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Dieser Artikel: Ausgabe 48/2015 vom 29.11.2015
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Beste Nebenrolle

Personen der Bibel (48): Josef aus Nazareth - Der Vater Jesu


Josef hatte es nicht leicht: Er erfuhr, dass seine Verlobte schwanger ist - aber nicht von ihm. Zum Vorbild wurde er, weil er in wichtigen Situationen Engeln vertraute. Und weil er Jesus ein guter Vater war.

Anton Raphael Mengs: Der Traum des Joseph, 1774, Kunsthistorisches Museum Wien.
Foto: PD
   Anton Raphael Mengs: Der Traum des Joseph, 1774, Kunsthistorisches Museum Wien.

        

Sein Leben hätte beschaulich verlaufen können: In Nazareth arbeitete Josef als Zimmermann, hatte die fromme Maria kennen und lieben gelernt. Bald stand die Hochzeit an. Doch dann das: Maria eröffnete ihm, dass sie schwanger war - und zwar nicht von ihm. Das muss sich für Josef wie ein Schlag in die Magengrube angefühlt haben. »Josef gedachte, sie heimlich zu verlassen«, beschreibt der Evangelist Matthäus seine Verstörtheit.

In seiner Seelennot erschien Josef nachts in einem Traum ein Engel, der ihm Mut machte: »Fürchte dich nicht, Maria, deine Frau, zu dir zu nehmen; denn was sie empfangen hat, das ist vom Heiligen Geist.« ( Matthäus 1, 20 f). Josef vertraute dem Engel und ließ sich umstimmen. Als er »erwachte, tat er, wie ihm der Engel des Herrn befohlen hatte, und nahm seine Frau zu sich« ( Matthäus 1, 24).

Eine Volkszählung stand an - Josef und Maria mussten sich in Bethlehem registrieren lassen. Josef brachte seine hochschwangere Verlobte sicher dorthin. Eine Herberge allerdings fand er dort nicht. Er wurde Zeuge, wie Maria ihr Kind in einem Stall gebar.

Nimmt man die Weihnachtsgeschichte ernst, war es nicht entfernt so romantisch, wie wir es uns heute oft vorstellen. Ein Stall, Kälte, die Mutter durch die Geburt geschwächt. Josef stand voll in der Verantwortung; auch, als der grausame König Herodes drohte, alle Neugeborenen zu töten. Wieder erschien Josef ein Engel - wieder vertraute er ihm: Er nahm Maria und das Kind und floh mit ihnen nach Ägypten. Ob sie Monate oder Jahre auf der Flucht waren? Die Bibel berichtet nur, dass sie schließlich in ihre Heimatstadt Nazareth zurückkehrten.

Seine Rolle als Ziehvater scheint Josef ernst genommen zu haben. Er wird seinen Stiefsohn in den jüdischen Glauben eingeführt haben. Gut möglich also, dass Jesus das spirituelle Fundament, auf dem er seine besondere Interpretation des Gottesreiches aufbaute, von Josef erhielt. Gut möglich auch, dass Jesus seinen Ziehvater vor Augen hatte, als er den Menschen das Gleichnis erzählte, in dem ein Vater seinen verloren geglaubten Sohn liebevoll in die Arme schließt.

Eine Geschichte gibt es noch, bei der Josef in Erscheinung tritt. Jesus war zwölf Jahre alt, die Familie war zum Passahfest nach Jerusalem gereist. Auf der Rückreise im Menschentrubel merken Maria und Josef, dass Jesus nicht da ist - sie machen sich Sorgen und kehren um.

Sie finden ihn im Tempel, mit Schriftgelehrten diskutierend. Maria fragte ihren Sohn: »Warum hast du uns das getan? Siehe, dein Vater und ich haben dich mit Schmerzen gesucht« ( Lukas 2, 48). Aber Jesus antwortete nur: »Warum habt ihr mich gesucht? Wisst ihr nicht, dass ich sein muss in dem, was meines Vaters ist?« ( Lukas 2, 49) Weiteres über Josef ist nicht überliefert. Das lässt vermuten, dass er viel älter als Maria war und früh starb.

JOSEF

  NAME: Josef (hebräisch: »er möge noch weitere Söhne hinzufügen«)

  BERUF: Bauhandwerker (grch. »Tekton«, was »Zimmermann« und Architekt in einer Person bedeutet)

  HERKUNFT: Josef stammte aus dem Stamm des David; zwei unterschiedliche Väter werden genannt: Jakob ( Matthäus 1, 16) und Levi ( Lukas 3, 23). Verheiratet mit Maria; Kinder, neben Jesus: Jakobus, Judas, Simon, Josef sowie Töchter ( Matthäus 13, 55f.).

  ORT: Nazareth in Galiläa

  ZEIT: um 30 v. Chr. - 10 n. Chr.

  WICHTIGE BIBELSTELLEN:  Matthäus 1, 18-25;  2, 13-15. 19-23;  13, 55;  Lukas 2, 33.43;  4, 22;  Johannes 1, 45; 6, 42

  BUCHTIPP: Uwe Birnstein: Väter in der Bibel. 20 Porträts für unsere Zeit, Freiburg (Brsg.) 2014.

THEOLOGISCHES STICHWORT

VATER: So vorbildlich wie Josef erscheinen nicht viele biblische Väter. Und doch spiegeln sie zeitlose Befindlichkeiten. Da gibt es tragische Niederlagen sich selbst überfordernder Väter und Väter, deren Weisheit zeitlos scheint. Die biblischen Väter wollten beschützen und trösten, stark und fromm, gute Liebhaber und wilde Helden sein.

»Ihr sollt niemanden unter euch Vater nennen auf Erden; denn einer ist euer Vater, der im Himmel ist«, sagte Josefs Stiefsohn Jesus ( Matthäus 23, 9). Ein seltsamer Satz, der die irdische Vaterschaft quasi außer Kraft setzt und das Thema Glauben in den Mittelpunkt rückt.

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Uwe Birnstein

 


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abgerufen 26.09.2016 - 19:17 Uhr

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