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Dieser Artikel: Ausgabe 45/2015 vom 08.11.2015
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Visonär und Apokalyptiker

Personen der Bibel (45): Daniel - Was haben Isaac Newton, Wilhelm II. und Jesus mit ihm zu tun?


Was haben Isaac Newton, Kaiser Wilhelm II. und Jesus mit Daniel zu tun? Die Bezüge zeigen, dass Daniel eine besondere Persönlichkeit mit verschiedenen Facetten und einer großen Wirkungsgeschichte ist.

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Foto: PD
   Peter Paul Rubens: Daniel in der Löwengrube, 1616, National Gallery of Art, Washington, D. C. Paul Rubens: Daniel in der Löwengrube, 1616, National Gallery of Art, Washington, D. C.

        

Üblicherweise werden die Hauptpersonen der Bibel mit Licht und Schattenseiten dargestellt. Es gibt kaum »biblische Glaubenshelden«, von denen nur Positives berichtet wird. Daniel ist einer der wenigen, von dem nur Gutes erzählt wird. Mit seinen drei Freunden, die an den Königshof berufen werden, gehört er zu einem »Heldenquartett«.

Die Zuordnung des Danielbuches innerhalb der Bibel ist nicht eindeutig: Während in der christlichen Bibel Daniel zu den großen Propheten gehört, ist in der jüdischen Bibel Daniel nicht Teil der Propheten, sondern der Schriften. Das liegt daran, dass das Danielbuch zwei Teile hat - die  Kapitel 1-6 sind die Geschichten über Daniel in Babylonien, die  Kapitel 7-12 sind Visionen für die Zukunft. Und so ist das Danielbuch das einzige apokalyptische Buch des Alten Testaments.

Man kann sagen: Was die Offenbarung des Johannes für das Neue Testament ist, das ist das Danielbuch für das Alte Testament: Die Ankündigung der Auferstehung der Toten in Daniel 12 ist eines der wenigen Zeugnisse vom endzeitlichen Gericht über die Toten im Alten Testament.

Außerdem gibt es noch Zusätze zum Danielbuch, die sich als Apokryphen in der katholischen Bibel finden, nicht aber in der evangelischen Bibel. Zu diesen Zusätzen gehören Texte über Susanna, Bel und den Drachen und außerdem die poetischen Texte »Gebet des Azariah« und der »Gesang der drei Männer im Feuerofen«.

Außerhalb des Danielbuches wird Daniel in der Bibel kaum genannt: Beim Propheten Hesekiel zum Beispiel wird Daniel als Musterbeispiel an Gerechtigkeit ( Hesekiel 14, 14) und Weisheit ( Hesekiel 28, 3) beschrieben. Im Neuen Testament verweist der Evangelist Matthäus ( 24, 15) auf Prophezeiungen von Daniel. ( Daniel 9, 27;  11, 31)

Es gibt aber ähnliche Geschichten mit deutlichen Parallelen im Alten Testament: Auch bei den Josefserzählungen und im Buch Ester geht es darum, dass ein Israelit in der Fremde lebt, dort von Gott begleitet einen Aufstieg erlebt und dadurch Gutes bewirken kann.

Wer war dieser Daniel? Vermutlich ein Israelit königlicher oder adeliger Herkunft, der von Nebukadnezar im 3. oder 5. Jahr König Jojakims (um das Jahr 605 v. Christus) als Gefangener nach Babylonien geholt wird. Aufgrund ihrer Weisheit und Schönheit werden Daniel und seine drei Freunde ausgewählt, am babylonischen Königshof zu dienen.

Die Bibel beschreibt Daniel als einen Mann mit besonderen prophetischen Gaben, der apokalyptische Visionen hat. Daniel hat die Gabe der Traumdeutung und gilt als vorbildlicher Weiser, als Märtyrer, der sein eigenes Leben riskiert. Daniel steht für Treue zu seinem Volk, dessen Traditionen und Gesetzen und zu seinem Gott. Er ist Gott gehorsamer als dem regierenden babylonischen König. Er wird dadurch zum Bekenner des Gottes Israels.

