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Dieser Artikel: Ausgabe 49/2015 vom 06.12.2015
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In der Weihnachtsbäckerei

Eine Ausstellung im Ulmer Museum der Brotkultur zeigt die Geschichte des weihnachtlichen Backens


»Süßes Brot« heißt die Schau, die mit Texten, Bildern und alten Backwerkzeugen das »typische Weihnachtsgefühl« wecken will.

»Mit vereinten Kräften« heißt dieses Bild von Gustav Adolf Kiekebusch aus dem Jahr 1894. Zum weihnachtlichen Backen fand sich meist die ganze Familie zusammen - allerdings nur die Frauen. Die Männer hielten sich zurück.
Foto: Museum der Brotkultur
   »Mit vereinten Kräften« heißt dieses Bild von Gustav Adolf Kiekebusch aus dem Jahr 1894. Zum weihnachtlichen Backen fand sich meist die ganze Familie zusammen - allerdings nur die Frauen. Die Männer hielten sich zurück.

        

Letztlich muss man für all die Leckereien der Runkelrübe danken: Seit Mitte des 19. Jahrhunderts diente sie in Europa als Zuckerlieferant. Die süße Zutat, die zuvor aus Zuckerrohr gewonnen und teuer importiert werden musste, wurde von da an erschwinglich. »Dann konnten sich auch normale Familien Zucker leisten«, erläutert Jan Rüttinger. »Und Zucker ist schließlich die Grundlage für jedes Weihnachtsgebäck.«

Rüttinger hat sich die Geschichte des Weihnachtsgebäcks gründlich zu Gemüte geführt. Der Kunsthistoriker ist Kurator der Sonderausstellung »Süßes Brot«, die derzeit im Museum der Brotkultur in Ulm zu sehen ist. Mit Bildern, Grafiken, Texten und anhand historischer Backwerkzeuge aus dem Fundus des Museums erzählt sie die Geschichte des häuslichen Backens im Advent.

Ein Dorf mit Lebkuchenhäusern

Diese Geschichte ist noch gar nicht so alt, wie das Zuckerbeispiel zeigt. Erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden neben Zucker auch Zutaten wie Zimt, Kardamom oder Vanille erschwinglich. Bessere Transportmittel machten ihre Einfuhr günstiger. »Die Technisierung sorgte außerdem dafür, dass Mehl reiner ausgemahlen werden konnte«, erläutert Rüttinger. Endgültig Einzug in die bürgerliche Wohnstube hielt das Weihnachtsbacken schließlich 1893: Da füllte August Oetker erstmals Backpulver in kleine Tüten und versorgte alle deutschen Haushalte damit.

In diese Öffnung passt kein Stollen: Kurator Jan Rüttinger vor einem historischen Backofen.
Foto: Jalsovec
   In diese Öffnung passt kein Stollen: Kurator Jan Rüttinger vor einem historischen Backofen.

        

Von da an gehört das häusliche Backen genauso zur Vorweihnachtszeit wie der Adventskalender. »Vor allem für die Kinder war die Weihnachtsbäckerei mit Vorfreude und Neugier auf das große Fest verbunden«, sagt Rüttinger. Dieses kindliche Weihnachtsgefühl will die Ausstellung bei den Besuchern wecken.

So verbreiten an einer Riechstation typische Weihnachtsgewürze ihre Düfte. Historische Texte aus verschiedenen Zeiten schildern Kindheitserinnerungen an »Mutters Backwerkstatt«, in der man sich »den Pfefferkuchenduft um die Nase wehen« lassen konnte.

Süßer Blickfang der Ausstellung ist jedoch ein ganzes Dorf mit Lebkuchenhäusern, das Bäckerei- und Konditorei-Auszubildene eigens für die Schau angefertigt haben. Die Knusperhäuschen erinnern an die Humperdinck-Oper »Hänsel und Gretel«, die 1893 am Vorabend des Weihnachtsfests zum ersten Mal aufgeführt wurde.

Seitdem gehört das süße Hexenhaus fast ebenso zum typischen Weihnachtsgebäck wie das Anis-Plätzchen »Springerle«, der Lebkuchen oder der Christstollen. Sie alle freilich könne man heute dank modernem Haushaltsgerät deutlich einfacher herstellen als noch vor gut 100 oder gar 150 Jahren, so Jan Rüttinger: »Damals war das schwere körperliche Arbeit.« Und nicht alles konnte man zu Hause fertigen. Der Christstollen beispielsweise wurde eigens zum Bäcker getragen, um ihn dort zu backen, so Rüttinger. »Die häuslichen Öfen waren dafür einfach zu klein.«

 

  BACKEN UND SCHAUEN: Die Ausstellung »Süßes Brot« läuft bis 17. Januar. Am Dienstag und Mittwoch, 8. und 9. Dezember, gibt es jeweils ab 14 Uhr ein Weihnachtsbacken für Kinder von 6 bis 12 Jahren. Am Montag, 14. Dezember, und Dienstag, 15. Dezember, können Kinder ab 10 Jahren ab 15 Uhr beim Modelabformen mitmachen. Am Mittwoch, 16. Dezember, findet ab 15 Uhr ein Erzählcafé mit Führung statt. Museumszeiten: täglich 10 bis 17 Uhr, Salzstadelgasse 10.

WEIHNACHTSGEBÄCK

Mythologie des Weihnachtsgebäcks. Die Herkunftslegenden von Printen, Spekulatius und Christstollen. Von Martin Schuck. » lesen!

In der Weihnachtsbäckerei. Eine Ausstellung im Ulmer Museum der Brotkultur zeigt die Geschichte des weihnachtlichen Backens. » lesen!

 

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Andreas Jalsovec

 


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abgerufen 27.05.2016 - 16:08 Uhr

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