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Aktuelle Ausgabe: 48 vom 27.11.2016
Dieser Artikel: Ausgabe 47/2015 vom 22.11.2015
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Coach des Christkinds

Susanne Randel begleitet das Nürnberger Christkind als »Christkind-Mutter« das ganze Jahr


Susanne Randel hat einen weltweit einmaligen Job: Sie ist Managerin, Seelentrösterin und die wichtigste Frau an der Seite des Christkinds. Die 42-Jährige steht dem himmlischen Boten seit zwei Jahren rund um die Uhr als Betreuerin zur Seite.

Managerin und Seelentrösterin: Susanne Randel.
Foto: epd-bayern
   Managerin und Seelentrösterin: Susanne Randel.

        

Wenn die Dunkelheit über dem Nürnberger Hauptmarkt hereinbricht, die Menschenmasse verstummt und die Welt gebannt auf die Empore der Frauenkirche blickt, hält Susanne Randel für einen Augenblick die Luft an. Es verstreichen nur wenige Sekunden. Und dennoch ist es ein Moment höchster Anspannung, den Randel später als »unglaublich« bezeichnen wird.

Dann, wenn die 42-Jährige das Christkind von hinten mit den Fingern antippt, gibt sie den Einsatz zum wohl berühmtesten Prolog in der Weihnachtszeit. Susanne Randels größte Sorge vor der Eröffnungszeremonie ist, dass sich das Christkind beim Prolog versprechen könnte. »Das wäre mir für das Mädchen ganz schlimm«, sagt sie.

Am 27. November ist es wieder so weit. Erstmals wird dann das neue Christkind, die 18-jährige Barbara Otto, von der Empore zu den Menschen sprechen. Randel ist zuversichtlich, dass auch dieses Mal alles gut geht. »Wenn der Prolog erst einmal vorbei ist, können wir alle lachen«, sagt sie. Doch bis es so weit ist, hat die Betreuerin des Christkinds keine ruhige Minute.

Bereits jetzt stehen unzählige Termine bei der Gewandmeisterin, Maskenbildnerin und beim Sprachtrainer des Staatstheaters an. Und auch nach der Markteröffnung jagt ein Auftritt den nächsten. Bis zum Heiligen Abend stehen rund 170 Veranstaltungen im Terminkalender des Christkinds. Das sind sieben bis zehn pro Tag. Kein freier Vormittag? »Nein«, sagt Randel und lacht, »Christkind, das ist ein Vollzeitjob. Für uns beide.«

So war es allerdings nicht immer. Nürnbergs erstes Christkind überhaupt war die Volksschauspielerin Sofie Keeser. Als mit Gabriele Bergmann 1969 zum ersten Mal ein Christkind aus der Bevölkerung nach einem festgelegten Verfahren gewählt wurde, sah das himmlische Ehrenamt nur einen Bruchteil der heutigen Termine vor. Bergmann war zugleich auch als Angestellte der Stadtsparkasse das letzte Christkind, das berufstätig war. Als sich die Auftritte häuften, bekamen die Christkinder mit Kurt Prölß, damals Mitarbeiter im Presseamt, erstmals einen Betreuer zur Seite gestellt.

Aufgabe der Christkind-»Mutter«, so wird Randel liebevoll von den Nürnbergern genannt, ist es unter anderem, alle Termine des Christkinds zu koordinieren. Traditionell besucht der himmlische Bote in der Adventszeit Kindergärten, Altenheime, Krankenhäuser und zahlreiche karitative Einrichtungen, aber auch Märkte in anderen Gemeinden und Städten.

Randel bekommt »unglaublich viele Anfragen. Jeder will unser Christkind sehen«, erzählt sie. Randel begleitet ihr Christkind in der ersten Woche zu allen Terminen. Dabei hat die Betreuerin in den vergangenen zwei Jahren in viele vor Glück strahlende Gesichter von alten, kranken, obdachlosen oder einsamen Menschen geblickt. Die 42-Jährige ist dann oft selbst zu Tränen gerührt. Ein Erlebnis hat sie besonders berührt: »Letztes Jahr«, erinnert sich Randel, »hat eine alte Frau ihre Hand nach mir ausgestreckt und nicht mehr losgelassen.«

Randel begleitet ihr Christkind aber auch auf Kinderkrebsstationen in Krankenhäusern. Es sind diese »schwierigen Termine«, die dem Amt des Christkinds eine Tiefe und Bedeutung jenseits der romantischen Vorstellung des Rauschgoldengels geben, der nur Bonbons an die Kinder verteilt.

Randel ist selbst Mutter, hat einen kleinen Sohn. Sie sagt: »Wenn man weiß, dass das Christkind einem schwerstkranken Kind noch einmal schöne Stunden bereitet hat, ist das unglaublich schön. Man muss diese Situationen aber auch emotional durchstehen können.« Leicht fällt das nicht.

Randel erinnert sich noch gut an vergangenes Jahr. »Damals«, erzählt sie, ist »uns ein Kind im Krankenhaus bis zum Ausgang hinterhergetippelt. Damit muss man erst mal umgehen können.« Damit das Christkind derartige Erlebnisse emotional verarbeiten kann, wird es von seiner Betreuerin auf die jeweiligen Situationen vorbereitet. »Es vergeht kein Tag, an dem wir uns nicht sehen und besprechen«, sagt Randel.

Mit Barbara Otto führt Randel derzeit ihr zweites Christkind in sein himmlisches Amt ein. Allen Mädchen impft sie ein, was sich für ein Christkind gehört. So sollte der himmlische Engel freilich Charme haben, besser nicht ruppig sein und nicht allzu ermahnend auftreten. Und natürlich trägt die Christkind-»Mutter« immer ihr Notfallhandy bei sich. Denn selbst das Christkind könnte einmal verschlafen oder mit seinem himmlischen Fahrer im Stau feststecken.

Derzeit fiebern Randel und das neue Christkind dem großen Auftritt am 27. November entgegen. Es ist eine stressige, aber intensive Zeit, in der Randels Familie zurückstecken muss. Und doch sagt Randel: »Ich kann meinen Christkindern in diesen Wochen etwas für ihr ganzes Leben mitgeben. Es ist die schönste Zeit des Jahres.«

CHRISTKINDLESMARKT

Bratwurstduft ohne Dudelmusik. Das Geheimnis des Nürnberger Christkindlesmarkts. » lesen!

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Katrin Riesterer-Kreuzer

 


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abgerufen 02.12.2016 - 18:58 Uhr

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