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Dieser Artikel: Ausgabe 45/2015 vom 08.11.2015
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Jeder versteht etwas von moderner Kunst

Seit dieser Woche: Ausstellung »Gott und die Welt« in der Schweinfurter Kunsthalle


Künstler sollten das Thema »Gott und die Welt« bearbeiten. Die meisten der 19 ausgewählten Wettbewerbsteilnehmer lassen schnell ahnen, worum es ihnen jeweils geht.

Matthias Böhler und Christian Orendt bauten im Oberstock der Erdlandefähre eine Station zur Erforschung des menschlichen Herzens.
Foto: Fildhaut
   Matthias Böhler und Christian Orendt bauten im Oberstock der Erdlandefähre eine Station zur Erforschung des menschlichen Herzens.

        

In der Kunsthalle regiert keineswegs die Beliebigkeit, obwohl sich der Titel »Gott und die Welt« ja auch im Sinn von »alles Mögliche« lesen ließe. Der Ausstellungsmacher Helmut Braun ist landeskirchlicher Kunstreferent (siehe Interview). Er wagte hier eine »Finissage zum Themenjahr ›Bild und Bibel‹«. Allerdings sieht man kaum ein Werk, das direkt in der Traditionslinie sakraler Kunst steht. Wer mit diesen Exponaten einen Kirchenraum ausstattet, braucht sehr aufgeschlossene Gemeindemitglieder.

Gleich der erste Blick in den großen Ausstellungssaal, neben dem es noch drei Kabinette gibt, erfasst einen Wesenszug der ganzen Schau: Hier steht Elementares neben Verspieltem. Manchmal kommt sogar das Elementare selbst verspielt daher. Eine Ausstellung, die ihre Prinzipien so frei für jedermann zugänglich offenlegt, ist auf jeden Fall schon einmal hervorragend gelungen; man denke als Gegenbeispiel an die verbreitete Neigung von Gegenwartskünstlern und Kuratoren, sich möglichst geheimnisvoll und un(an)greifbar zu geben.

Von Materie und Entmaterialisierung

Die Aufmerksamkeit des Eintretenden wird zuallererst aber nicht von elementaren oder verspielten Inhalten gefesselt, sondern von schierer Ausdehnung. Von der neun Meter hohen Decke hängen Stahlseile und halten fünf rostige Eisenboxen, die beim langsamen Schwingen mit dunklen Tönen in ihren Aufhängungen brummen. Die Bildhauerin Meike Büdel ist außer mit dieser »Großen Schwebe« noch mit weiteren Werken vertreten.

Fast bis zur Decke hinauf reichen auch die Batman-Ohren einer Art Mondlandefähre. Die darf und soll man betreten. Wer die Apollo-Raumfahrtmissionen als Junge miterlebt hat, wird entweder ungebremst auf die Rampe zu stürzen oder seinen Eintritt in diese sichtliche NASA-Persiflage lustvoll hinauszögern.

Drinnen verbreitet sich allmählich die Erkenntnis, dass wir eine Erdlandefähre von Außerirdischen geentert haben. In Modellen, Zeichnungen und Gemälden haben die intergalaktischen Forscher sich ein sehr befremdliches Bild von einer Spezies gemacht, von der sie nicht recht wissen, ob sie sie als intelligente Mitbewohner des Universums anerkennen sollen.

Stück für Stück gewinnt man eine unerwartete Hochachtung vor den Beiträgern zu dieser dritten Schweinfurter Triennale. Denn zugelassen waren nur Künstler, die einen biografischen Bezug zu Franken aufweisen. Ein sehr schönes Niveau weisen die Künstlerinnen (sieben) und Künstler (zwölf) unserer Region vor.

Am Anfang des Wegs fällt zum Beispiel eine Vitrine mit fünf Plexiglas-Pilzen - oder was es nun sei - auf. Nahe dran wird klar: Die Dinge sind nicht massiv. Es handelt sich um Hohlformen. Und nun ahnt auch der metallurgische Laie, dass es ein sehr edles Material sein muss, wenn sich Flächen wie hier derart gegeneinander spiegeln, nein: sich wechselseitig einen Schimmer zuwerfen, sodass sich der Stoff förmlich vor unseren Augen entmaterialisiert. Hier wurde Schöpfung aufgehoben. Juliane Schölß gewährt einen Einblick in den platonischen Ideenhimmel.

Manche Werke beziehen sich nicht so schlüssig auf das Thema »Gott und die Welt«. Kirill Schröder zeigt Karikaturen einer grotesken, aus dem Maß geratenen Gesellschaft. Erst wenn man sich in seine Aquarelltechnik vertieft, dämmert es: Der Künstler lässt auch seine eigene Rolle greifbar werden - und zwar seine Rolle als Schöpfer.

Bei Florian Tuerckes Videos nützt es, dem Gratis-Audioguide zuzuhören. Denn wenn man weiß, dass das Gesicht auf dem Bildschirm aus Hunderten verschiedener Gesichter zusammenkopiert ist, dann zieht sich gleich viel leichter eine Parallele zu Adam, Rippe und Eva - wenn Gott am sechsten Tag schon Digitaltechnik gehabt hätte.

Die Ausstellung ist überschaubar, trotzdem sollte man Zeit mitbringen. Von Felix Boe-kamps kleiner Weihnachtskrippe aus toten Insekten und Kerbtieren führt ein gut zwei Kilometer langer Rundweg zu sieben ähnlichen Kometenschweif-Szenerien in der Schweinfurter Altstadt. Richtig lohnend ist lediglich Station Nr. 2 in der Heilig-Geist-Kirche, jedenfalls bis zum 13. November. So lange stellt Romana Kochanowski dort ihre eindringlichen - und verglichen mit den »Gott und die Welt«-Exponaten altmodischen - Gemälde »Mensch im Sein« aus.

 

  ORT UND ZEIT: Kunsthalle Schweinfurt, Rüfferstr. 4, bis 13. März Di., Mi., Fr.-So. 10-17 Uhr, Do. 10-21 Uhr. Eintritt fünf Euro.

»GOTT UND DIE WELT«

Kunst entfaltet Denkräume. Schweinfurter Kunsthalle zeigt Ausstellung »Gott und die Welt« - Gespräch mit Kurator Helmut Braun. » lesen!

Jeder versteht etwas von moderner Kunst. Seit dieser Woche: Ausstellung »Gott und die Welt« in der Schweinfurter Kunsthalle. » lesen!

 

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Joachim Fildhaut

 


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abgerufen 28.07.2016 - 12:23 Uhr

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