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Dieser Artikel: Ausgabe 46/2015 vom 15.11.2015
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Trauer braucht einen Ort

Die Kriegsgräberfürsorge hat noch immer viel zu tun


Am Volkstrauertag wird traditionell an Kriegstote erinnert. Zurück geht der Tag auf den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, der sich 1919 gründete und seither nach gefallenen deutschen Soldaten sucht. Auch heute habe die Arbeit des Volksbunds nichts an Aktualität verloren, sagt der Landesgeschäftsführer der Kriegsgräberfürsorge in Bayern, Gerd Krause. Pro Jahr würden immer noch 30.000 tote Soldaten allein in der früheren Sowjetunion gefunden.

Mehr als 1300 deutsche Tote des Zweiten Weltkrieges wurden am 16. Oktober auf der deutschen Kriegsgräberstätte Stare Czarnowo südlich von Stettin beigesetzt. Der Friedhof ist eine von 13 Kriegsgräberstätten, die der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge seit 1991 in Polen errichtet hat.
Foto: epd/by
   Mehr als 1300 deutsche Tote des Zweiten Weltkrieges wurden am 16. Oktober auf der deutschen Kriegsgräberstätte Stare Czarnowo südlich von Stettin beigesetzt. Der Friedhof ist eine von 13 Kriegsgräberstätten, die der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge seit 1991 in Polen errichtet hat.

        

  Herr Krause, der Zweite Weltkrieg liegt 70 Jahre zurück. Die Generation der Deutschen, die den Krieg noch miterlebt hat, schwindet. Wird denn die Arbeit des Volksbunds, nach gefallenen Soldaten zu suchen, überhaupt noch gebraucht?

Gerd Krause.
Foto: epd/by
   Gerd Krause.

Krause: Uns erreichen immer noch viele Anfragen von Familien, die auf der Suche nach einem Angehörigen sind, der im Zweiten Weltkrieg gefallen ist. Vor allem die Kinder dieser Soldaten interessieren sich für das Schicksal ihres Vaters. Das merken wir auch an Gedenktagen wie dem Volkstrauertag, der für viele betroffene Familien ein Tag der Besinnung und der Erinnerung ist. Aber natürlich haben Sie recht: Die Kriegsgeneration und auch die Kindergeneration schwinden. Deshalb wollen wir auch immer mehr die Jugendlichen erreichen, etwa mit internationalen Begegnungen oder Workcamps in Deutschland und im europäischen Ausland. Wir wollen ihnen dabei vermitteln, wie wichtig Demokratie ist und dass 70 Jahre Frieden keine Selbstverständlichkeit ist.

  Wie viele gefallene Soldaten findet der Volksbund denn noch?

Krause: Ein Schwerpunkt unserer Arbeit seit dem Fall des Eisernen Vorhangs ist die ehemalige Sowjetunion - vor allem Russland, Weißrussland und die Ukraine. Dort sind im Zweiten Weltkrieg rund drei Millionen deutsche Soldaten umgekommen - 1,3 Millionen bei Kämpfen und 1,7 Millionen in Gefangenschaft. Seit 1992 haben wir insgesamt 850 000 Soldaten gefunden und auf großen Friedhöfen zusammengebettet. Dort bekommen sie einen Grabstein, oder zumindest wird ihr Name auf einer Gedenkplatte eingraviert. Pro Jahr finden wir immer noch mehr als 30 000 tote Soldaten. Es liegt also noch genügend Arbeit vor uns.

  Wie wichtig ist für die Angehörigen eine letzte Ruhestätte ihres Vater, Großvaters oder Onkels, der vor über 70 Jahren gestorben ist?

Krause: Die Tsunami-Katastrophe 2004 war für die Angehörigen in doppelter Hinsicht schwer: Sie haben Freunde oder Familienmitglieder verloren - und ihnen fehlt ein Ort zum Trauern, ein Grabstein oder eine Urne. Denn die Opfer waren einfach weg, von der Katastrophe hinweggerissen. Das ist für viele Angehörige ein Problem. Denn Trauer braucht einen Ort, die Gewissheit: »Hier liegt mein Vater« oder »Hier liegt meine Mutter«. Deshalb ist unsere Umbettungsarbeit auch nach Jahrzehnten noch so wichtig für die Menschen.

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Interview: Christiane Ried

 


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abgerufen 27.07.2016 - 03:47 Uhr

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