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Dieser Artikel: Ausgabe 51/2015 vom 20.12.2015
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Den Seitensprung beichten?

Sonntagsblatt-Sprechstunde


Wie es gelingen kann, nach einer außerehelichen Affäre zu einer neuen Qualität der ehelichen Partnerschaft zu finden.

Ich habe vor einigen Monaten nach einer Betriebsfeier eine Affäre mit einer Kollegin begonnen. Am Anfang fühlte sich das leicht, spielerisch und unbekümmert an, und wir beide haben es einfach genossen. Mich faszinierte die erotische Anziehung, und ich ging davon aus, dass unserer beider Ehen davon nicht tiefer berührt seien. Nach einigen Wochen stellte sich heraus, dass meine Kollegin mehr wollte und sich eine gemeinsame Zukunft mit mir wünschte.

Mir ging es ganz anders. Ich bin in meiner Ehe zufrieden und habe keine Wünsche nach Trennung. Deswegen habe ich die Verbindung gelöst - ein Befreiungsschritt. Heute empfinde ich neue Wertschätzung für meine Frau und Dankbarkeit für unsere Ehe.

Als ich einem Kirchenvorsteher unserer Gemeinde von dieser Erfahrung erzählte, nahm er mich heftig ins Gebet und nannte mich einen Ehebrecher. Der einzig gangbare Weg wäre, meiner Frau den Fehltritt zu beichten. Anders als durch totale Offenheit sei eine weitere Beziehung nicht mehr möglich.

Ich bin vor diesem Rat erschrocken. Verstärkt wird dies dadurch, dass mein Bekannter immer wieder anruft und fragt, ob ich schon »reinen Tisch gemacht hätte«.

Herr R.

 

Ihr Bekannter hat eine klare Meinung und scheint diese rigoros zu vertreten. Damit vermag er Ihnen zumindest dabei zu helfen, den Seitensprung nicht zu verniedlichen.

Eine außereheliche Affäre ist keine Lappalie und soll nicht bagatellisiert werden. So weit, so richtig. Die fortgesetzten Anrufe Ihres Bekannten empfinde ich allerdings auch als bedrängend und übergriffig und kann gut verstehen, wenn Sie sich dagegen wehren.

Auch inhaltlich bin ich anderer Meinung. Vor allem bei der Forderung nach einer totalen Offenheit. Die kann nämlich auch eine große Rücksichtslosigkeit darstellen, die nur verletzend wirkt.

Sie sind für die Affäre verantwortlich, in Ihrer Verantwortung liegt es auch, damit fertigzuwerden.

Hilfreich ist dabei vor allem eine Selbstprüfung. Sie haben den Reiz des Neuen gespürt, vielleicht auch den Reiz des Verbotenen. Als dann Ihre Affärenpartnerin von einer größeren Verbindlichkeit sprach, haben Sie die Beziehung gelöst. Ein Anfang von Selbsterforschung, der allerdings noch weitergeführt werden will. Vor allem, wenn Ihre Wertschätzung und Dankbarkeit anhalten sollen.

Ein paar Impulse dazu:

  Welche Wünsche, seelisch, körperlich, erotisch, haben Sie an Ihre Paarbeziehung, und weiß Ihre Partnerin davon?

  Wie kommunizieren Sie mit Ihrer Frau? Wie direkt, aber auch wie respektvoll?

  Wie achtsam sind Sie für die Wünsche, Bedürfnisse und Gefühle Ihrer Partnerin, und wie lassen Sie sie das wissen?

Sollten Sie beide hier weiterkommen, dann hätten Sie in Ihrer Ehe eine neue Qualität erreicht. Vielleicht hat Ihr Bekannter Sie ja wirklich in sein Gebet genommen und so mit dazu beigetragen.

SONNTAGSBLATT - SPRECHSTUNDE

Barbara Hauck

Wenn Sie ein Problem haben und Rat brauchen, dann schreiben Sie an die »Sprechstunde«, Birkerstraße 22, 80636 München. Die Berater antworten auf dieser Seite oder mit Brief. Sie können auch unmittelbar an einen Berater schreiben: Pfarrerin Barbara Hauck, Breite Gasse 82/84, 90402 Nürnberg - oder Kirchenrat Waldemar Pisarski, Meringer Str. 38c, 86163 Augsburg.

Waldemar Pisarski

Wenn Sie eine längerfristige Korrespondenz wünschen, steht Ihnen die Evangelische Briefseelsorge, Postfach 600306, 81203 München, zur Seite. Alle Zuschriften werden vertraulich behandelt.

 

 

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Waldemar Pisarski

 


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abgerufen 03.12.2016 - 14:41 Uhr

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