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Dieser Artikel: Ausgabe 46/2015 vom 15.11.2015
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Spinat für Abdullah

Bei privaten Essenseinladungen in Ulm und Neu-Ulm lernen sich Deutsche und Flüchtlinge kennen


Bei der »Einladung zum Essen« servieren Privatleute Flüchtlingen ein Abendessen bei sich zu Hause. Doch nicht jeder traut sich das.

Anstoßen mit Mango-Lassi: Abdullah Iqbal (li.) hat das Joghurtgetränk für Henrike Alle (M.) und ihre Tochter Kristin zubereitet. Der junge Mann aus Pakistan war schon mehrfach bei den Alles zum Essen zu Gast.
Foto: Jalsovec
   Anstoßen mit Mango-Lassi: Abdullah Iqbal (li.) hat das Joghurtgetränk für Henrike Alle (M.) und ihre Tochter Kristin zubereitet. Der junge Mann aus Pakistan war schon mehrfach bei den Alles zum Essen zu Gast.

        

Beim ersten Mal war Henrike Alle ziemlich aufgeregt: »Wir waren schon sehr nervös«, sagt die Ulmerin. »Wir wussten ja nicht: Wer kommt da, wie wird es für uns - und für unseren Gast, der ja in eine ganz fremde Familie hineinkam.« Am Ende war es dann aber ein entspannter Abend für Henrike Alle, ihre beiden Töchter und ihren Gast Abdullah Iqbal. Der junge Mann aus Pakistan wohnt in einer Flüchtlingsunterkunft im bayerisch-schwäbischen Unterelchingen. Bei den Alles habe er das erste Mal ein deutsches Essen probiert, sagt er: Spaghetti mit Spinat, zur Vorspeise gab's Salat, als Nachtisch Kuchen. »Es war sehr gut«, berichtet Abdullah, »ein toller Abend.«

Mittlerweile haben sich die Alles und Abdullah Iqbal schon mehrfach getroffen. Sie machen mit bei der Initiative »Einladung zum Essen«, bei der Privatleute bei sich zu Hause Flüchtlingen ein Abendessen servieren. Die Treffen in Ulm und im benachbarten Neu-Ulm organisiert Christine Backes. Seit dem Frühjahr hat die pensionierte Lehrerin rund 40 deutsche Gastgeber mit Flüchtlingen oder Flüchtlingsfamilien zusammengebracht.

Schwedisches Vorbild

Backes' Vorbild ist ein Projekt der Stockholmer Lehrerin Ebba Akerman. Die Schwedin hatte bemerkt, dass kaum einer ihrer Sprachschüler, die sie in Flüchtlingsunterkünften unterrichtete, eine einheimische Wohnung von innen kannte. Eine Einladung zum Essen, so Akermans Idee, sei dafür der beste Weg.

Das Projekt breitete sich rasch über Schweden hinaus aus. In Deutschland gibt es die Essens­einladungen in 16 Städten. In Bayern findet man die Initiative neben Neu-Ulm auch in München und Fürth, stets unter anderem Namen, aber immer mit der gleichen Idee: Gemeinsames Essen verbindet. »Wer zusammen an einem Tisch sitzt, spricht auch miteinander«, sagt Christine Backes: »Man sitzt den Flüchtlingen gegenüber, so bekommen sie ein Gesicht. Und sie spüren umgekehrt, dass es bei uns Menschen gibt, die sie unterstützen wollen.«

Wie in anderen Städten auch sucht Backes als ehrenamtliche Organisatorin Gastgeber und Gäste, die Interesse haben, und bringt sie dann zueinander. »Das größte Problem dabei ist es, Flüchtlinge zu finden, die sich einladen lassen«, berichtet sie. Manche empfänden eine Essenseinladung als Almosen und lehnten sie deshalb ab. Andere seien unsicher. »Sie wissen nicht, was da auf sie zukommt und wie man sich verhalten muss.« Backes hat mit ihrem eigenen Gast ähnliche Erfahrungen gemacht. Der junge Mann aus Syrien hatte noch nie Spargel gegessen. »Schon gar nicht mit Messer und Gabel«, erzählt die Lehrerin von ihrem ersten Treffen. Am Ende sei es aber gut ausgegangen, meint sie lachend.

»Es gehört von beiden Seiten viel Mut zu einem solchen Treffen«, meint auch Marie Burneleit. Zusammen mit zwei weiteren Ehrenamtlichen organisiert sie die Initiative »abendesser-connection« in München. Essen schaffe Nähe und Verbindung, so Burneleit: »Aber der Gastgeber muss dafür erst seine Türen öffnen und der Gast über die Schwelle treten.« Die Münchner Essenseinladungen gibt es seit März. Seitdem habe man erst um die zehn Treffen vermittelt. »Auch wir haben viel mehr Gastgeber als Gäste«, so Burneleit. Künftig wolle man verstärkt auf Sprachschulen zugehen, um Flüchtlinge für die Idee zu gewinnen. Die Münchner Initiative sieht gemeinsame Abendessen vor allem als Möglichkeit für die ausländischen Gäste, ihre Sprachkenntnisse zu verbessern.

Bei Familie Alle und Abdullah Iqbal hat sich aus der Essenseinladung schon mehr entwickelt. Die Alles stehen ihrem Gast bei der Suche nach einer Lehrstelle mit Rat zur Seite, sie waren mit ihm beim Einkaufen - und haben ihn auch schon zu einem Fest bei Freunden mitgenommen. »Durch unsere Treffen habe ich die deutsche Kultur besser kennengelernt«, meint Abdullah. »Das hilft mir sehr.«

 

  INTERESSIERTE, die bei der »Einladung zum Essen« mitmachen möchten, wenden sich per Mail an einladung-zum-essen@web.de. Eine Übersicht über Städte, in denen es Initiativen zur Essenseinladung gibt, findet man unter  www.unitedinvitations.org

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Andreas Jalsovec

 


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abgerufen 02.10.2016 - 00:17 Uhr

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