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Dieser Artikel: Ausgabe 46/2015 vom 15.11.2015
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»Es wird heiß«

Georg Gänswein und Navid Kermani reden in Rom über Sex, Maria und falsch verstandenen Feminismus


Friedenspreisträger Navid Kermani und der Sekretär des emeritierten Papstes Benedikt, Georg Gänswein, treffen sich zum Schlagabtausch in der deutschen Botschaft am Heiligen Stuhl im Rom - und entdecken überraschende Übereinstimmungen.

Der Umgang mit Maria liefert Diskussionsstoff: Friedenspreisträger Navid Kermani (links) hat sich mit Georg Gänswein, Sekretär des emeritierten Papstes Benedikt, getroffen.
Foto: dpa (l) / imago sportfotodienst (r)
   Der Umgang mit Maria liefert Diskussionsstoff: Friedenspreisträger Navid Kermani (links) hat sich mit Georg Gänswein, Sekretär des emeritierten Papstes Benedikt, getroffen.

        

Die frühere Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) will als deutsche Botschafterin beim Heiligen Stuhl nicht nur die diplomatischen Beziehungen pflegen, sondern auch ein Forum für kontroverse Debatten bieten. So lud sie Erzbischof Georg Gänswein und den Schriftsteller Navid Kermani in die deutsche Vertretung ein. Das Publikum erwartete einen Abend der Kontraste zwischen einer konservativen Auffassung von katholischer Kirche und einer aufklärerischen Form des Islam.

Geboten bekamen die Zuschauer dann einen Schlagabtausch über Sexualität, Maria und falsch verstandenen Feminismus, bei dem der im Badischen aufgewachsene Erzbischof und der in Köln geborene Deutsch-Iraner auch Gemeinsamkeiten fanden. Der Islam habe Sexualität »immer positiv konnotiert«, betonte Kermani. In seiner Kindheit sei ihm in einem tiefreligiösen muslimischen Elternhaus vermittelt worden, dass Sexualität »etwas positives Göttliches« sei. Die Christen müssten aus Kermanis Sicht ein neues Verhältnis zur Sexualität finden, schließlich sei diese in der Bibel keineswegs tabuisiert.

»Es wird heiß«, entgegnete Gänswein auf diese Anregung zu einem positiveren Umgang mit der Geschlechtlichkeit. Dies sei »vermintes Gebiet«. Sexualität werde von der katholischen Kirche jedoch »nicht abgrenzend« behandelt. Vielmehr gehöre sie »ins Tiefste des Glaubenslebens«, sagte der Sekretär des emeritierten Papstes Benedikt XVI.

Diskussionsstoff um Maria

Auch der Umgang der Katholiken mit Maria sorgte für Diskussionsstoff. Kermani berichtete, wenn er im Gespräch mit katholischen Theologen das Zärtliche Marias betone, werde ihm vorgeworfen, dass er »die Geschlechterverhältnisse zementieren« wolle. Kermani warb dagegen für einen islamischen Blick auf Maria als Mutter, welche als Empfangende ein passives Element und als Gebärende zugleich ein kreatives Element verkörpere, während Männer nicht gebären könnten.

Dem Hymnus auf die Gottesmutter konnte der katholische Erzbischof nur zustimmen. »Mariologie ist heute eher ein Optional als ein Essenzial«, seufzte er. Wer die Mütterlichkeit ins Zentrum seines Glaubens stelle, nehme jedoch die »direttissima«, den direkten Weg zum Gipfel des Glaubens, sagte er mit einem Begriff aus der italienischen Bergwanderersprache.

Kermani erwies sich an dem Abend als Bewunderer christlicher Frömmigkeit. Diese Haltung kommt auch in Nervanis neuem Buch »Ungläubiges Staunen« zum Ausdruck. Darin setzt er sich mit der christlichen Kunst auseinander, etwa mit Stefan Lochners Gemälde »Mutter Gottes in der Rosenlaube« und Caravaggios Kreuzigung des Apostels Petrus.

Die christliche Theologie von heute vernachlässige jedoch den religiösen Gehalt dieser Bilder, bedauerte Kermani. »Ich danke Ihnen für diese Glaubenshilfe«, entgegnete Gänswein dem islamischen Intellektuellen, der christliche Kunstwerke offenbar so eingehend wie wenige Christen heute betrachtet.

Der deutschen Kultur attestierte Kermani unter Bezug auf Schriftsteller wie Friedrich Hölderlin, Jean Paul, Johann Wolfgang von Goethe und Thomas Mann, tiefreligiös verhaftet zu sein. Die Theologie habe diesen religiösen Inhalt jedoch an die Kulturwissenschaften »ausgelagert«, wunderte sich der 47-jährige Kölner, der nach eigenem Bekunden in einem katholischen Umfeld aufwuchs.

Gänswein wies im Sinne seines Dienstherrn Benedikt darauf hin, dass der Glaube »immer auch rational verantwortet« sein müsse. Die Vernunft decke jedoch nicht alles ab. Die Volksfrömmigkeit an Marienheiligtümern zeigt nach Auffassung des 59-Jährigen, wie lebendig der Glaube jenseits einer Theologie ist, die großartige Mariendarstellungen links liegen lasse.

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Bettina Gabbe

 


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abgerufen 25.07.2016 - 23:56 Uhr

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