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Dieser Artikel: Ausgabe 48/2015 vom 29.11.2015
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Bratwurstduft ohne Dudelmusik

Das Geheimnis des Nürnberger Christkindlesmarkts


Pizza, Gyros oder Maiskolben sind auf dem Nürnberger Christkindlesmarkt nicht zu finden. Dafür die berühmten Nürnberger Rostbratwürste im Weggla mit Majoran gewürzt, deren Geschichte 700 Jahre zurückreicht. Dafür lieben die Besucher einen der ältesten Weihnachtsmärkte Deutschlands.

Lebkuchen, wohlduftender Glühwein aus altüberlieferten Rezepten und schneegezuckerte Budenromantik: So lieben die Besucher den Nürnberger Christkindlesmarkt.
Foto: Thomas Tjiang / epd-by
   Lebkuchen, wohlduftender Glühwein aus altüberlieferten Rezepten und schneegezuckerte Budenromantik: So lieben die Besucher den Nürnberger Christkindlesmarkt.

        

Wenn die Dunkelheit hereinbricht und die Lichter der Buden erlöschen, wird es auf dem Hauptmarkt andächtig ruhig. Allein glucksende Kinderstimmen durchdringen dann noch die erwartungsfrohe Stille bis zu dem Moment, den Menschen weltweit verfolgen. Mit den Worten des berühmten Prologs »Ihr Herrn und Fraun, die Ihr einst Kinder wart« leitet das Christkind die Eröffnungszeremonie ein. Es ist ein anrührender Moment, der die Menschen in dem Gefühl eint, etwas Besonderes zu erleben.

Alljährlich erwartet die Stadt in der Vorweihnachtszeit rund 2,4 Millionen Besucher, die auf den Christkindlesmarkt strömen. Der Christkindlesmarkt gehört zu den ältesten Weihnachtsmärkten in Deutschland. Seine Tradition reicht bis in das 16. Jahrhundert zurück. Ende des 19. Jahrhunderts verlor der Markt seine Bedeutung und wechselte mehrmals den Standort, bis er 1948 in der völlig zerstörten Altstadt aufs Neue entstand.

Veränderungen sind nicht geplant

Wenige Tage vor Beginn des diesjährigen Christkindlesmarkts ist Sebastian Buhl vom städtischen Marktamt noch mit der Kontrolle letzter Aufbauarbeiten beschäftigt. Es ist für ihn eine »spannende Zeit, die viel Energie und Kraft kostet, die sich aber auszahlt«. Von frühmorgens bis tief in die Nacht hinein trägt Buhl derzeit sein Diensthandy bei sich. Der Aufbau der Holzbuden ist streng vom Marktamt geplant.

Buhl führt den Reiz des Markts auf den »großen Anteil an Non-Food-Artikeln« wie Holz- und Blechspielzeug zurück. Aber auch auf die Aktionen in Museen und Kirchen, die parallel zum Christkindlesmarkt stattfinden. Musikalische Berieselung auf dem Weihnachtsmarkt hält Buhl für undenkbar. Sehr wohl gibt es aber Adventsworte, Adventskonzerte und Posaunenklänge. Veränderungen seien nicht geplant. »Unsere Innovation ist ja gerade, dass es keine gibt«, erklärt er.

Diese Devise betrifft auch die deutschlandweit einmalige Rolle des Christkinds, das in der Marktzeit 170 karitative Termine absolviert. »Weihnachtsmänner hingegen, die als Walking-Act über den Markt spazieren«, sagt Buhl, »lehnen wir strikt ab.« Auch für Yvonne Coulan, Geschäftsführerin der Nürnberger Congress- und Tourismus-Zentrale, gilt: Pizza, Gyros und Maiskolben wird hier niemand bekommen. Dafür die berühmten Nürnberger Rostbratwürste im Weggla mit Majoran gewürzt, wohlduftenden Glühwein aus altüberlieferten Rezepten sowie Lebkuchen, handgefertigt in Bäckereien aus der Region.

Für das Marktamt beginnt die Weihnachts-Saison in der Regel bereits Ende Februar. Rund 550 Anträge bekommt Buhl auf den Tisch. Aus ihnen muss er 185 Budenbetreiber auswählen, die ihre Ware auf dem Markt feilbieten dürfen. Dennoch erreichen ihn immer wieder Anrufe von Budenbetreibern, die sich darüber ärgern, dass der »Nachbar viel zu viele Sterne aufgehängt hat«. Ein anderer will, dass sein Stand gedreht wird. Doch ist die Arbeit erst mal beendet, kann man von den umliegenden Häusern ein kleines Kunstwerk aus Buden bewundern, das wie ein weihnachtliches Puzzle angeordnet ist.

Bereits seit 1920 ist die Familie von Ludwig Müller mit einer Bude auf dem Christkindlesmarkt vertreten. Müller und seine Brüder verkaufen handgemachte Lebkuchen und Weihnachtsbrot nach »Omas Rezept«. Die Bude der Familie trägt die Nummer 25 und ist die größte auf dem Weihnachtsmarkt. 14 Stunden verbringt Müller hier täglich und erlebt dabei viele bleibende Momente. Schmunzeln muss er, wenn Touristen aus Japan die Oblaten für Backpapier halten. Müller spricht nur wenige Brocken Englisch. »Mit Händen und Füßen« wird sich dann verständigt. Doch den Satz »You can eat it!« kann er mittlerweile im Schlaf aufsagen.

Wenn am 27. November zur Eröffnung des Christkindlesmarkts in den Buden das Licht ausgeht, wird Müller auch dieses Jahr kurz innehalten. »Es ist ein einmaliges Flair«, findet der Budenbetreiber. Vor allem schwärmt er vom Christkind. »Es ist besonders. Es ist erhaben. Eben einzigartig.«

CHRISTKINDLESMARKT

Bratwurstduft ohne Dudelmusik. Das Geheimnis des Nürnberger Christkindlesmarkts. » lesen!

Coach des Christkinds. Susanne Randel begleitet das Nürnberger Christkind als »Christkind-Mutter« das ganze Jahr. » lesen!

 

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Katrin Riesterer-Kreutzer

 


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abgerufen 30.09.2016 - 13:43 Uhr

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