Am fremden Königshof findet er eine gute Balance zwischen Solidarität und Unterstützung für König und Regierung - und auf der anderen Seite der Treue und dem Gehorsam gegenüber den eigenen Überzeugungen und Traditionen. Dafür steht, dass Daniel und seine drei Freunde neue, nicht jüdische Namen bekommen. Sie müssen sich also ein Stück weit anpassen und ihre jüdische Identität hinter sich lassen. Sein israelitischer Name Daniel bedeutet »Gott ist mein Richter« - der neue babylonische Name »Belšazar« bedeutet soviel wie »O Baal, beschütze sein Leben / O Baal, beschütze den König«.

Gewogen und für zu leicht befunden

Ihre Treue zu ihrem Volk und ihrem Gott zeigt sich zum Beispiel daran, dass Daniel sich auch in der Fremde an die jüdischen Reinheits- und Speisevorschriften halten will. Dies wird zu einem Bekenntnisakt.

Der steile Aufstieg Daniels führt ihn vom israelitischen Gefangenen zum Diener am königlichen Hof, er wird Traumdeuter des Königs, Berater und letztlich Verwalter über die ganze Provinz Babylon und Vorsteher aller Weisen im Land.

Zu den zentralen Geschichten über Daniel gehört die Erzählung vom Festmahl Belšazars am Neujahrsfest zu Ehren des Gottes Marduk. Während des Mahls wird der geraubte Jerusalemer Tempelschatz benutzt und durch die Anbetung anderer Götter entweiht. Daraufhin erscheint eine Schrift an der Wand: Mene mene tekel u-parsin - gezählt, gewogen und geteilt. Nur der von der Königsmutter gerufene Daniel kann sie entschlüsseln: Gott habe Belšazars Tage gezählt, ihn gewogen und für zu leicht befunden, er werde sein Reich zerteilen und den Medern und Persern übergeben. Noch in derselben Nacht wurde der König getötet, obwohl er Daniel zuvor noch mit Purpur gekleidet und zum dritthöchsten Staatsdiener gemacht hatte.

Aus dieser Geschichte stammt das Wort »Menetekel«, das im deutschen Sprachgebrauch als eine Warnung, ein böses Omen oder ein Vorzeichen für drohendes Unheil verstanden wird.

Bei Kinderbibeltagen wird immer wieder gerne die berühmte Geschichte von Daniel in der Löwengrube erzählt: Daniel wird wegen seines Gebets zum Gott Israels in die Löwengrube geworfen. Auch hier ist er einerseits loyal gegenüber dem König, aber trotzdem treu gegenüber seinem Gott. Die Engel Gottes bewahren ihn aber vor den hungrigen Löwen. König Darius, der Daniel in die Grube werfen ließ, erlässt nach dem wundersamen Ereignis ein Gesetz, das die reichsweite Achtung des biblischen Ersten Gebots festschreibt: »Er ist der lebendige Gott, der ewig bleibt, und sein Reich ist unvergänglich, und seine Herrschaft hat kein Ende.«

Im Christentum wird Daniel mit seinen Visionen zu den Propheten des Alten Testaments gezählt. Seine apokalyptischen Bilder als Grundlage gelten für die Offenbarung des Johannes. Im modernen Judentum gilt er dagegen nicht als Prophet. Als Grund wird angeführt, Daniel habe niemals direkt mit Gott gesprochen, sondern nur mit Engeln. Ein weiterer Grund ist, dass Daniel im Gegensatz zu den anderen alttestamentlichen Propheten nicht zu seiner Generation gesprochen habe, sondern nur über die Zukunft.

