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Dieser Artikel: Ausgabe 51/2015 vom 20.12.2015
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Messianischer Prophet

Personen der Bibel (51): Jesaja - Der Evangelist des Alten Testaments


»Gott wird euch aus aller Finsternis retten«, versprach Jesaja und mahnte: »Vertraut auf ihn, nicht auf weltliche Mächte.« Diese Botschaft spendete Generationen von Juden Hoffnung in Zeiten der Bedrängnis und Verfolgung. Christen sind überzeugt: Jesaja hat die Geburt und das Wirken Jesu vorausgesehen.

Der Prophet Jesaja: Duccio di Buoninsegna (1260-1318), Tafel aus dem ehemaligen Hochaltar im Dom von Siena (National Gallery of Art, Washington, D.C.; siehe unten).
Foto: PD
   Der Prophet Jesaja: Duccio di Buoninsegna (1260-1318), Tafel aus dem ehemaligen Hochaltar im Dom von Siena (National Gallery of Art, Washington, D.C.; siehe unten).

        

Über Jesajas Leben ist nur wenig überliefert. Das nach ihm benannte Buch wurde im Laufe der Zeit stark überarbeitet und von Jesajas Schülern und Nachfolgern ergänzt. Jesajas Botschaft aber hat bis heute nichts an Intensität verloren. »Gott rettet«, so lautet sein Name übersetzt. Und tatsächlich wurde er nicht müde, den Menschen diese Botschaft zu vermitteln - selbst, wenn er dabei oft auf taube Ohren stieß.

Jesaja lebte in der zweiten Hälfte des 8. Jahrhunderts v. Chr. in Jerusalem. Vorgestellt wird er als Sohn des Amoz. Spätere Überlieferungen sprechen davon, dass sein Vater aus einer Königsfamilie stammte. Fest steht: Jesaja stand in engem Kontakt zu den vier Königen, deren Regierungszeit er erlebte. Das lässt zumindest vermuten, dass er einer angesehenen Familie entstammte und eine gute Ausbildung erhielt.

Jesaja bezeichnet sich selbst nicht als Prophet. Sein Berufungserlebnis aber macht deutlich, dass Gott ihm eine besondere Aufgabe zugedacht hatte: Alles begann mit einer beeindruckenden Vision. Jesaja sah Gott in voller Herrlichkeit auf einem Thron sitzen. Engelwesen standen um ihn herum. Als Jesaja bewusst wurde, dass ein normaler Mensch diesen Anblick kaum überleben kann, erschrak er und rief: »Weh mir, ich vergehe! Denn ich bin unreiner Lippen«. ( Jesaja 6, 5) Sofort kam eines der Engelwesen zu ihm. Mit einer glühenden Kohle berührte es Jesajas Mund und sagte: »Hiermit sind deine Lippen berührt, dass … deine Sünden gesühnt sind.« ( Jesaja 6, 7)

»Glaubt ihr nicht, so bleibt ihr nicht«

Anschießend hörte Jesaja Gott fragen, wer sein Bote sein wolle. Sofort antwortete er: »Hier bin ich, sende mich!« ( Jesaja 6, 8) Da sandte Gott ihn als Boten zu seinem Volk - nicht ohne ihn zu warnen, dass die Menschen kaum auf ihn hören und kein Verständnis für seine Botschaft haben würden. Tatsächlich musste Jesaja in den nächsten Jahren immer wieder feststellen, dass seine Botschaft auf Unverständnis stieß und nicht beachtet wurde. Trotzdem verlor er nie die Hoffnung auf eine künftige Zeit, in der sich alles ändern würde.

Der Prophet Jesaja im Deckenfresko Eduard Engerths in der Altlerchenfelder Pfarrkirche in Wien-Neubau.
Foto: Michael Kranewitter, CC BY-SA 4.0, via wikimedia
   Der Prophet Jesaja im Deckenfresko Eduard Engerths in der Altlerchenfelder Pfarrkirche in Wien-Neubau.

