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Dieser Artikel: Ausgabe 45/2015 vom 08.11.2015
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Einfach mal zuhören

Landesbischof bei Münchner Telefonseelsorge: »Zeit für den Unterschied im Leben eines Menschen«


Wer in einer Lebenskrise steckt oder jemandem sein Herz ausschütten will, der findet bei den Ehrenamtlichen der Münchner Telefonseelsorge rund um die Uhr ein offenes Ohr. Jetzt besuchte der evangelische Landesbischof die anonymen Helfer.

Gerborg Drescher (l.), Vorstand im Evangelischen Beratungszentrum, und Norbert Ellinger, Leiter der Telefonseelsorge, berichteten dem Landesbischof (r.) von der Arbeit am Sorgentelefon.
Foto: Plesch
   Gerborg Drescher (l.), Vorstand im Evangelischen Beratungszentrum, und Norbert Ellinger, Leiter der Telefonseelsorge, berichteten dem Landesbischof (r.) von der Arbeit am Sorgentelefon.

        

An 365 Tagen im Jahr 24 Stunden ein offenes Ohr - es gibt wohl nur die Telefonseelsorge, die das leisten kann. »Die Telefonseelsorge erfüllt eine Kernaufgabe der Kirche«, betonte der evangelische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, der die Mitarbeiter der Telefonseelsorge am 2. November besuchte und sich von ihrer Arbeit berichten ließ. Vor 63 Jahren ist die Telefonseelsorge gegründet worden: Am 2. November 1952 hatte der anglikanische Priester Chad Varah eine Anzeige geschaltet, in der es hieß: »Bevor Sie Selbstmord begehen, rufen Sie mich an.«

Bundesweit führen bei der Telefonseelsorge 8000 Ehrenamtliche rund 1,8 Millionen Gespräche jährlich, allein in München melden sich unter der kostenfreien Nummer 0800 111 0 111 rund 25 000 Menschen bei den 120 Ehrenamtlichen. Rund 75 Prozent von ihnen rufen mehrmals an, einige sogar täglich, berichtet Gerborg Drescher, Vorstand des Evangelischen Beratungszentrums München. »Es gibt Menschen, die jeden Morgen bei uns anrufen, um sich sozusagen ›in die Spur‹ bringen zu lassen. Vor allem psychisch Kranken können wir so Struktur im Tag geben.« Drescher ist überzeugt: »Wir fangen sehr viel auf und stabilisieren so auch die Gesellschaft.«

Manche Anrufer stellten konkrete Fragen, wie »Wo kann ich einen Mann kennenlernen?«, viele wollten auch einfach etwas loswerden, was ihnen am Tag widerfahren ist, oder von ihren Krankheiten berichten, erzählen die Ehrenamtlichen dem Landesbischof. Etwa 60 Prozent der Anrufer leben allein, Tendenz steigend. Bei Problemen wie Essstörungen oder Sucht können die Ehrenamtlichen die Anrufer zu den passenden Beratungsangeboten weiterleiten. »Wir sind hier in München sehr gut vernetzt«, erzählt Drescher.

Aktuell wendeten sich viele Menschen mit Ängsten aufgrund der Flüchtlingskrise an die Telefonseelsorge, berichtet Pfarrer Norbert Ellinger, Leiter der Münchner Telefonseelsorge. Sogar haupt- und ehrenamtliche Flüchtlingshelfer suchten bei ihnen Rat.

Seit einiger Zeit bietet die Evangelische Telefonseelsorge auch Beratung per Chat und per Mail an. Im Chat seien es eher jüngere Menschen, die Hilfe suchten, erzählt eine Ehrenamtliche. »Viele sind nicht in der Lage, über ihr Problem zu sprechen.« Der schriftliche Kontakt ermöglicht ihnen dennoch, Hilfe zu suchen.

Der kirchliche Hintergrund der Beratungsstelle sei für viele Anrufer wichtig, berichtet ein Ehrenamtlicher. Er schaffe Vertrauen und sei eine Qualitätsgarantie. Außerdem hätten immer noch viele Menschen das Bedürfnis, sich an die Kirche zu wenden. Die Evangelische Telefonseelsorge wird von der Landeskirche, Stadt und Landkreis München sowie aus Spenden finanziert und arbeitet eng mit der Katholischen Telefonseelsorge zusammen.

Wer Interesse an einer Mitarbeit hat, sollte offen, flexibel und belastbar sein, erläutert Ellinger. Wer geeignet ist, bekommt nach dem Auswahlgespräch eine Ausbildung von 180 Stunden, die ein knappes Jahr dauert. Neue Mitarbeiter begleiten zunächst die erfahrenen Ehrenamtlichen bei ihrer Arbeit, danach dürfen sie in Zweierteams selbst an den Hörer. Erst am Ende der Ausbildung betreuen sie alleine eine Schicht.

Wer die Ausbildung abschließt, verpflichtet sich zu einer Mitarbeit von mindestens zwei Jahren mit zwei Schichten pro Monat: einmal fünf Stunden Tag- und einmal fünf Stunden Nachtschicht. Jährlich gibt es mehrere verpflichtende Supervisionen. »Kein Ehrenamtlicher muss sich alleine fühlen«, so Drescher.

Trotzdem wird es immer schwerer, Menschen für die Mitarbeit bei der Telefonseelsorge zu finden. Dabei ist die Arbeit nicht nur belastend, wie ein Ehrenamtlicher berichtet: »Diesen unmittelbaren Einblick in die Seele eines Menschen, den du hier bekommst - das gibt es in der Gesellschaft sonst nicht. Diese Arbeit hat mich persönlich sehr verändert und ist eine große Bereicherung für mich.«

Landesbischof Bedford-Strohm bedankte sich schließlich sehr bei den Ehrenamtlichen für ihren Einsatz: »Mit einem Wort, einem Satz oder einfach nur etwas Zeit machen Sie einen Riesenunterschied im Leben eines Menschen.«

 

  Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr unter der kostenfreien Nummer 0800 111 0 111 zu erreichen.

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Imke Plesch

 


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abgerufen 31.05.2016 - 12:00 Uhr

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