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Sonntagsblatt 51/ vom

Kommet, ihr Hirdää!

Schee g'sunga, g'schbilld und g'redd: Mundart in der Kirche


Seine Mitglieder sprechen fränkisch, schwäbisch, plattdeutsch und pfälzisch: Seit 20 Jahren gibt es den Arbeitskreis Mundart in der Kirche, gegründet in Rückersdorf bei Nürnberg oder Nürnberch, wie es die Einwohner aussprechen. Die Dialektkenner tauschen sich in vielen Zungen, vor allem Hochdeutsch, darüber aus, wie sie Mundart in Gottesdiensten und in der Gemeindearbeit einsetzen.

Sie sprachen aramäisch. Trotzdem hört man die Hirten des Würzburger Weihnachtsmarkts eher fränkeln.
Foto: Fildhaut
   Sie sprachen aramäisch. Trotzdem hört man die Hirten des Würzburger Weihnachtsmarkts eher fränkeln.

        

Pfarrer Claus Ebeling aus Lichtenau im Landkreis Ansbach gehört dazu. Erst war er bei einer Veranstaltung nur Zaungast, danach beschloss er, selbst mitzumachen. »Die Mundart ist eine Möglichkeit, Menschen wieder zu erreichen, die man ein wenig verloren hat«, sagt der Seelsorger. »Quer durch alle Schichten sprechen Menschen Mundart. Das hat nichts mit der Bildung zu tun, sondern damit, wo ich herkomme und hingehöre.«

Claus Ebeling ist überzeugt, dass die Besucher einen unmittelbaren Zugang zum Mundart-Gottesdienst haben. »Man kann ihnen das Evangelium so sagen, dass es ihnen direkt ins Herz geht«, erklärt er. Doch: Ein Gottesdienst in Mundart ist keine Spaßveranstaltung, das ist dem Pfarrer ganz wichtig. Zwar darf auch mal gelacht werden, dennoch ist es ein Anliegen des Arbeitskreises, die Botschaft ernst zu nehmen, so Ebeling. Er selbst hat einen liturgischen Text für den Palmsonntag verfasst.

Pfarrer Claus Ebeling aus Nämberch.
Foto: Mayer
   Pfarrer Claus Ebeling aus Nämberch.

»Bei den Franken wird aus dem Palmsonntag der Ballnsunndooch«, weiß der Pfarrer: »Das hat zu dem schönen Missverständnis geführt, die Kinder an diesem Sonntag vor Ostern zu beschenken. Das Frühjahr hat begonnen und dann gab es einen neuen Ball.«

Als Kind verbrachte Ebeling seine Schulferien oft bei Oma und Opa in Oberbayern. »Wenn ich dort war, habe ich auf Oberbayerisch umgeschaltet. Das mache ich heute noch so«, sagt der Theologe. »Ich bin also, was die Dialekte betrifft, zweisprachig aufgewachsen. In der Schule kam noch Hochdeutsch dazu.«

In der Kirche stieß er zum ersten Mal auf die Mundart. Immer am dritten Adventssonntag veranstaltete die Gemeinde einen fränkischen Advent mit dem bekannten, im Jahr 1998 verstorbenen Nürnberger Mundartdichter Hans Mehl. Ein Straßenfeger. »Die Kirche war immer gerammelt voll«, erinnert sich Claus Ebeling. Probleme, die vielen unterschiedlichen fränkischen Dialekte zu verstehen, hat er nicht. Bei Pfälzern tut er sich allerdings schwer, verrät er mit einem Schmunzeln.

An Weihnachten hält Claus Ebeling in diesem Jahr keinen Gottesdienst in Mundart. Das hat zwei Gründe: Erst im November feierte der Arbeitskreis in Lichtenau sein großes Jubiläumswochenende. Und der Pfarrer weiß, dass es mittlerweile viele Gottesdienste in Mundart gibt. Nach seiner Beobachtung kommen zu diesen Veranstaltungen ungefähr dreimal mehr Besucher als normalerweise.

Ebeling hält nicht nur Gottesdienste auf Fränkisch, auch in der Konfirmandenarbeit hat er Mundart schon eingesetzt: Mit den Jugendlichen übertrug er die täglichen Bibelvers-Losungen in den Dialekt. »Die Konfirmanden haben gemerkt: Ich komme ihnen in ihrer Alltagssprache nahe. Und auch der Bibelvers wurde auf Fränkisch für sie verständlicher«, sagt Ebeling.

Im Kindergarten gab er vor Kurzem das Mundart-Gedicht »Die Christbaumspitz« zum Besten. Das sorgte unter den Kindern erst für viel Heiterkeit und Gelächter, am Ende baten sie den Pfarrer aber, beim nächsten Mal wieder ein fränkisches Gedicht vorzutragen. Und das macht er dann im kommenden Jahr.

 

 

 

Diane Mayer