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Dieser Artikel: Ausgabe 49/2015 vom 06.12.2015
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Sterne aus Konservendosen

In der Nürnberger Egidienkirche ist der »Norton«-Altar von 1945 zu sehen


Ein ungewöhnliches Kunstwerk steht im Mittelpunkt der Adventswochen in der Nürnberger Egidienkirche. Der »Norton-Altar« wurde 1945 von deutschen Kriegsgefangenen gestaltet.

Pfarrer Martin Brons (rechts) zeigt dem früheren Landesbischof Johannes Friedrich (Mitte) den Norton-Altar. Der Künstler Harald Kienle (links) wird in den Adventswochen einen neuen Weihnachtsaltar gestalten.
Foto: Sauerbeck
   Pfarrer Martin Brons (rechts) zeigt dem früheren Landesbischof Johannes Friedrich (Mitte) den Norton-Altar. Der Künstler Harald Kienle (links) wird in den Adventswochen einen neuen Weihnachtsaltar gestalten.

        

Der Altar, der sich heute in Privatbesitz befindet, ist bis zum 6. Januar 2016 in der Egidienkirche zu sehen. Im Rahmen eines Kunstprojekts mit Flüchtlingen, für das Diakoniepräsident Michael Bammessel die Schirmherrschaft übernommen hat, wird der Künstler Harald Kienle in den kommenden Wochen einen neuen Weihnachtsaltar 2015 schaffen. Ein umfangreiches Rahmenprogramm begleitet die Präsentation (siehe rechts).

Den dreiteiligen Altar hat zu Weihnachten 1945 ein Kunsterzieher mit 30 Mitgefangenen im englischen Lager Norton gefertigt. Jeder von ihnen malte eine ihm zugewiesene Figur auf einen Streifen Papier. Aus Kistenabfällen zimmerte der spätere Pfarrer Hans Nickles das Altargehäuse und stellte aus Konservendosen Sterne, Kronen und die Gaben der Könige her.

Altar im Heimkehr-Gepäck

Bei seiner Entlassung aus der Gefangenschaft nagelte Nickles zwei Grifflaschen an die Rückwand des Altars, auf dem auch seine Gefangenennummer stand, und nahm den Altar mit nach Hause. Bis zu seinem Tod im Februar 2015 feierte er jedes Weihnachtsfest und die Tageszeitengebete vor dem Altar. Nachfahren von Nickles haben der Egidiengemeinde den Altar nun als Leihgabe für die Ausstellung »Stunde Null - Weihnachten 1945 und 2015« überlassen.

Im Studien-Gefangenenlager Norton Camp wurden zukünftige Geistliche vorgebildet, aber auch Lagerpfarrer geschult, Laienkräfte und Religionspädagogen ausgebildet, hat Brons in Erfahrung gebracht. Unter anderem war hier der bekannte evangelische Theologe Jürgen Moltmann interniert, mit dem Martin Brons, Pfarrer von St. Egidien, vor der Ausstellung gesprochen hat.

Die Einrichtung des Studienlagers sei »das größte Geschenk Englands an Nachkriegsdeutschland« gewesen, hat ihm Moltmann in dem Gespräch berichtet. Er habe in seinem Leben niemals mehr so intensiv Theologie erlebt wie in den beiden Jahren dort: »Abends, nachdem das Licht ausgeschaltet wurde, diskutierten wir noch stundenlang bis in die Nacht über Theologie weiter«, erinnerte sich Moltmann. Ähnliche Studienlager, die zum geistigen und geistlichen Wiederaufbau Deutschlands beitragen sollten, existierten in Rimini (Italien) und Montpellier (Frankreich).

Auch Gerhard Friedrich, eine Zeit lang Rektor der Universität Erlangen, Vater des früheren bayerischen Landesbischofs Johannes Friedrich, war in Norton inhaftiert. Es sei ihm jetzt bewusst geworden, dass seinen Vater die Zeit im Lager in Norton stark beschäftigt und geprägt habe, so Friedrich in einem Interview mit der Zeitschrift »Citykirche«. Johannes Friedrich ist Schirmherr der Ausstellung und wird bei einem Festgottesdienst am Sonntag, 27. Dezember in der Egidienkirche predigen.

 

  Ausstellung »Stunde Null - Weihnachten 1945 und 2015«. Noch bis zum 6. Januar täglich von 13 bis 17 Uhr in der Wolfgangskapelle der St. Egidienkirche (außer vom 24. bis 26. und am 31. Dezember). Wochentags ist der Altar geschlossen, zu den Adventsvespern an den Samstagen (18 Uhr), zu den Gottesdiensten und Vorträgen und ab dem 4. Advent geöffnet. Zu der Ausstellung ist ein Begleitbuch erschienen: Hanna Thorbeck und Hans Nickles (Hg.): »... und Friede auf Erden«. Der Norton-Altar. 48 S., Waldkirchen 2015, 19,90 Euro.

RAHMENPROGRAMM

  Samstag, 5. Dezember, 18 Uhr: Musikalische Vesper mit Schülern des Melanchthon-Gymnasiums.

  Sonntag, 6.Dezember, 10.30 Uhr: Adventsgottesdienst in der Wolfgangskapelle, anschl. Vorstellung des Bildbands zum Norton-Altar (Hanna und Uwe Thorbeck).

  Donnerstag, 10. Dezember, 19 Uhr: Benefizkonzert mit Studierenden der Hochschule für Musik (Nürnberg). Der Erlös ist für minderjährige Flüchtlingen in Nürnberg bestimmt.

  Samstag, 12. Dezember, 18 Uhr: Musikalische Vesper mit dem Egidier Chörlein (Ltg. Kai Fischer). 19 Uhr: Begegnungsgespräch mit Natascha Modienkova, Asylbewerberin aus Weißrussland, über die Literaturnobelpreisträgerin Swetlana Alexijewitsch vor. Ein Gespräch über Flucht und Asyl in Deutschland schließt sich an.

  Sonntag, 13. Dezember, 10.30 Uhr: Adventsgottesdienst in der Wolfgangskapelle, anschl. »Mein Vater und der Norton-Altar«. Heiner Nickles im Gespräch mit Pfarrer Martin Brons.

  Samstag, 19. Dezember, 18 Uhr: Musikalische Vesper mit dem Egidier Chörlein (Ltg. Kai Fischer). 19 Uhr: Begegnungsgespräch mit dem ausführenden Künstler Harald Kienle und den gestaltenden Flüchtlingen über ihre Arbeit.

  Sonntag, 20. Dezember, 10.30 Uhr: Adventsgottesdienst in der Wolfgangskapelle, anschl. Kurzvortrag »Der Norton-Altar im Spiegel der Kunstgeschichte«. Dorothea Ritter-Sturm, Kunsthistorikerin und Museumspädagogin.

  Sonntag, 27. Dezember 10.30 Uhr: Festgottesdienst mit Landesbischof i. R. Dr. Johannes Friedrich. Musik für Violine (Jessica Hartlieb) und Klavier (Stefan Danhof) von Claude Debussy und Maurice Ravel sowie Oliver Messiaen. Messiaen hatte das »Quartett für das Ende der Zeit« 1941 in einem deutschen Kriegsgefangenenlager geschrieben.

 

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abgerufen 31.07.2016 - 02:09 Uhr

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