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Dieser Artikel: Ausgabe 46/2015 vom 15.11.2015
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Strategien gegen die Angst

20 Jahre EpilepsieBeratung der Inneren Mission - erfolgreiches Modellprojekt für Bayern


Die Beratungsstelle »Epilepsie« hilft bei der Alltagsbewältigung, bei Schwierigkeiten am Arbeitsplatz und berät Kinder-gärten und Schulen für den Umgang mit betroffenen Kindern.

Epilepsie sieht man nicht - wenn Betroffene in der Öffentlichkeit einen Anfall haben, erregt das umso mehr Aufmerksamkeit. Bei der EpilepsieBeratung lernen sie, damit umzugehen.
Foto: satori/123rf
   Epilepsie sieht man nicht - wenn Betroffene in der Öffentlichkeit einen Anfall haben, erregt das umso mehr Aufmerksamkeit. Bei der EpilepsieBeratung lernen sie, damit umzugehen.

        

Eine lange Schlange hat sich an der einzigen geöffneten Kasse des Supermarkts gebildet, es ist kurz vor Ladenschluss. Plötzlich fällt ein Mann zu Boden, verdreht den Kopf, zuckt mit Armen und Beinen, Schaum läuft aus seinem Mund. Die anderen Kunden weichen zurück, wissen nicht, was sie tun sollen - es entsteht ein großer Stau.

»Diese Vorstellung hat einen unserer Epilepsie-Patienten jahrelang verfolgt«, erzählt Peter Brodisch, Diplom-Sozialpädagoge und Leiter der Epilepsie-Beratungsstelle der Inneren Mission München. »Er hatte solche Angst davor, an der Supermarktkasse einen Anfall zu erleiden, dass er sich irgendwann nur noch Pizza nach Hause liefern ließ. Mit unserer psychosozialen Beratung haben wir ihm geholfen, wieder vor die Tür zu gehen.«

Seit 20 Jahren unterstützt die EpilepsieBeratung in München betroffene Menschen. Das Tückische an der Krankheit ist, dass man sie den Menschen nicht ansieht - ein Anfall in der Öffentlichkeit dann aber umso mehr Aufmerksamkeit erregt. Die psychosoziale Beratung von Brodisch und seinen Kollegen entwickelt Strategien gegen die Angst davor. Außerdem arbeiten zwei Paar- und Familientherapeutinnen in der EpilepsieBeratung, die Angehörige von Erkrankten unterstützen. Die Berater kommen bei Bedarf auch in den Kindergarten und helfen Erzieherinnen beim richtigen Umgang mit einem epilepsiekranken Kind.

Ein wichtiges Beratungsfeld ist das Thema Epilepsie und Arbeit. »Einmal kam ein Schreiner zu uns, der mit gefährlichen Maschinen zu tun hatte, seinen Beruf aber nicht aufgeben wollte«, erzählt Brodisch. Nach Begutachtung des Arbeitsplatzes konnte der Mann trotz seiner Epilepsie ohne Gefährdung weiterarbeiten. 2010 wurde in der Münchner Beratungsstelle das »Netzwerk Epilepsie und Arbeit« ins Leben gerufen, das mittlerweile bundesweite Fachteams aufgebaut hat, die epilepsiebedingte Probleme am Arbeitsplatz lösen.

Stolz ist Brodisch auch auf den großen Bereich der Erwachsenenbildung. In Schulungsprogrammen können sich Betroffene zu »Experten in eigener Sache« fortbilden lassen. 1995 startete die EpilepsieBeratung München zunächst als Modellprojekt. Heute wird sie aus Mitteln des Bayerischen Sozialministeriums, vom Bezirk Oberbayern, der Stadt München und der Inneren Mission München gefördert und hat fünf Mitarbeiter.

Für die etwa 35.000 Erkrankten in München und Oberbayern gibt es mittlerweile noch zwei Außenstellen in Traunstein und Altötting. Und auch in allen anderen bayerischen Regierungsbezirken wurde in den vergangenen 20 Jahren eine Beratungsstelle eröffnet. »Bayern ist das einzige Bundesland, in dem eine flächendeckende Beratung von Epilepsiekranken möglich ist«, sagt Brodisch.

 

  INTERENET: EpilepsieBeratung der Inneren Mission unter  im-muenchen.de

EPILEPSIE

  EPILEPSIE ist eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen: Sie äußert sich in Anfällen, die durch Übererregung von Nervenzellen im Gehirn entstehen.

  KNAPP EIN PROZENT der Bevölkerung erkrankt chronisch an Epilepsie, etwa fünf Prozent erleiden einmal in ihrem Leben einen Anfall. Erkranken können Menschen in jedem Alter - bei manchen sind veränderte Erbanlagen die Ursache, bei anderen eine Hirnschädigung, die bei der Geburt oder später, etwa durch einen Schlaganfall, entstanden ist.

  BEHANDLUNG Bei etwa zwei Dritteln der Betroffenen lassen sich die Anfälle durch Medikamente weitgehend verhindern, beim restlichen Drittel wirken diese jedoch kaum oder gar nicht.

 

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Imke Plesch

 


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abgerufen 29.06.2016 - 18:16 Uhr

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