        

Mit eindringlichen Worten verkündete Jesaja den Menschen Gottes Kritik an ihrem Verhalten. »Ich habe Kinder großgezogen … und sie sind von mir abgefallen« ( Jesaja 1, 2) heißt es da und dann wettert Gott gegen die scheinheiligen Gottesdienste der Menschen: »Was soll mir die Menge eurer Opfer? … Wer fordert denn von euch, dass ihr meinen Vorhof zertretet? … Das Räucherwerk ist mir ein Gräuel! … Festversammlung mag ich nicht! … Wenn ihr auch viel betet, höre ich euch doch nicht, denn eure Hände sind voll Blut.« ( Jesaja 1, 11 ff.) Statt solcher Gottesdienste wünsche sich Gott, dass die Menschen sich vom Bösen abkehren und lernen, Gutes zu tun, betonte Jesaja. »Trachtet nach Recht, helft den Unterdrückten« ( Jesaja 1, 17), fordere Gott die Menschen auf und er verspreche: »Wollt ihr mir gehorchen, so sollt ihr des Landes Gut genießen. Weigert ihr euch aber, … so sollt ihr vom Schwert gefressen werden.« ( Jesaja 1, 19 f.)

Zu denen, die Jesajas Botschaften kaum beachteten, gehörte auch König Ahas. Der von feindlichen Mächten bedrohte König strebte ein Bündnis mit den Assyrern an und passte sich den assyrischen Sitten an. Inständig bat Jesaja ihn, stattdessen doch auf die Hilfe Gottes zu vertrauen. Ahas aber blieb bei seinem Plan. Das verschaffte dem Südreich zwar kurzfristig Sicherheit, das Nordreich Israel aber wurde von den Assyrern vernichtet. Später belagerten die Assyrer auch Jerusalem im Südreich.

Um seine Botschaft zu unterstreichen, gab Jesaja seinen Kindern sprechende Namen. Mit seinem Sohn Schear-Jaschub (»ein Rest wird sich bekehren«) war er zum König gegangen, um ihn zum Glauben aufzurufen. Nachdem sich Ahas nicht überzeugen ließ, zeugte Jesaja mit seiner Frau, die ebenfalls Prophetin war, einen weiteren Sohn. Raubebald-Eilebeute nannte er ihn - ein Hinweis auf die vernichtende Macht der Assyrer.

Weihnachtstryptichon von Duccio di Buoninsegna (1260-1318): Die Geburt Christi mit den Propheten Jesaja und Hesekiel, 1308. Die Gemälde waren 1311 bis 1506 Bestandteil des Hochaltars im Dom von Siena und befinden sich heute in der National Gallery of Art, Washington, D.C.
Foto: PD
   Weihnachtstryptichon von Duccio di Buoninsegna (1260-1318): Die Geburt Christi mit den Propheten Jesaja und Hesekiel, 1308. Die Gemälde waren 1311 bis 1506 Bestandteil des Hochaltars im Dom von Siena und befinden sich heute in der National Gallery of Art, Washington, D.C.

        

Auch durch Zeichenhandlungen und Gleichnisse versuchte Jesaja die Menschen zu überzeugen. »Ich will … singen, ein Lied von meinem Freund und seinem Weinberg« ( Jesaja 5, 1), verkündete er einmal. Dann schilderte er, wie sein Freund einen Weinberg angelegt und sorgfältig gepflegt habe. Doch der Weinberg brachte nur schlechte Früchte. So einen Weinberg könne man doch nur verdorren lassen, folgerte der Freund. Gottes Weinberg, fuhr Jesaja fort, sei das Volk Israel, an dem sein Herz hing. Aber statt »Rechtsspruch, siehe, da war Rechtsbruch«, statt »Gerechtigkeit, siehe, da war Geschrei über Schlechtigkeit«. ( Jesaja 5, 7)

Als ein namentlich nicht genannter König überlegte, ein Bündnis mit Ägypten einzugehen, trug Jesaja drei Jahre lang nun Unterwäsche und lief barfuß, um zu zeigen, dass die Ägypter bald genauso nackt in assyrische Gefangenschaft geraten würden.

Nicht auf den Schutz weltlicher Mächte solle man sich verlassen, sondern allein auf Gott, betonte Jesaja immer wieder. Denn »glaubt ihr nicht, so bleibt ihr nicht«. ( Jesaja 7, 9) Wer aber glaube und auf Gott vertraue, der könne auf Heil hoffen.

