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Dieser Artikel: Ausgabe 47/2015 vom 22.11.2015
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»Die Synode ist kein Ort zur Selbstprofilierung«

Der bayerische SPD-Fraktionschef Markus Rinderspacher über sein kirchliches Ehrenamt


Markus Rinderspacher ist ein Mann der moderaten Töne. Kein verbaler Haudrauf, er redet überlegt, seine Kritik ist oft messerscharf, aber fürs Bierzelt zu ausgewogen. Insofern passt der Chef der bayerischen SPD-Landtagsfraktion wunderbar in die Synode der evangelisch-lutherischen Landeskirche.

Markus Rinderspacher ist Chef der bayerischen SPD-Landtagsfraktion.
Foto: Pressebild
   Markus Rinderspacher ist Chef der bayerischen SPD-Landtagsfraktion.

        

»Ich bewundere, mit wie viel Empathie und Akribie bei den Synodaltagungen diskutiert und argumentiert wird«, sagt der 46-jährige Berufspolitiker, der seit einem Jahr als berufener Synodaler dazugehört: »Man versucht, alle auf den Wegen der Entscheidungen mitzunehmen.«

Eine Erfahrung, die der Fraktionsvorsitzende so aus dem Landtag nicht kannte. Seit sechs Jahren steht er an der Spitze der Sozialdemokraten im bayerischen Parlament. »Wie die Mitglieder der Landessynode - egal, ob nun konservativ oder liberal, sehr fromm oder auch nicht - zusammen nach Lösungen suchen, da könnte sich der Landtag schon eine Scheibe von abschneiden«, findet er. Gleichwohl weiß er natürlich, dass man die beiden Gremien nicht miteinander vergleichen kann: »Ich mache da auch als Landtagsabgeordneter keine Parteipolitik, das gehört dort nicht hin.«

Dass Rinderspacher in die Landessynode berufen wurde, hat ihn »sehr gefreut«, aber schon auch ein bisschen überrascht. »Ich bin kein großer Kirchgänger und auch in meiner Gemeinde nicht engagiert«, sagt er. Er sei aber bekennender Christ und überzeugt evangelisch: »Ich will in der Synode meinen Beitrag leisten und dadurch zeigen, dass die Kirchen ein wichtiger Teil unserer Gesellschaft sind.« Das schätzt er übrigens auch an Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm: »Ich finde es hervorragend, wie er sich als Gesicht der Kirche in der Flüchtlingspolitik positioniert.«

Bedford-Strohms Positionierung dürfte nicht jedem Synodalen gefallen, glaubt er. »Ich wünsche mir in Schweinfurt eine Aussprache zum Thema - angesichts brennender Flüchtlingsheime und Attentate auf Politiker«, so der SPD-Fraktionsvorsitzende. Denn es gebe gerade auch von anderen Synodalen Wortmeldungen zum Thema, die er »so nicht mittragen« will.

Er wolle niemandem vorschreiben, wie er sein Amt als Synodaler ausfüllt und begreift: »Ich versuche mich da in Bescheidenheit zu üben: Für mich geht es in der Synode um die Sache und nicht um Selbstprofilierung.«

Das kann man durchaus auch als Kritik an manchem Mitsynodalen aus dem Landtag verstehen, auch wenn Rinderspacher keine Namen nennen will. »Natürlich kann man bei jeder Gelegenheit betonen, dass man Christ und gerne evangelisch ist«, sagt er: »Aber wer in Sonntagsreden christliche Werte wie Ehe und Familie hochhält, dann aber den Familiennachzug für Flüchtlinge infrage stellt, macht sich unglaubwürdig.« Deshalb halte er es für klüger, das Christsein im Parlament nicht zu sehr in den Vordergrund zu stellen - und das Politikersein in der Synode ebenfalls hintanzustellen.

 

  Markus Rinderspachers Internetseite:  markus-rinderspacher.de - Rinderspacher auf der Internetseite seiner Landtagsfraktion:  bayernspd-landtag.de

BAYERISCHE SYNODE

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DAS STICHWORT

  Die Landessynode, die zu ihrer Herbsttagung in Schweinfurt zusammenkommt, ist das Kirchenparlament der rund 2,4 Millionen bayerischen Protestanten. Gemeinsam mit dem Landesbischof und dem Landeskirchenrat bildet die Synode die Kirchenleitung und bestimmt maßgeblich den Kurs der Kirche. Die 108 Synodalen beschließen den Haushalt, verabschieden die Kirchengesetze, entscheiden in Personalfragen und wählen den Landesbischof. Das griechische Wort »Synode« bedeutet »gemeinsamer Weg« oder »Versammlung zur Beratung«.

  In der Zusammensatzung der Synode, die von den rund 13.000 bayerischen Kirchenvorstehern gewählt wird, zeigt sich konkret der evangelische Grundsatz eines »Priestertums aller Getauften«: Die Mehrzahl der 108 Synodalen sind Laien. Neben ihnen sitzen gewählte Vertreter aus der Pfarrerschaft, den theologischen Fakultäten, Jugenddelegierte und berufene Mitglieder, wie der bayerische Finanzminister Markus Söder (CSU) oder der SPD-Landtagsfraktionschef Markus Rinderspacher.

  Die Synode tritt zwei Mal im Jahr an verschiedenen bayerischen Orten zusammen. Dabei steht bei den Herbsttagungen wie jetzt in Schweinfurt der kirchliche Haushalt im Mittelpunkt, die Frühjahrstagungen sind hingegen einem inhaltlichen Schwerpunkt gewidmet.

 

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Daniel Staffen-Quandt

 


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abgerufen 26.05.2016 - 06:38 Uhr

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