Home Artikel-ID: 2015_50_muc_13_01
Diese Woche - die aktuelle Ausgabe
Themen
E-Paper: Sonntagsblatt digital
Jetzt im Sonntagsblatt-Shop bestellen!
Archiv
Die Redaktion
Abo-Service
Anzeigen-Service
Leserbriefe
Impressum



    
Heute: 09.12.2016
Aktuelle Ausgabe: 49 vom 04.12.2016
Dieser Artikel: Ausgabe 50/2015 vom 13.12.2015
Alle Artikel der » Ausgabe 50/2015 im Archiv aufrufen.
  Druckversion


Didgeridoo der Alpen

Marketing-Instrument: Die Alphornbläser von Inzell ziehen mit ihrem exotischen Klang das Publikum an


Ein alter Tüftler und eine Konfirmandin, dazwischen jede Menge Lachen und ein irrer Sound: Das ist der Alphornchor der evangelischen Gemeinde Inzell.

Es vibriert auf der Haut und dröhnt in den Ohren: Alphörner brauchen die Weite in den Bergen, damit ihr Klang voll zur Geltung kommt. Hier spielen (v.l.) Albert Müller, Manuela Harms und Michael Krauss.
Foto: Schröder
   Es vibriert auf der Haut und dröhnt in den Ohren: Alphörner brauchen die Weite in den Bergen, damit ihr Klang voll zur Geltung kommt. Hier spielen (v.l.) Albert Müller, Manuela Harms und Michael Krauss.

        

Pech war der Auslöser fürs Glück: Vor zwei Jahren fielen die Alphornbläser aus Reit im Winkl für die gesamte Berggottesdienst-Saison aus. »Da haben wir uns gedacht: Das können wir doch vielleicht selbst«, erinnert sich der Siegsdorfer Pfarrer Michael Krauss. Ein paar Zeitungsanzeigen später war der Alphornchor der evangelischen Gemeinde Inzell gegründet und ist seither Publikumsmagnet bei Weihnachtsmärkten und Berggottesdiensten.

Es ist ein bunt zusammengewürfelter Haufen, der sich jeden Donnerstag zum Üben trifft: Pfarrer Michael Krauss, ein Franke aus der Obereisenheimer Höll mit wilden Locken und Bart, die hochgeschossene Manuela Harms, der einheimische Katholik Albert Müller, dazu die 13-jährige Konfirmandin Amely Voll und Ruhestandspfarrer Helmut Steib.

Außer Albert Müller haben alle Alphorn-Neulinge vorher schon ein Blechblasinstrument gespielt - hilfreich, denn Alphörner verwenden ein ähnliches Mundstück. Allerdings fehlen Klappen oder ein Zug wie bei der Posaune - deshalb können mittels Lippenspannung nur Naturtöne erzeugt werden. »Alphornblasen ist ein Muskelsport«, sagt Michael Krauss. »Das Problem ist, dass man üben muss«, ergänzt Manuela Harms trocken.

Doch die Bläser der evangelischen Gemeinde zielen ohnehin nicht auf den glasklaren Klang, sondern eher auf das Gemeinschaftserlebnis. Denn das Alphorn ist ein echtes Marketing-Instrument: »Zu einem Berggottesdienst mit Alphörnern kommen doppelt so viele Besucher«, sagt Michael Krauss verschmitzt.

Hinterher dürfen die Gottesdienstbesucher und die Zaungäste dann selber ran. »Ein Alphorn kann man viel besser miteinander teilen als zum Beispiel eine Trompete«, erklärt der Pfarrer. »Volksalphornblasen« haben die Inzeller das gemeinsame Probieren getauft - die Gespräche mit Einheimischen, Zuagroasten und Urlaubern entstehen dabei wie von selbst.

