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Dieser Artikel: Ausgabe 47/2015 vom 22.11.2015
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Der lange Weg zur Leichtigkeit

Sonntagsblatt-Sprechstunde


Schwer ist leicht was. Für Sonntagsblatt-Leserin Frau B. ist es das Problem, Lust und Genuss in ihr Leben zu bringen.

Ich habe neulich einen ganz unschuldigen Witz gelesen. Ein Patient fragt seinen Hausarzt: Herr Doktor, wie stehen meine Chancen, 80 Jahre alt zu werden? Der Arzt fragt zurück: Trinken Sie? Nein, antwortet der Patient. Leben Sie sexuell ausschweifend? Natürlich nicht. Essen Sie mehr, als Ihnen guttut? Nein. Warum in aller Welt wollen Sie dann 80 Jahre alt werden?

Mir ist das Lachen vergangen. Denn ich lebe sehr spartanisch. Der Witz erinnert mich an mein großes Problem. Ich erlaube mir einfach nicht, das Leben zu genießen. Natürlich weiß ich, woher diese Schwierigkeit kommt. Meine Eltern lebten genauso. Sie gönnten sich überhaupt nichts. Kein Farbfernsehen, nur bescheidene Urlaubsreisen, keine teuren Bücher, kaum neue Kleidung. Das Ganze wurde religiös begründet. Das Leben eines Christen habe einfach und zurückhaltend zu sein.

Meine Unfähigkeit zum Genießen wirkt sich auch auf Beziehungen aus. Genau wie das Sprichwort sagt: »Wer nicht genießt, wird ungenießbar.« Ich habe wenig Freundinnen und Freunde, weil mich die meisten als zu ernst und zu langweilig erleben. Natürlich weiß ich, was ich lernen muss, nämlich Leichtigkeit, Lust und Genuss in mein Leben zu bringen. Aber der Schritt dorthin fällt mir sehr schwer, sodass ich kaum vorankomme.

Frau B.

 

Es gibt zumindest zwei Dinge, die für Sie sprechen. Einmal können Sie Ihre Schwierigkeit gut beschreiben, anschaulich und mit wenigen Strichen. Und Sie können zurückverfolgen, wo die Schwierigkeit begann und wie sie entstanden ist.

Auch in Ihren letzten Sätzen treffen Sie etwas Richtiges: »Natürlich weiß ich, was ich lernen muss.« Richtig ist, dass Sie das Nicht-Genießen-Können gelernt haben, und was wir gelernt haben, können wir auch wieder verlernen.

Fraglich wird mir das »muss«. Es macht die schönen Worte, die darauf folgen, zu großen Hürden: Leichtigkeit, Lust und Genuss. Zu schier unüberwindbaren Hindernissen. Prompt scheitern Sie daran, und das Ganze endet in Versagensgefühlen und verstärkt Ihr Leid.

Versuchen Sie, dieses »muss« in einen langen Urlaub zu schicken und bleiben Sie bei dem, was Sie wahrnehmen. Zum Beispiel bei der religiösen Begründung dieses spartanischen Lebensansatzes. Was nehmen Sie wahr, wenn Sie etwa das Neue Testament durchblättern? Wenn Sie etwa auf Lukas 15 stoßen, die Geschichten vom verlorenen Schaf, verlorenen Groschen, verlorenen Sohn? Das läuft nicht ohne Leichtigkeit, Lust und Genuss ab. Nehmen Sie das wahr?

Was meinen Sie nun, würden Ihre Eltern dazu sagen? Wären sie dabei immer einer Meinung? Oder unterscheiden sie sich auch einmal in ihrem Urteil? Und wie empfinden Sie das selbst?

Ich denke dabei an die Gebetszeile von Saint-Exupéry: »Herr, lehre mich die Kunst der kleinen Schritte«. Der Witz will Sie zu großen Sprüngen verführen. Aber so läuft es meist nicht. Innere Freiheit und Lockerheit wachsen oft in Tippelschritten. Haben Sie den Mut zu kleiner Gangart und freuen Sie sich an allem, was Ihnen dabei gelingt.

SONNTAGSBLATT - SPRECHSTUNDE

Barbara Hauck

Wenn Sie ein Problem haben und Rat brauchen, dann schreiben Sie an die »Sprechstunde«, Birkerstraße 22, 80636 München. Die Berater antworten auf dieser Seite oder mit Brief. Sie können auch unmittelbar an einen Berater schreiben: Pfarrerin Barbara Hauck, Breite Gasse 82/84, 90402 Nürnberg - oder Kirchenrat Waldemar Pisarski, Meringer Str. 38c, 86163 Augsburg.

Waldemar Pisarski

Wenn Sie eine längerfristige Korrespondenz wünschen, steht Ihnen die Evangelische Briefseelsorge, Postfach 600306, 81203 München, zur Seite. Alle Zuschriften werden vertraulich behandelt.

 

 

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abgerufen 09.12.2016 - 18:22 Uhr

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