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Dieser Artikel: Ausgabe 49/2015 vom 06.12.2015
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Damit die Mitra nicht verrutscht

Angehende Nikoläuse treffen sich zur Ausbildung in Freising in Bayerns erster Nikolaus-Schule


Das Nikolaus-Dasein ist nicht immer einfach. Da gibt es die kleinen, aber bedeutsamen Pannen, die einem Nikolaus gern passieren. Die hohe Mütze, die Mitra, stößt an eine Deckenlampe im Wohnzimmer, fällt vom Kopf, reißt die Perücke samt Rauschebart mit - und plötzlich steht der Mann entlarvt vor den Kindern. Um knifflige Situationen wie diese zu meistern, gibt es in Freising Bayerns erste Nikolaus-Schule. 20 angehende Nikoläuse trafen sich dort zur »Ausbildung«.

In Freising proben angehende Nikoläuse gemeinsam ihren großen Auftritt.
Foto: Jaeger
   In Freising proben angehende Nikoläuse gemeinsam ihren großen Auftritt.

        

Lehrer und Erzieher, Studenten und Rentner, Jugendpfarrer und Mesner versammeln sich im Bildungszentrum der Erzdiözese München und Freising. Gleich geht der Nikolaus-Unterricht los. Viele der Teilnehmer sind in ihrer ehrenamtlichen Nikolaus-Laufbahn schon einmal in die Bredouille geraten. »Man kommt ins Wohnzimmer, der Fernseher läuft und er wird auch nach mehrmaliger Aufforderung nicht ausgeschaltet«, erzählt Martin Thullner, Leiter der Mesnerschule in Freising. »Da überlegt man sich schon: Soll ich wieder gehen? Aber man ist ja wegen der Kinder da«, erklärt er.

Das Ehepaar Monika Stockinger und Johann Wimmer aus Traunstein hat Ähnliches zu berichten. Seit sechs Jahren verkleiden sie sich am fünften und sechsten Dezember. Sie ist der Krampus oder Knecht Ruprecht, er der Heilige Nikolaus. Reingerutscht sind beide durch ihre zwei Töchter, die bei der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) aktiv sind. »Dein Vater ist doch groß, dem würde das Kostüm passen, hat man zu meinen Töchtern gesagt«, erzählt Wimmer, als bei der DLRG ein Nikolaus-Notstand herrschte.

Nikoläuse trinken nur mit Strohhalm

Anfangs wurden der Elektrotechnik-Ingenieur und die Verwaltungsbeamtin ebenfalls mit dem Fernseher-Problem konfrontiert. »Da habe ich auch gedacht: Wenn das immer so geht, muss ich das nicht unbedingt machen«, erzählt Stockinger. »Aber es gibt ganz viele Kinder, die Lieder singen, Gedichte vortragen und aktiv mitmachen«, sagt die 52-Jährige. Das seien die schönen Momente.

Sie und ihr Mann wollen in der Nikolaus-Schule nun einen frischen Blick bekommen und ein paar Anregungen mit nach Hause nehmen. Zumal Monika Stockinger im »Traunsteiner Netz« aktiv ist, einem Zusammenschluss von Vertretern von Stadt, Kirchen und Wohlfahrtsverbänden. Das »Traunsteiner Netz« kümmert sich um Flüchtlinge - für sie möchte Stockinger dieses Jahr eine gemeinsame Nikolaus-Feier ausrichten. »Der Heilige Nikolaus ist doch universal einsetzbar, denn es geht um Barmherzigkeit. Und die spielt in vielen Religionen eine wichtige Rolle«, sagt sie. Die Frage ist nur: Wie richtet man so eine interkulturelle Feier aus?

Für Anregungen und praktische Tipps jeder Art ist man bei der Nikolaus-Schule richtig: Was tun, wenn der Nikolaus von draußen in die warme Stube kommt und die Brille beschlägt? Und: Mit einem angeklebten Bart besser nicht essen. Hat man Durst, dann bitte mit einem Strohhalm trinken. So bleibt der Bart schön weiß.

Daneben geht es auch um den geschichtlichen und traditionellen Hintergrund: »Der Heilige Nikolaus steht für das Prinzip: Not sehen und handeln«, sagt Reinhard Sentis, Referent der Nikolaus-Schule. »Er soll Zuversicht und Hoffnung ausstrahlen.« Dafür sei auch die Kleidung wichtig, sie sei ein Zeichen der Wertschätzung. Zur ordnungsgemäßen Ausstattung eines Nikolauses gehören ein weißes Schultertuch, ein weißes Untergewand, eine Stola, ein Gürtel aus einer Kordel, das Brustkreuz und natürlich der Chormantel. Wenn man es ganz genau nimmt, dann braucht man noch einen Bischofsring. »Aber ohne Mitra geht gar nichts«, findet Reinhard Sentis.

Das »Goldene Buch«, in dem alles über das Verhalten der Kinder drinsteht, darf natürlich ebenso wenig fehlen wie der Bischofsstab. »Negatives würde ich aber weglassen und das Positive in den Vordergrund stellen, rät Stefan Lesting, Koordinator der für die Nikolaus-Schulen zuständigen, in Köln ansässigen Nikolausaktion. Das müsse man auch den Eltern vorher so vermitteln, fügt er hinzu. »Denn wenn ein Termin mehr Bauchschmerzen macht als Freude, dann ist es kein richtiger Nikolaus-Termin mehr.«

 

  TV-TIPP: Das Magazin »Kirche in Bayern« hat die Nikolaus-Schule ebenfalls besucht. Den Beitrag gibt es zu sehen am 6.12. um 19 Uhr auf Bibel TV.

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Pia Jaeger

 


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abgerufen 30.08.2016 - 01:27 Uhr

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