Sonntagsblatt Archiv

Sonntagsblatt 48/ vom

ZEITZEICHEN


Die Mandeln sind gekauft. Das Orangeat steht bereit. Die Kuvertüre ist besorgt. Endlich kann es losgehen.

Warum Advent bei vielen Glücksgefühle hervorrufen kann, ist mittlerweile wissenschaftlich geklärt: Es liegt auch am Geruch. Wenn sich die Aromen von Zimt, Koriander, Piment, Anis, Kardamom, Gewürznelke, Ingwer und Muskatnuss innig vermischen, weiß das Gehirn, dass Weihnachten nicht mehr weit ist. Lebkuchenzeit.

Schon in vorchristlicher Zeit ist die Tradition des winterlichen Backens entstanden. Tierische Opfergaben sollten in den Nächten das Vieh im Stall vor Geistern beschützen. Die Gaben wurden aus Teig geformt.

Später etablierte sich ein adventliches Backritual in mittelalterlichen Klöstern. Teure Zutaten wie Gewürze, Mandeln oder Kakao wurden verwendet, um an das Ereignis der Geburt Christi zu erinnern.

Von der klösterlichen Backleidenschaft profitierten vor allem die Bedürftigen, denen das Leben durch die weihnachtlichen Gaben der Mönche versüßt wurde. Erst im 19. Jahrhundert wurden die Zutaten auch für breitere Bevölkerungsschichten erschwinglich. Backen wurde zum Volkssport und in vielen Familien zur Voraussetzung für ein gelungenes Fest.

Das Plätzchen ist quasi der Platzhirsch auf dem Gebiet des Weihnachtsgebäcks. Sprachhistorisch gilt es als verkleinerter Platz, seit dem Mittelalter ein gebräuchlicher Begriff für einen flach geformten Kuchen.

Der Keks dagegen fand erst 1911 offiziell Eingang in den deutschen Sprachschatz. Nachdem die Firma Bahlsen 1889 die ersten »Leibniz-Cakes« auf den Markt gebracht hatte, musste sie feststellen, dass viele Kunden das englische Wort nicht aussprechen konnten. Aus Cakes wurde Keks - und der konkurriert seitdem mit dem Plätzchen um die Vorherrschaft auf dem Weihnachtsteller.

top