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Dieser Artikel: Ausgabe 50/2015 vom 13.12.2015
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Pfarrerin Gudrun Mirlein begleitet das Hospiz des Würzburger Juliusspitals


Gudrun Mirlein besucht das Hospiz Juliusspital in der Würzburger Altstadt. Wie jedes Mal geht sie zuerst in den Gedenkraum, zum Gedenkbuch: »Da schaue ich nach, wer gestorben ist.«

Gudrun Mirlein legt einen Kranich als Erinnerung an einen Verstorbenen aus dem Hospiz in die Schale, die Schwester Ursula hält.
Foto: Christ
   Gudrun Mirlein legt einen Kranich als Erinnerung an einen Verstorbenen aus dem Hospiz in die Schale, die Schwester Ursula hält.

        

Manchmal findet die Theologin dort einen Namen, den sie noch nicht erwartet hat. Ganz schnell kommt der Tod mitunter. Andere Sterbende begleitet Mirlein über mehrere Wochen. Und durch ganz verschiedene Phasen hindurch.

Vor sechs Jahren kam Mirlein vom Hesselberg nach Remlingen, ein stark evangelisches Örtchen im Dekanatsbezirk Würzburg. Dort hat sie eine Dreiviertelstelle als Pfarrerin. Eine Viertelstelle füllt sie als Klinikseelsorgerin am Juliusspital aus. Hier gibt es seit vielen Jahren eine Palliativstation und seit 2011 ein Hospiz.

Das Leben: anders als erwartet

»Ein Patient, den ich auf der Palliativstation begleitet hatte, kam von dort ins Hospiz«, erzählt die 52-Jährige. An diesen Patienten kann sie sich noch gut erinnern. Er war ein äußerst engagierter Christ, intensiv hatte er sich in seiner Pfarrei eingebracht. Mit Mitte 60 erkrankte er an Krebs. Rasch büßte der Mann seine Kräfte ein. Bald fühlte er sich extrem schwach. Und konnte, wie die meisten auf Leistung konzentrierten Menschen, damit nur schlecht umgehen. Er begann, sich völlig wertlos zu fühlen. »Im Hospiz blühte er noch einmal kurz auf«, so Mirlein. Doch nur wenige Tage nach der Verlegung starb er.

Im Hospiz lernte Gudrun Mirlein Schwester Ursula kennen. Die Ordensfrau von den Ritaschwestern ist für die katholischen Hospizgäste zuständig. Sie fragte die Pfarrerin, ob sie sich nicht vorstellen könnte, ebenfalls fest im Hospiz tätig zu werden. Das konnte Gudrun Mirlein sehr gut.

Zweimal in der Woche kommt sie seither ins Hospiz. Sie spricht mit Menschen, die sich am Ende ihres Lebens fragen, ob denn alles sinnlos gewesen ist. Jetzt, wo es definitiv nicht mehr weitergeht, wo das große, ungewisse Aus ganz nah ist.

Nicht wenige der Hospizgäste schauen zurück auf ein Leben, das so ganz anders verlaufen ist, als sie es sich gewünscht hätten. Da war etwa der jüngere Hospizgast, der eine Scheidung hinter sich hatte und dabei auch seine Kinder verlor. Seine Trauer hierüber war immens.

»Ich suchte mit diesem Menschen Bilder, die von Sinn in seinem Leben erzählten«, sagt Mirlein. In den Gesprächen mit der Pfarrerin gelang es dem Sterbenden, den Blick zu weiten. Da war ja nicht nur die gescheiterte Ehe. Es hatte auch viel Liebe gegeben in seinem Leben. Liebe zu seiner Frau - die aus komplizierten Gründen irgendwann abhanden gekommen war. Aber sie hatte bestanden. Ebenso wie die Liebe zu seinen Kindern. Der Hospizgast begann, intensiver über das nachzudenken, was ihm das Leben bei aller Bitternis doch an Glück beschert hatte. Er schrieb ein Gedicht über die Liebe: »Das war auch auf seiner Todesanzeige zu lesen.«

Der seelsorgerliche Dienst im Hospiz fordert, sagt Gudrun Mirlein, den ganzen Menschen. Nur jene öffnen in den Tagen vor ihrem Tod ihr Herz, die sehen, dass sich da ein Mensch nähert, der offen, authentisch und empathisch ist. Oft spürt Gudrun Mirlein, wie sie genau darauf »abgeklopft« wird. Das empfindet sie nicht als irritierend. Im Gegenteil. Eigentlich sollte jede Begegnung so sein, meint sie: wesentlich und voller Empathie.

Die Welt hat ausgewirbelt

Natürlich stellt es auch für Mirlein eine Herausforderung dar, die Geschichten, die Ängste und Verzweiflungen der Sterbenden anzuhören und, oft ohne Worte, mit auszuhalten. Doch im Hospiz selbst sei es »schön«, sagt sie. Was alle bestätigen, die hier schon einmal waren. Alles, was die Welt draußen umeinanderwirbelt, Neid und Konkurrenzkampf und Stress, so Mirlein, habe hier nichts mehr verloren. Hier könne man, bei aller Traurigkeit, aufatmen.

Kraft holt sich die Remlinger Pfarrerin aus dem Team, mit dem sie arbeitet. Jederzeit kann sie sich mit Schwester Ursula austauschen. Auch Sibylla Baumann, Leiterin des Hospizes, stellt für sie eine Kraftquelle dar. Ebenso wie das Personal der Palliativstation, auf der sie weiterhin tätig ist.

Ihre Angst vor dem Tod sei keineswegs gewachsen, seit sie es so oft mit Sterbenden zu tun hat, sagt Mirlein. Nur die Sterbehilfe-Debatten machen ihr Sorgen. Und überhaupt die rasante Ökonomisierung der gesamten Gesellschaft, allen voran die des Gesundheitssystems.

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Pat Christ

 


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abgerufen 28.08.2016 - 02:27 Uhr

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