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Dieser Artikel: Ausgabe 45/2015 vom 08.11.2015
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Wünsch dir selber ein Schloss!

Sonntagsblatt-Sprechstunde


Ein Sohn und ein Vater und die Erfahrung, dass man sich »hocharbeiten« kann, und zwar ohne das Leben und den Blick auf die Seinen zu vernachlässigen.

Ich habe eine gute Beziehung mit meinem Vater. Gut bis auf einen einzigen Punkt. Zunächst aber einmal ist da viel Respekt. Mein Vater hat ein Leben lang hart gearbeitet. Aus kleinen Verhältnissen hat er sich hochgearbeitet, hat sich selbst wenig gegönnt, hat aber sehr gut für uns, seine Familie, gesorgt.

Er war auch kein abwesender Vater. Jemand, der frühmorgens aus dem Haus geht und abends erschlagen wiederkommt. Ohne Blick und ohne Gedanken für die Seinen. Nein, meine und unsere Kindheit waren voller Erleben, voller Spiele und Unternehmungen.

Jetzt komme ich zu der wunden Stelle: Ich habe vor ein paar Monaten mit Anfang 30 mein Studium beendet und versuche jetzt, mir eine eigene Existenz aufzubauen. Dabei könnte ich toll die Hilfe meines Vaters gebrauchen. Ein großzügiges Geldgeschenk, eine Auszahlung des Erbes oder dergleichen.

Aber auf diesem Ohr scheint mein Vater nicht zu hören. Er geht einfach nicht auf meine mehr oder weniger direkten Hinweise oder Bitten ein. Angesichts dieser Zurückhaltung frage ich mich langsam, ob ich mich in unseren Gesprächen einmal noch deutlicher und klarer äußern sollte. Nur: Auf gar keinen Fall möchte ich unsere gute Beziehung gefährden.

Herr L.

 

Ich entführe Sie für einen Moment in eine ganz andere Welt - die Welt der jüdischen Weisheit: Zwei arme Juden träumen vom großen Wunder. Sagt der Erste: »Wenn ich mir könnt wünschen, was ich möcht, möcht ich mir wünschen a großes Schloss mit drei Stockwerk, dazu auch a große Küche mit feinstem Personal, und dazu noch Wagen und Pferd und ein großen Park.« Sagt der Zweite: »Und wenn du hättest a solches Schloss, tätest du mir geben von die vielen Zimmer a einziges für mich?« Der Erste: »Nein, das iberhaupt nich.« Der zweite ungläubig: »Du wärst so reich und tätest mir nicht geben a einziges Zimmer? Warum nich?« Darauf der Erste: »Wünsch dir selber a Schloss!«

Ob Sie darin etwas für sich entdecken können? Sie sehen die Zögerlichkeit Ihres Vaters und vermuten eine Schwerhörigkeit, die sich durch deutlicheres und direkteres Reden überwinden ließe.

Mag sein, mag aber auch nicht sein. Es könnte sich doch auch so verhalten wie in dem Schlussdialog der Weisheitsgeschichte. »Du wärst so reich und tätest mir nicht geben a einziges Zimmer? Warum nicht?« fragen Sie, und Ihr Vater antwortet: »Wünsch dir selber a Schloss!«

Ließe sich das in Ihre Situation übertragen? Demnach würde Sie Ihr Vater sehr wohl hören, und sein jetziges Verhalten wäre nichts anderes als ein Ausdruck der Fürsorge. Einer Fürsorge, wie Sie sie schon bisher von ihm her gespürt haben und für die Sie ja dankbar sind. Seine Zurückhaltung wäre dann ein Zutrauen, dass Sie sich selbst ein Schloss erwünschen können, ein Zutrauen zu Ihrer Wunschkraft, Ihrer Zielstrebigkeit, Ihrer Kreativität und Initiative.

Ihr Vater hat selbst erlebt, dass man sich »hocharbeiten« kann, und zwar ohne das Leben und den Blick auf die Seinen zu vernachlässigen. Wenn er seinem Sohn etwas von dieser Erfahrung weitergeben möchte, das wäre der schlechteste Deal doch nicht, oder?

SONNTAGSBLATT - SPRECHSTUNDE

Barbara Hauck

Wenn Sie ein Problem haben und Rat brauchen, dann schreiben Sie an die »Sprechstunde«, Birkerstraße 22, 80636 München. Die Berater antworten auf dieser Seite oder mit Brief. Sie können auch unmittelbar an einen Berater schreiben: Pfarrerin Barbara Hauck, Breite Gasse 82/84, 90402 Nürnberg - oder Kirchenrat Waldemar Pisarski, Meringer Str. 38c, 86163 Augsburg.

Waldemar Pisarski

Wenn Sie eine längerfristige Korrespondenz wünschen, steht Ihnen die Evangelische Briefseelsorge, Postfach 600306, 81203 München, zur Seite. Alle Zuschriften werden vertraulich behandelt.

 

 

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abgerufen 03.12.2016 - 14:43 Uhr

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