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Dieser Artikel: Ausgabe 50/2015 vom 13.12.2015
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Süchtig nach Santa

Hildegard Jansson aus Würzburg kann sich ein Leben ohne den Weihnachtsmann nur schwer vorstellen


Hildegard Jansson sammelt seit mehr als 30 Jahren Weihnachtsmänner. Als Figuren, Kerzenständer, Krawattennadeln. Aus Holz, Metall, Kunststoff. Ihr Keller ist proppevoll. Wer mag, darf sich die 3792 Santas kostenlos anschauen.

Hildegard Jansson lebt in einer Welt voller roter Mützen und weißer Rauschebärte.
Foto: epd-by
   Hildegard Jansson lebt in einer Welt voller roter Mützen und weißer Rauschebärte.

        

Wenn Hildegard Jansson die Tür zu ihrem Keller öffnet, offenbart schon der Blick hinunter den Weg in eine andere Welt. Die Wände, die Decken, alles ist voll mit weißem Rauschebart und roten Mützen. Seit mehr als 30 Jahren sammelt die gebürtige Rheinländerin Weihnachtsmänner, 3792 sind es derzeit. Alle ausgestellt im Keller des Einfamilienhauses im kleinen Dörfchen Erbshausen bei Würzburg. »Die darf jeder anschauen kommen«, betont sie. Man hätte es freilich ahnen können, dass Jansson einen Weihnachtsmann-Fimmel hat - denn selbst im Hochsommer stehen im Vorgarten mannshohe beleuchtete Weihnachtsmann-Figuren.

Ihre Liebe zum US-amerikanischen Santa Claus hat Jansson im Dezember 1982 entdeckt, im brasilianischen São Paulo. Ihr Mann hatte dort für ein Jahr beruflich zu tun, und sie bummelte durch die schwül-sommerlichen Straßen, als ihr die Weihnachtsmänner vor den Kaufhäusern auffielen. »Die haben geschwitzt ohne Ende, das konnte man kaum mit ansehen«, erinnert sie sich. Aus Solidarität mit den armen Darstellern kaufte sie eine Weihnachtsmann-Figur, die erste ihres Lebens. »Ich hatte bis dahin keinen Nikolaus und auch keinen Weihnachtsmann bei mir in der Wohnung«, erzählt sie.

Weihnachtsmann am Klo und in der Wanne

Der brasilianische Santa kam mit nach Deutschland, bekam einen Platz im Wohnzimmerschrank und durfte das ganze Jahr dort bleiben. »Deshalb haben die Leute angefangen, mir Weihnachtsmänner zu schenken«, erzählt die Rentnerin. Anfangs sammelten sich die Santas im Wohnzimmer, im Flur, überall in der Wohnung. Irgendwann hatte Hildegard Jansson die Idee, sich mit ihren vielen Weihnachtsmännern ins Guinness-Buch der Rekorde zu sammeln. Daraufhin wurden alle Santas, die nicht niet- und nagelfest waren, mit ins Eigenheim genommen. Dort entstand im Keller eine riesige Ausstellungsfläche.

Die beiden Kellerräume, der Flur, die Treppe - alles ist zum Bersten voll mit Weihnachtsmännern. Auch Sammlerin Hildegard Jansson selbst trägt Santa-Shirt und Weihnachtsmann-Strickjacke, wenn sie Besucher durch ihre heiligen Hallen führt. Dort stehen nicht nur Figürchen, auch Tassen, Tortenheber, Kerzenständer, Spieluhren, Hampelmänner, Blechdosen, Christbaumkugeln, Krawattennadeln oder Bücher. Die Exponate sind aus allen erdenklichen Materialien, aus Holz, Plastik, Metall, Glas, Stoff oder Porzellan. Alle sind nummeriert und handschriftlich katalogisiert, zu jedem Exponat kann die Besitzerin eine kleine Geschichte erzählen.

Die Ausstellung ist penibel nach Kategorien sortiert: Weihnachtsmänner, die nichts dabei haben, welche mit Baum in der Hand, andere haben ihre Geschenke im Sack. Sie sind aus Kanada, Indien, Schweden, den USA, aus Russland, aus den Masuren. Es gibt den Weihnachtsmann mit Tieren, auf einem Schlitten, Disney-Figuren im Santa-Dress, Tiere als Santa, den Weihnachtsmann am Strand, als Angler, in der Badewanne, im Bett und sogar auf dem Klo sitzend. Und es gibt eine Ecke für »die Hässlichen«, wie Hildegard Jansson sie nennt. Optisch eigenwillige Exemplare, die neben Raucher- und Säufer-Santas stehen.

Gesammelt hat die Kölnerin immer für sich selbst. Ja, klar, ins Guinness-Buch wollte sie schon. Aber das ging ja schief. »Die Zahl der Weihnachtsmänner hätte Anfang der 1990er-Jahre sicher gereicht für einen Eintrag«, sagt sie. Aber die Deutsche Post verschlampte das Einschreiben an die Londoner Redaktion mit allen originalen Belegen. »Noch einmal wollte ich mir den Stress nicht geben«, sagt sie. Das Entschuldigungsschreiben der Post hat sie eingerahmt, es hängt seit der missglückten Weltrekord-Aktion auf ihrer Gästetoilette.

Mit Kritik an ihrer Sammlung kann sie gut umgehen. Es gäbe Leute, die ein Problem damit hätten, dass der Weihnachtsmann in einem Exponat neben einer leicht bekleideten Weihnachtsfrau steht. »Das ist ja nicht der heilige Nikolaus, sondern der Cola-Santa, der darf das«, sagt sie. In der Sammlung gibt es freilich auch den Heiligen mit Mitra, Väterchen Frost und »Herrn Winter«. Aber sie sind gegenüber dem rotgewandeten, dickbäuchigen Santa in der Minderheit. Wobei es Santa Claus auch in dieser Darstellung schon gab, ehe ihn der Getränkehersteller 1931 als Werbe-Ikone vereinnahmte.

Vor einigen Jahren hat Hildegard Jansson ihre Sammlung im Keller jedes Wochenende im Advent als Privatmuseum geöffnet, jetzt kann man es nur noch nach Voranmeldung besichtigen. Ihr Sohn kann mit dem Hobby nur wenig anfangen: »Der sagt immer nur: Mama, du bist jeck!«

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Daniel Staffen-Quandt

 


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abgerufen 28.05.2016 - 20:02 Uhr

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