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Dieser Artikel: Ausgabe 46/2015 vom 15.11.2015
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Schirnding zeigt Flagge für offene Grenzen

Tschechischer Ex-Außenminister Schwarzenberg warnt vor verhärteten Fronten


Rund 1200 Einwohner zählt die Marktgemeinde Schirnding an der deutsch-tschechischen Grenze. Mindestens ebenso viele Menschen demonstrierten dort am vorigen Sonntag friedlich für offene Grenzen in Europa und gegen den ersten Aufmarsch der islam- und flüchtlingsfeindlichen »Pegida« in Oberfranken.

Bunte Vielfalt für offene Grenzen: Versammlungsleiter Jörg Nürnberger (links) bei seiner Ansprache vor dem Schirndinger Rathaus.
Foto: Lammel
   Bunte Vielfalt für offene Grenzen: Versammlungsleiter Jörg Nürnberger (links) bei seiner Ansprache vor dem Schirndinger Rathaus.

        

Es war eine bunte, friedliche und einträchtige Menge, die sich vor dem Schirndinger Rathaus versammelt hatte. Unter dem Motto »Grenzenlos glücklich« erteilten die Teilnehmer aus Bayern und der benachbarten Tschechischen Republik eine deutliche Absage an Bestrebungen, 25 Jahre nach dem Fall des »Eisernen Vorhangs« wieder neue Grenzen innerhalb Europas zu errichten.

Denn genau so ließ sich die Parole »Wir helfen beim Grenzbau« interpretieren, mit dem zeitgleich Anhänger der »Pegida«-Bewegung am Grenzübergang Schirnding eine Menschenkette als »lebende Grenze« bilden wollten. Schon vier Wochen zuvor waren einem gleichlautenden Aufruf rund 2000 Menschen in den sächsischen Grenzort Sebnitz gefolgt, wo »Pegida«-Akivisten den Schulterschluss mit Gesinnungsgenossen aus Tschechien suchten.

Zur Aktion in Schirnding, angeführt von »Pegida«-Initator Lutz Bachmann, kamen laut Zählung der Polizei freilich nur 290 Menschen - deutlich weniger als die angekündigten 500 Teilnehmer. Statt der geplanten Menschenkette gab es nur einen »symbolischen Grenzspaziergang mit tschechischen, russischen, slowakischen und schweizerischen Patrioten«, wie es später auf der »Pegida«-Facebook-Seite hieß.

Es schien wie eine Bestätigung dessen, was der Wunsiedler SPD-Politiker Jörg Nürnberger als Mitveranstalter in seiner Begrüßung sagte: Die »Pegida«-Aktion sei »die falsche Demonstration am falschen Ort zur falschen Zeit«. Seit der Grenzöffnung vor 25 Jahren habe sich gerade in der oberfränkisch-böhmischen Region eine beispielhafte Begegnungskultur entwickelt, so Nürnberger gegenüber dem Sonntagsblatt: »Die wollen wir uns nicht von zugereisten Rechten kaputt machen lassen.«

Beispielhafte Nachbarschaft

Tatsächlich ist gerade Oberfranken schon seit Langem eine Modellregion grenzüberschreitender Zusammenarbeit. Zwei Beispiele: In Schirnding ist der örtliche Diakonieverein Träger des zweisprachigen Kindergartens »Fuchsbau«, und in Rehau gibt es seit 25 Jahren eine deutsch-tschechische Fußballschule. Diese funktionierende gute Nachbarschaft bekräftigten auch zahlreiche Gäste aus Tschechien, die sich der Versammlung und dem Demonstrationszug anschlossen.

Der frühere tschechische Außenminister Karel Schwarzenberg als einer der Hauptredner der Veranstaltung ermutigte zum Dialog: Unsicherheit und Ängste vieler Menschen dürften nicht rechten Aktivisten überlassen werden, sondern seien eine Herausforderung für alle Demokraten. Die Mitläufer von »Pegida« sollten deshalb nicht pauschal verurteilt werden, mahnte der Politiker. Damit bediene man nur die Absicht dieser Bewegung, die Fronten zu verhärten. »Deshalb beschimpft eure Nachbarn nicht, sondern redet mit ihnen«, rief er den Demonstranten zu.

Der Landesvorsitzende der bayerischen Grünen, Eike Hallitzky, appellierte an die Zivilgesellschaft, vor Hass und Hetze von Rechtsextremisten »keinen Zentimeter« zurückzuweichen. Taten wie Brandanschläge auf Flüchtlingsheime oder das Attentat auf die Kölner Oberbürgermeisterkandidatin Henriette Reker seien »Ausdruck des Hasses gegen unsere Demokratie«. Deshalb dürften Politiker demokratischer Parteien niemals mit populistischen Äußerungen »Öl ins gesellschaftliche Feuer« gießen, aus dem später Brandsätze geholt werden könnten.

Zu der Anti-»Pegida«-Demonstration in Schirnding hatte ein breites überparteiliches Bündnis aufgerufen. Neben Rednern aus Lokal-, Landes- und Kommunalpolitik kamen auch Vertreter der zivilgesellschaftlichen Bündnisse aus Hof und Wunsiedel zu Wort, die sich seit Jahren für Toleranz und Demokratie in der Region engagieren. Zum Programm gehörte auch ein interreligiöses Friedensgebet, an dem sich Vertreter der evangelischen, katholischen und der türkisch-islamischen Gemeinde beteiligten.

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Wolfgang Lammel

 


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abgerufen 25.08.2016 - 06:24 Uhr

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