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Dieser Artikel: Ausgabe 50/2015 vom 13.12.2015
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Heimliche Freundin

Sonntagsblatt-Sprechstunde


Frau G.s älteste Schwester (71) ist nach einem Schlaganfall vor zehn Jahren auf den Rollstuhl angewiesen. Ihr Ehemann (65) kümmert sich um sie. Jetzt ist durchgesickert, dass er seit vier Jahren eine Freundin hat.

Meine älteste Schwester (71) ist nach einem Schlaganfall vor zehn Jahren auf den Rollstuhl angewiesen. Ihr Ehemann (65) kümmert sich um sie. Jetzt ist durchgesickert, dass er seit vier Jahren eine Freundin hat.

Alle anderen Geschwister haben volles Verständnis für ihn. Sie argumentieren zum Beispiel damit, dass er seiner Frau ja nichts wegnimmt und er sich vorbildlich um sie kümmert. Als ob man ein Unrecht damit rechtfertigen kann! Ich bin sehr wütend auf ihn und traurig, dass ihn alle decken und verstehen.

Frau G.

 

Zunächst einmal bin ich mit Ihnen empört. Auch das Wort »Unrecht« kommt mir in den Sinn. Vor allem aber spüre ich, wie allein Sie in Ihrer Familie sind mit Ihrer Empörung und Ihrem Ärger. Mit diesem Brief suchen Sie jemanden, der Ihnen zustimmt.

Ich möchte aber zunächst noch ein bisschen bei dem Gefühl, alleine zu sein, bleiben. Da geschieht offensichtlich etwas, was die Ordnung des Lebens, so wie sie eigentlich sein soll, erschüttert, und alle tun so, als wäre alles gut und könnte so weitergehen wie bisher.

»Volles Verständnis« haben Ihre Geschwister für den Schwager und lassen Sie allein mit Ihrer Empörung. Das ist scheußlich - und jeder, dem so etwas passiert, wünscht sich, dass es jemanden gibt, der erst mal die Gefühle versteht, die hier aufbrechen.

Sie erzählen auch vom Hintergrund der Geschichte. Mit einem Schlag war plötzlich alles anders für Ihre Schwester und auch für Ihren Schwager. Das eigene Leben und das gemeinsame gehen nicht mehr so weiter, wie man sich das vorgestellt hat.

Nach außen hin haben sie einen Weg gefunden, zusammenzubleiben - und womöglich waren die anderen in der Familie erleichtert, dass die beiden es so hinkriegen. Keiner hat gefragt oder sich getraut zu fragen, wie es ihnen denn eigentlich geht. Was mit der Ratlosigkeit ist und der Überforderung? Wo soll die Kraft herkommen, in allen Veränderungen wieder neu Ja zueinander zu sagen? Mit diesen Gefühlen waren beide auch ziemlich allein und sind es womöglich immer noch.

Die Gebote sind auf Steintafeln gegeben, so erzählt die Bibel. Sie sollen aber in die Herzen geschrieben werden. Und die Herzen erreicht man, indem man sich neben die stellt, die diese Gebote als Schutz und Hilfe gebrauchen sollen, und so gemeinsam mit ihnen eine Ahnung davon bekommt, welche Hilfe sie sich eigentlich wünschen.

Vielleicht ist es wichtig, dass auch Sie sich eine Gesprächspartnerin suchen, mit der Sie in Ruhe überlegen, wie Sie das Gespräch mit Ihrer Schwester, Ihrem Schwager oder Ihren Geschwistern führen können und was jeder in dieser Situation braucht?

Ich plädiere dafür, dass jeder, der sich mit seinen Gefühlen alleingelassen erlebt, jemanden hat, der es eine Zeit lang neben ihm aushält und mit ihm fragt, aus welchen Quellen sich solche Gefühle speisen und welche Kräfte darin stecken. Es geht also darum, statt einer vielleicht (zu) naheliegenden Antwort erst mal zu spüren, wie es dem anderen geht, und gemeinsam mit ihm herauszufinden, was er/sie jetzt als Unterstützung braucht.

SONNTAGSBLATT - SPRECHSTUNDE

Barbara Hauck

Wenn Sie ein Problem haben und Rat brauchen, dann schreiben Sie an die »Sprechstunde«, Birkerstraße 22, 80636 München. Die Berater antworten auf dieser Seite oder mit Brief. Sie können auch unmittelbar an einen Berater schreiben: Pfarrerin Barbara Hauck, Breite Gasse 82/84, 90402 Nürnberg - oder Kirchenrat Waldemar Pisarski, Meringer Str. 38c, 86163 Augsburg.

Waldemar Pisarski

Wenn Sie eine längerfristige Korrespondenz wünschen, steht Ihnen die Evangelische Briefseelsorge, Postfach 600306, 81203 München, zur Seite. Alle Zuschriften werden vertraulich behandelt.

 

 

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Barbara Hauck

 


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abgerufen 25.05.2016 - 11:06 Uhr

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