Home Artikel-ID: 2015_48_03_01
Diese Woche - die aktuelle Ausgabe
Themen
E-Paper: Sonntagsblatt digital
Jetzt im Sonntagsblatt-Shop bestellen!
Archiv
Die Redaktion
Abo-Service
Anzeigen-Service
Leserreisen
Leserbriefe
Impressum



    
Heute: 29.05.2016
Aktuelle Ausgabe: 21 vom 22.05.2016
Dieser Artikel: Ausgabe 48/2015 vom 29.11.2015
Alle Artikel der » Ausgabe 48/2015 im Archiv aufrufen.
  Druckversion


»Prinzip Klingelbeutel«

Vor der UN-Klimakonferenz von Paris

Kommentar von Markus Springer

Es ist ein neuer Anlauf nach der Pleite von Kopenhagen vor sechs Jahren: Bei der UN-Klimakonferenz in Paris wollen 195 Länder ab Montag ein globales Abkommen gegen die Erderwärmung besiegeln. Mehr als 120 Staats- und Regierungschefs haben sich angekündigt - ein Signal der Weltgemeinschaft gegen den »IS«-Terror. Wird es aus Paris auch ein Signal für echten Klimaschutz geben?

Worum geht es in Paris? Ein neues Abkommen soll ab 2020 alle Staaten der Welt zum Klimaschutz verpflichten. Das ist der Unterschied zum auslaufenden Kyoto-Protokoll, das nur für die Industriestaaten galt. Lange haben sich große Schwellenländer wie Brasilien, Indien und vor allem China (Treibhausgas-Produzent Nummer eins) gegen internationale Abmachungen gewehrt. Dieser gordische Knoten scheint durchschlagen - allerdings zum Preis, dass es keine verbindlichen Ziele zur Kohlendioxid-Minderung für die einzelnen Staaten geben soll.

»Wir zählen auf euch!« Nur: Wer zählt da auf wen in Sachen Klimaschutz? Die politischen Führer der Welt auf die Menschen? Oder diese auf die politischen Führer?
Foto: © COP21 / www.cop21.gouv.fr
   »Wir zählen auf euch!« Nur: Wer zählt da auf wen in Sachen Klimaschutz? Die politischen Führer der Welt auf die Menschen? Oder diese auf die politischen Führer?

        

Stattdessen haben im Vorlauf zur Konferenz rund 160 Länder freiwillige Klima-Aktionspläne vorgelegt. Das ist zwar eine eindrucksvolle Zahl. Nur reicht das, was die einzelnen Staaten zum Klimaschutz beitragen wollen, nach Ansicht der UN-Klimaforscher bei Weitem nicht aus.

»Das ist das ›Prinzip Klingelbeutel‹«, sagt Ottmar Edenhofer, seit 2008 Lehrstuhlinhaber für die Ökonomie des Klimawandels an der TU Berlin und im Weltklimarat (IPCC) Ko-Vorsitzender einer Arbeitsgruppe. Er glaubt nicht daran, man könne das Klimaziel mit Selbstverpflichtungen allein schaffen.

Er kann aber nachweisen, dass Wachstumsverzicht der denkbar teuerste Weg ist, um Emissionen zu reduzieren. Stattdessen gehe es darum, bei den Emissionen zu echten Preisen zu kommen: Denn nicht die (fossile) Energie ist knapp, sondern der »Deponieraum« für CO2 in der Atmosphäre. Nur bezahle keiner dafür.

Denn letztlich heißt das globale Thema: »Dekarbonisierung«. Es geht um den möglichst schnellen und zugleich möglichst sozialverträglichen Ausstieg der Menschheit aus Kohle und Öl. Der Ausstieg aus der Kohle dürfte Deutschland übrigens erheblich schwerer fallen als der Atomausstieg: Atomenergie trug beim Ausstieg rund 20 Prozent zum nationalen Strommix bei. Der Anteil der Kohle in Deutschland ist seither gestiegen und liegt bei gut 40 Prozent.

Lässt sich die globale Herausforderung Klimaschutz mit den Mitteln der Freiwilligkeit bewältigen? Schließen sich Klimaschutz und Kapitalismus aus, weil sich Ressourcenschonung und Wachstumsfetischismus ausschließen?

Ein funktionierender Emissionsmarkt wäre tatsächlich der Königsweg, um Klimaziele zu erreichen. Nur hat leider ein seit zehn Jahren in Europa existierendes System des Emissionshandels eher das Gegenteil bewiesen. Auch der ehemalige Klimaschutzvorreiter Deutschland hat stark dazu beigetragen, dass diese ökologische Marktregulierung gescheitert ist.

 

  INTERNET: Website der UN-Klimakonferenz Paris (englisch und französisch):  www.cop21.gouv.fr

 

Sonntagsblatt-Redakteur Markus Springer

 

  Was denken Sie? Schreiben Sie an Sonntagsblatt-Redakteur Markus Springer:  mspringer@epv.de

UN-KLIMAKONFERENZ

»Paris wird anders sein«. Die Münchner Studentin Paula Göhre vertritt Europa beim Klimagipfel in Paris - ganz ohne Angst. » lesen!

»Prinzip Klingelbeutel«. Vor der UN-Klimakonferenz von Paris. Kommentar von Markus Springer. » lesen!

 

Kreative Gemeinde - die besten Projekte und Initiativen der bayerischen evangelischen Kirchengemeinden

 

»Musica Sacra« - herausragende Werke der Kirchenmusik

MUSICA SACRA

 

Der Sonntagsblatt-Shop und das Sonntagsblatt-Blog.
 

 

 

 

 


Valid HTML 4.01 Transitional

/news/aktuell/2015_48_03_01.htm
abgerufen 29.05.2016 - 00:03 Uhr

© Sonntagsblatt 1998-2016, ImpressumWebmaster
Angebote für Webmaster / AGB

Anzeigen

»Die Personen der Bibel«: der beliebte Glaubenskurs aus dem Sonntagsblatt jetzt als Buch für nur 19,90 Euro. Gleich bestellen!

Werden Sie Hoffnungsträger - und spenden Sie ein Patenschafts-Abo für Menschen in Pflegeheimen, Krankenhäusern und Gefängnissen. Jetzt mitmachen!