegiert (wie zum Beispiel auch die Kindererziehung oder die Altenpflege). Auch das Sterben findet oft getrennt von der Familie statt. Diese Tatsache macht Hospize und professionalisierte Sterbehilfe notwendig. Was auf der einen Seite gut ist und eine Lücke schließt, bedeutet im Gegenzug aber auch die Ökonomisierung des Sterbens.

Und genau diese Verwirtschaftlichung kann unter Umständen auch den Wunsch bestärken, das Sterben möglichst kurz zu halten - um etwa den Kindern nicht zur Last zu fallen (kennt man von der Grabpflege). Diese Gefahr muss unter allen Umständen abgewehrt werden. Jeder hat das Recht auf sein eigenes Tempo beim Sterben - wie bei der Geburt auch.

Doch hier - und das ist der Warnhinweis für die Entwicklung der Sterbehilfe - gilt dies nicht mehr. Da gibt es die inoffizielle 12-Stunden-Grenze.

Liegt eine Frau schon zwölf Stunden ohne großartigen Geburtsfortschritte in den Wehen, wird geschnitten. Ein Kaiserschnitt ist lukrativer fürs Krankenhaus. Verunsicherung und Schmerzen führen dazu, dass die Frauen zu selten Nein zum Kaiserschnitt sagen.

Argumente, die nicht in unwesentlichem Maße auch für die Sterbehilfe gelten. Belegt man lange und kostenintensiv ein Sterbebett, oder geht es kurz und schmerzlos? - Sollte am Ende die aktive Sterbehilfe legalisiert werden, kann man nicht ausschließen, dass es wie beim Kaiserschnitt endet: Nur etwa jeder zehnte wäre notwendig gewesen.

Sonntagsblatt-Redakteurin Nadja A. Mayer

 

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abgerufen 26.05.2016 - 02:35 Uhr

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