In  Daniel 7, 13 ist die Rede von Einem, »der wie ein Menschensohn auf den Wolken des Himmels kommt«. Schon ab dem 1. Jahrhundert wurde in jüdischen Texten diese Bezeichnung des Menschensohns auf den himmlischen Messias gedeutet. Im Neuen Testament wird Jesus dieser Hoheitstitel zugesprochen. Deshalb sind die apokalyptischen Texte aus dem Danielbuch eine Grundlage für die Christologie im Neuen Testament.

Auch in der Neuzeit kommt der Prophet Daniel an unterschiedlichen Stellen vor: Im Dom von Metz gibt es eine Statue des Propheten Daniel, dessen Kopf das Gesicht von Kaiser Wilhelm II. trägt. Der Naturwissenschaftler Isaac Newton (1643-1727) hat eine Schrift herausgegeben mit dem Namen »Observations upon the Prophecies of Daniel, and the Apocalypse of St. John« und hat auf der Grundlage der Visionen des Daniel und in der Offenbarung des Johannes das Ende der Welt auf das Jahr 2060 berechnet.

Das Grab des Daniel wird in Susa im heutigen Iran vermutet. Das Gebäude mit Daniels Grab hat die Form eines Zuckerhuts. Das Mausoleum hat die Form eines asymmetrischen weißen Turms. Es ist eine muslimische Pilgerstätte.

DANIEL

  NAME: Daniel bedeutet »Mein Richter ist Gott«.

  BERUF: Visionär und Apokalyptiker

  HERKUNFT: Er stammt aus dem Stamm Juda und aus der königlichen Familie Davids.

  ZEIT: Daniel war Zeitgenosse des Propheten Hesekiel, in der babylonischen Gefangenschaft, ca. 600 vor Christus.

  WIRKUNGSGESCHICHTE: Die Rettung der Susanna durch Daniel (  Kapitel 13) wird in der Weltliteratur, der Malerei und der Rechtswissenschaft vielfach aufgegriffen: Zwei alte Richter sehen im Hause Jojakims seine schöne Frau Susanna. Diese beiden Richter lauern Susanna beim Bade auf und erpressen sie zum Beischlaf mit der Drohung, sie ansonsten des Ehebruchs mit einem jungen Mann zu beschuldigen. Susanna weigert sich und schreit. Die beiden Richter schreien ebenfalls und klagen Susanna, wie angedroht, an. Die Richter behaupten, Susanna beim Ehebruch ertappt zu haben. Die beiden Richter verurteilen Susanna zum Tode. Daniel rettet Susanna, indem er in einem Kreuzverhör beweist, dass die beiden Alten lügen.

  WICHTIGE BIBELSTELLEN:  Daniel 1, 1-21;  Daniel 5 /  Daniel 6

  ZITAT: »So aber lautet die Schrift, die dort geschrieben steht: Mene mene tekel u-parsin.« ( Daniel 5, 25)

THEOLOGISCHES STICHWORT

ENDZEIT IM JUDENTUM: Nach jüdischer Vorstellung bricht die Endzeit mit dem Kommen des jüdischen Messias an und kann nur durch das Handeln der Menschen in Richtung Frieden und Gerechtigkeit herbeigerufen werden. Dagegen ist der Glaube an eine Selbstzerstörung der Welt, an einen Weltuntergang oder an Armageddon, zum Beispiel durch Katastrophen, Atomkriege oder Terrorismus, nicht im Judentum vertreten. Einem jüdischen Glaubenssatz von Maimonides zufolge wird eines Tages ein direkter Abkömmling König Davids als jüdischer Anführer erscheinen. Dieser wird den Tempel in Jerusalem erneut aufbauen und alle Juden im Land Israel vereinen. Krieg, Not und Hunger enden, und eine Zeit weltweiten universellen Friedens und Wohlergehens wird beginnen und in der Welt Bestand haben. Alle Menschen werden den einen unteilbaren Gott anerkennen, und das jüdische Volk wird sich mit der Tora beschäftigen.

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Michael Wolf

 


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abgerufen 28.08.2016 - 02:26 Uhr

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