Viele seiner Hoffnungsbilder sind bis heute populär. Jesaja sieht eine Zeit kommen, in der »Schwerter zu Pflugscharen« werden und die Menschen nicht mehr »lernen, Krieg zu führen«. ( Jesaja 2, 4) Eine Zeit, in der »Wölfe bei den Lämmern wohnen« und »Löwen … Stroh fressen«. ( Jesaja 11, 6 f.)

Jesaja ist der erste Prophet, der den Anbruch dieser neuen Zeit mit der Ankunft eines Messias verbindet: »Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht« ( Jesaja 9, 1), heißt es da, »denn uns ist ein Kind geboren …; auf dass seine Herrschaft groß werde und des Friedens kein Ende«. ( Jesaja 9, 5 f.) Dieser Messias werde die Menschen »mit Gerechtigkeit richten« ( Jesaja 11, 4) und eine Zeit des Friedens einleiten.

Über Jesajas weiteres Schicksal verrät die Bibel nichts. Eine spätere Legende erzählt von seinem Märtyrertod. König Manasse habe sich den Assyrern völlig unterworfen und sogar die alleinige Verehrung Gottes aufgegeben. Jesaja habe diese Haltung heftig kritisiert und sei schließlich vor dem wütenden König in einen hohlen Baum geflohen. Manasse habe den Baum mit dem Propheten daraufhin entzweisägen lassen.

Während die Person des Propheten hinter dem später gründlich überarbeiteten Text kaum zu erkennen ist, beeindrucken seine Worte und Visionen Bibelleser bis heute. Nicht nur die Friedensbewegung fand mit »Schwerter zu Pflugscharen« ( Jesaja 2, 4) einen Wahlspruch im Jesajabuch. Auch die christlichen Vorstellungen vom Weihnachtsgeschehen wurden durch seine Texte wesentlich geprägt.

JESAJA

  NAME: hebr. »Gott ist Rettung«

  BERUF: Prophet

  HERKUNFT: Sohn des Amoz aus einer vornehmen Jerusalemer Familie

  ZEIT: Ende des 8. Jahrhunderts v. Chr.

  WIRKUNGSGESCHICHTE: Das Jesajabuch wurde von mindestens drei Autoren verschiedener Generationen verfasst. Im hinteren Teil finden sich daher auch Botschaften an Juden, die erst etwa 200 Jahre nach Jesaja im babylonischen Exil lebten. Doch auch christliche und moderne Vorstellungen hat das Buch geprägt: »Schwerter zu Pflugscharen« ( Jesaja 2, 4) wurde zum Wahlspruch der Friedensbewegung. Christen sprechen nicht nur an Weihnachten von einem Licht in der Finsternis, von einem Kind, das von König David abstammt und Gerechtigkeit bringen wird, von einer Jungfrau - bei Jesaja steht wörtlich übersetzt eigentlich »junge Frau« - die ein besonderes Kind auf die Welt bringt. Selbst Ochs und Esel an der Krippe sind Jesaja zu verdanken. Im Neuen Testament nämlich sucht man sie vergebens. Bei Jesaja dagegen ist zu lesen: »Ein Ochse kennt seinen Herrn und ein Esel die Krippe seines Herrn«. ( Jesaja 1, 3)

  WICHTIGE BIBELSTELLEN:  Jesaja 1-11

  ZITAT: »Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht, und über denen, die da wohnen im finstern Lande, scheint es hell.« ( Jesaja 9, 1)

  BUCHTIPP: Ulrich Berges: Jesaja. Der Prophet und das Buch, Leipzig 2014.

THEOLOGISCHES STICHWORT

MESSIAS: Der hebräische Begriff Messias (griechisch Christos) bedeutet »Gesalbter« und wurde ursprünglich für Könige und Priester verwendet. Später entwickelte sich im Judentum die Hoffnung auf einen von Gott eingesetzten endzeitlichen Heilsbringer, mit dessen Kommen eine neue, bessere Zeit anbrechen werde. Juden hoffen bis heute auf die Ankunft eines solchen Messias. Christen dagegen sehen diese Hoffnung in Jesus Christus erfüllt. Sie hoffen auf seine Wiederkunft am Ende der Zeit.

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Sonja Poppe

 


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abgerufen 29.06.2016 - 00:13 Uhr

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