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Dieser Artikel: Ausgabe 48/2015 vom 29.11.2015
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»Paris wird anders sein«

Die Münchner Studentin Paula Göhre vertritt Europa beim Klimagipfel in Paris - ganz ohne Angst


In ihrem Koffer für Paris steckt ein Plastiktannenzweig mit Weihnachtsschmuck. »Ein Symbol dafür, wie Klimawandel auch bei uns spürbar ist«, sagt die 24-jährige Paula Göhre. Die Münchner Theologiestudentin vertritt auf der UN-Klimakonferenz als Delegierte des Lutherischen Weltbunds (LWB) Zentral- und Westeuropa. Von der Angst vor erneuten Anschlägen auf die französische Haupstadt lässt sie sich nicht einschüchtern: »Dann hätten die Terroristen ja gewonnen.«

»Der hässliche Christbaum auf dem Münchner Marienplatz ist auch ein Zeuge des Klimawandels«, sagt Theologiestudentin Paula Göhre.
Foto: Vordermayer
   »Der hässliche Christbaum auf dem Münchner Marienplatz ist auch ein Zeuge des Klimawandels«, sagt Theologiestudentin Paula Göhre.

        

Paula Göhre sitzt mit Freunden in einer Bar, als sie übers Handy von den Terroranschlägen erfährt. »Ich war unglaublich geschockt und habe nur gedacht: Irgenwas ist falsch mit dieser Welt«, erzählt sie. Ihr nächster Gedanke gilt ihrer Tante und ihrem Cousin, die in Paris leben und bei dem Fußballspiel Deutschland gegen Frankreich im Stadion sind. Nach einer bangen Nacht bringt der Morgen Erleichterung: Ihren Verwandten geht es gut.

Dass die 24-Jährige zwei Wochen später selbst nach Paris reisen soll, bereitet ihr zunächst kein Kopfzerbrechen. »Ehrlich gesagt habe ich gar nicht gezögert«, sagt sie. Erst die Nachfrage des LWB, als dessen Delegierte sie und sechs andere junge Menschen aus der ganzen Welt zum Klimagipfel (COP21) vom 30. November bis 11. Dezember reisen, lässt sie kurz nachdenken. Doch die Teilnehmer sind sich schnell einig: Sie kommen trotzdem. Ließen sich die Menschen jetzt einschüchtern, hätten die Terroristen ihr Ziel erreicht, sagt Göhre.

Trotzdem: »Paris wird anders sein«, nickt sie. Nicht zuletzt, weil das gesamte Rahmenprogramm aus Sicherheitsgründen abgesagt wurde. Darunter der Klimamarsch und andere Kundgebungen sowie Aktionen des LWB.

Wie ihre zweieinhalb Wochen in Paris nun also aussehen werden, darauf ist die Theologiestudentin selbst gespannt. Fest steht, dass sie Zugang zu den Verhandlungen der mehr als 120 Staats- und Regierungschefs bekommen und Gespräche mit verschiedenen Entscheidern haben.

Besonders am Herzen liegt Göhre die Aktion »Fast for the climate« (»Fasten fürs Klima«). Bei dem Projekt mehrerer religiöser Organisationen wird immer am Ersten eines Monats aus Solidarität für alle gefastet, die unter dem Klimawandel leiden. »Das ist auch für einen selbst eine spannende Erfahrung, denn man muss ja trotzdem weiterfunktionieren«, sagt Göhre. Außerdem sorgt es für Gesprächsstoff unter Freunden und Mitbewohnern, die neugierig fragen, was sie da mache und warum. »So kann ich das Thema Klimaschutz unter die Leute bringen«, lächelt sie. Für das Projekt erhofft sie sich in Paris weltweite Aufmerksamkeit: Am 1. Dezember wollen die Klimaschützer vor und mit den Politikern fasten.

Gerade für viele Deutsche scheint das Thema noch weit weg. »Dabei sieht man erste Spuren auch bei uns«, sagt Göhre: »Der hässliche Christbaum auf dem Marienplatz ist auch ein Zeuge des Klimawandels.« Die 150 Jahre alte Fichte aus dem oberbayerischen Ruhpolding stehe stellvertretend für das Schicksal, das viele Flachwurzler mittlerweile ereilt: Die extrem heißen und trockenen Sommer schwächen sie und fördern ihren Befall durch Schädlinge. »Geht der Klimawandel so weiter, haben wir bald keine echten Christbäume mehr«, sagt Göhre. Deshalb steckt in ihrem Gepäck für Paris ein Tannenzweig aus Plastik - als Spur des Klimawandels in Europa. Auch weiße Weihnachten, die in Göhres Kindheit noch normal waren, sind heute die Ausnahme. »Das Verschwinden der Gletscher, die Donauüberschwemmungen, der Rekordsommer - alles Beispiele für den Klimawandel«, zählt die 24-Jährige auf.

Und trotzdem kümmert das Thema die Menschen noch wenig. Das sei einerseits verständlich, weil tagesaktuelle Ereignisse wie die Flüchtlingsnot einen Großteil der Aufmerksamkeit beanspruchen. »Man denkt immer, Klima ist nicht so dringlich«, nickt Göhre. Doch das stimme nicht. Denn erstens sei es in anderen Teilen der Welt längst fünf vor zwölf. Und zweitens brauche es ein langfristiges Gegensteuern, damit die Wende gelinge.

Die jungen Delegierten haben deshalb klare Forderungen. »Ich sage immer: Jeder muss bei sich anfangen«, erklärt Göhre, was jeder Einzelne tun kann. Das beginne dabei, was man esse, wo man einkaufe, wie viel man wegwerfe und ob man den Müll trenne. »Im Kleinen die Welt verändern«, lautet ihre Botschaft.

Auf der anderen Seite hat sie Erwartungen an die Politik. »Wir hoffen wirklich, dass sich die Staatschefs diesmal auf konkrete Ziele und Maßnahmen festlegen - und zwar alle«, betont sie. Dazu gehöre unter anderem eine verbindliche Begrenzung der Treibhausgas-Emissionen, die Verpflichtung, den ärmeren Ländern unter die Arme zu greifen, und eine deutliche Wende zu erneuerbaren Energien. Auch die Frage nach einem neuen Klimavertrag in Nachfolge des Kyotoprotokolls wird spannend.

Ein unverbindliches »Wir finden das gut« reicht Paula Göhre jedenfalls nicht: »Beim Klimagipfel in Paris muss sich diesmal wirklich was tun.«

 

  LIVE AUS PARIS: Paula Göhre berichtet fürs Sonntagsblatt aus Paris über ihre Eindrücke von der Klimakonferenz. Details:  www.facebook.de/sonntagsblatt

UN-KLIMAKONFERENZ

»Paris wird anders sein«. Die Münchner Studentin Paula Göhre vertritt Europa beim Klimagipfel in Paris - ganz ohne Angst. » lesen!

»Prinzip Klingelbeutel«. Vor der UN-Klimakonferenz von Paris. Kommentar von Markus Springer. » lesen!

 

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Brigitte Vordermayer

 


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abgerufen 30.09.2016 - 22:15 Uhr

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