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Sonntagsblatt 50/ vom

Eine Taube für das Friedensmuseum

Meeder wird Station der weltweiten Kunstaktion von Richard Hillinger


Papst Benedikt XVI. hielt schon eine in der Hand, ebenso wie der Dalai Lama oder Michail Gorbatschow - jetzt macht eine von 30 golden glänzenden »Friedenstauben« auf ihrer Weltreise Station im Friedensmuseum Meeder.

Lilly, Svea und Leni gehören jetzt zu den »Gastgebern« der glänzenden Friedenstaube: Sie wurde im Jahr 2007 zusammen mit 29 weiteren »Artgenossinnen« von dem Landshuter Künstler Richard Hillinger auf  Reisen geschickt, um weltweit für den Frieden zu werben.
Foto: Lammel
   Lilly, Svea und Leni gehören jetzt zu den »Gastgebern« der glänzenden Friedenstaube: Sie wurde im Jahr 2007 zusammen mit 29 weiteren »Artgenossinnen« von dem Landshuter Künstler Richard Hillinger auf Reisen geschickt, um weltweit für den Frieden zu werben.

        

Großer Bahnhof für ein kleines Tier: Ein Sextett weiß gewandeter Schulmädchen aus Meeder stand - im übertragenen Sinn - Spalier bei einer Premiere im Empfangszimmer des oberfränkischen Regierungspräsidenten in Bayreuth. Aus der Hand von Wilhelm Wenning nahmen sie, zusammen mit einer kleinen Delegation aus ihrer Heimatgemeinde, die lebensgroße Figur einer »Friedenstaube« in Empfang. Als internationales Symbol für Frieden und Völkerverständigung ist das Kunstobjekt in den kommenden Wochen im Friedensmuseum von Meeder im Coburger Land zu Gast.

Leni, Lilly, Mia, Miria, Nike und Svea, alle zwischen acht und zehn Jahren alt, haben in Meeder eine ganz besondere Aufgabe: Sie sind ehrenamtliche Museumsführerinnen. In historisch nachempfundenden Kostümen schlüpfen sie in die Rolle der Friedensaktivistin Anna B. Eckstein (1868-1947) und geleiten bevorzugt die ganz jungen Besuchergruppen durch die Schauräume. Die aus Coburg stammende Pazifistin Eckstein ist die zentrale Persönlichkeit des Friedensmuseums und seit zwei Jahren auch Namenspatronin der Grundschule Meeder, unter deren Dach das Museum im Jahr 2011 eingezogen ist.

Ex-Präsidenten als Schirmherren

Relativ spät »landet« dort jetzt die Taube aus der Werkstatt des Landshuter Künstlers Richard Hillinger. Im Jahr 2007 hatte er 30 Bronzetauben geschaffen und als Botschafter für die 30 Artikel der Erklärung der allgemeinen Menschenrechte der Vereinten Nationen aufmerksam auf die Reise geschickt. Das Patronat für die Kunstaktion übernahmen damals unter anderen die ehemaligen Staatsoberhäupter Roman Herzog, Michail Gorbatschow und Vaclav Havel.

Die 30 Tauben haben inzwischen alle fünf Kontinente bereist und waren - zumindest für kurze Zeit - auch Gast bei zahlreichen Prominenten aus Politik, Kultur, Kirche und Gesellschaft: Mit einer von Hillingers Friedenstauben ließen sich beispielsweise der chinesische Künstler Ai Weiwei, der südafrikanische Bischof Desmond Tutu und sogar Bundeskanzlerin Angela Merkel fotografieren. Der Augsburger evangelische Regionalbischof Ernst Öffner reichte die Taube vor sieben Jahren an den Leipziger Nikolai-Pfarrer Christian Führer weiter. Auch die Regensburger Domspatzen oder das Europäische Parlament hatten eine dieser Friedensboten befristet in ihrer Obhut.

Die Wege dieser Reisen sind mittlerweile nicht mehr so genau nachvollziehbar. Da ist es auch verständlich, dass Regierungspräsident Wenning irrte, als er bei der Übergabe am späten Montagnachmittag von einer oberfränkischen Premiere für die Friedenstaube sprach. Tatsächlich hatten hier schon mindestens zwei davon für einige Wochen Station gemacht: Das nach Albert Schweitzer benannte Exemplar wurde 2011 in der Markgraf-Friedrich-Realschule in Rehau bei Hof aufgenommen, und eine nach Kaspar Hauser benannte Taube machte Quartier in Schloss Wernstein bei Kulmbach.

Jetzt also das fränkische »Friedensdorf« Meeder. Seit 1650 wird dort jährlich am Sonntag nach Sebaldus (19. August) das Friedensdankfest gefeiert, um an das Ende des 30-Jährigen Kriegs und an die Bedeutung des Friedens zu erinnern. 1982 gründete der evangelische Ortspfarrer Karl Eberhard Sperl das Friedensmuseum, das seitdem weit über die Grenzen der Region bekannt geworden ist. Rund 3000 Museumsbesucher, so Henning Schuster vom Trägerverein, werden dort pro Jahr gezählt.

 

 

 

Wolfgang Lammel