Albert Müller ist der Senior der Gruppe und ein Tüftler. Es hat nicht lange gedauert, bis er sich an seinem ersten Alphorn versucht hat. Mittlerweile hat er drei Stück gebaut: aus Vierkanthölzern aus Fichte, die er im Baumarkt besorgt hat. »Man schneidet die Kanthölzer der Länge nach durch und höhlt sie mit dem Stemmeisen aus«, erklärt er die Bauweise. Je dünner die Wand, desto besser der Ton. Am Schluss werden die beiden Hälften zusammengeleimt und der Trichter angesetzt - fertig. Die Hörner der Inzeller sind rund 3,60 Meter lang, tönen somit in F-Dur und können sogar mit der Orgel musizieren. Amely Voll, die jüngste im Bund, spielt jetzt auf einem original Müller-Horn.

Manuela Harms hat das Alphorn-Fieber so erwischt, dass sie ihr Instrument sogar mit in den Urlaub schleppt. »Dann hab ich also in Holland auf dem Deich gespielt«, erzählt sie und verzieht dabei keine Miene. Zuhause in der Mietswohnung übt sie mittlerweile mit einem Alphorndämpfer, den Albert Müller für sie gebaut hat.

Die Nachbarn danken es ihr, denn der Klang des Horns ist in geschlossenen Räumen gewaltig: Er trifft einen mitten ins Herz, vibriert auf der Haut und dröhnt in den Ohren. Viele Musiker scheuen Open-Air-Auftritte, weil der Klang ihrer Geigen oder Flöten sich einfach in der Weite verliert. Alphörner hingegen kommen an der frischen Luft erst so richtig zur Geltung.

Noch sind Alphornbläser exotische Hingucker, doch das Instrument findet immer mehr Anhänger. Krauss erklärt die Faszination so: »Ein Alphorn ist einfach und urtümlich, wie ein Didgeridoo. Es ist eine alte Kulturtechnik, so wie Bogenschießen - Menschen, die heute den ganzen Tag von Elektronik umgeben sind, suchen sich so etwas gern zum Ausgleich.«

Für Albert Müller hat der Klang etwas Therapeutisches: »Man nimmt beim Spielen viel Schwingung auf, auch die vom Nachbarn, man merkt das im ganzen Körper.« Und Manuela Harms macht es erst dann richtig Spaß, wenn mehrere Hörner miteinander spielen: »Gerade weil der Klang nicht so exakt ist wie bei einer Posaune, muss man gut aufeinander hören - aber dann ist es gigantisch.«

Was haben Weihnachten und Christophorus miteinander zu tun? Das große Sonntagsblatt-Weihnachts-Preisrätsel 2015: Jetzt lösen und gewinnen!
 

 

Kreative Gemeinde - die besten Projekte und Initiativen der bayerischen evangelischen Kirchengemeinden

 

»Musica Sacra« - herausragende Werke der Kirchenmusik

MUSICA SACRA

 

Der Sonntagsblatt-Shop und das Sonntagsblatt-Blog.
 

 

 

 

Susanne Schröder

 


Valid HTML 4.01 Transitional

/news/aktuell/2015_50_muc_13_01.htm
abgerufen 09.12.2016 - 18:22 Uhr

© Sonntagsblatt 1998-2016, ImpressumDatenschutzWebmaster
Angebote für Webmaster / AGB

»Weihnachtswunschkiste 2016 - Bestellschein (PDF - 4,12 MB)

Werden Sie Hoffnungsträger - und spenden Sie ein Patenschafts-Abo für Menschen in Pflegeheimen, Krankenhäusern und Gefängnissen. Jetzt mitmachen!

»Der Weihnachtsstern«: Jetzt das neue THEMA-Magazin bestellen!

»Die Personen der Bibel«: der beliebte Glaubenskurs aus dem Sonntagsblatt jetzt als Buch für nur 19,90 Euro. Gleich bestellen!

»Evangelische Augenblicke« - der neue Glaubenskurs im Sonntagsblatt. Jetzt bestellen!