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Sonntagsblatt 51/ vom

Hund schützt vor Angst

Treu im Dienst der Würzburger Diakonie: Labrador Bruno


Die Offene Behindertenarbeit (OBA) der Diakonie Würzburg hat einen pelzigen Kollegen. Er heißt Bruno, ist ein schwarzer Labrador und einfach allerliebst. Mit Bruno kann man wunderbar spielen und dabei unbeschwert fürs Leben lernen. Zum Beispiel Ralf Wocher. Fast jede Woche hat der 51-Jährige einen Termin mit Bruno. Er gewann dadurch eine Menge Selbstbewusstsein.

Ralf Wocher freut sich auf jede Begegnung mit OBA-Hund Bruno.
Foto: Christ
   Ralf Wocher freut sich auf jede Begegnung mit OBA-Hund Bruno.

        

Die Hunderasse Labrador eignet sich gut für Therapiezwecke, erklärt Brunos Frauchen und OBA-Leiterin Silke Trost. »Früher kamen Labradore bei der Jagd zum Einsatz«, weiß sie. Daher lieben die Hunde es bis heute, Gegenstände zu apportieren. Wegen ihres angenehmen Charakters werden Labradore heute außerdem oft eingesetzt, um Menschen mit einem chronischen Leiden oder einem Handicap zu begleiten. Labradore führen Blinde, unterstützen aber zum Beispiel auch Diabetiker, so Trost: »Die Hunde können wittern, ob sich die Blutzuckerwerte verändern.« Kommt Herrchen oder Frauchen in die Unterzuckerung hinein, schlagen sie Alarm.

Auch Bruno soll künftig Menschen mit Behinderung »professionell« begleiten. »Noch ist er in der Ausbildung«, sagt Trost. Im kommenden Jahr wird der Vierbeiner die Begleithundeprüfung ablegen. Schon jetzt zeigt Bruno, dass er ideal dafür ist.

Zum einen wirkt er so »süß«, dass er bereits vielen Menschen die Angst vor Hunden nahm - und zwar sowohl Klienten der OBA als auch Kollegen von Silke Trost aus dem Diakonischen Werk. Vor allem prädestiniert seine Geduld den Hund für die therapeutische Arbeit mit Menschen wie Ralf Wocher.

Hundehaltung fordert Präsenz

Wocher ist extrem zurückhaltend, was er selbst als großen Nachteil empfindet. »Ich würde gerne mehr aus mir herausgehen«, sagt der Mann, der seit zehn Jahren die Angebote der OBA nutzt. Dass Bruno auf ihn hört und dass der Hund ihn sichtlich mag, hat sein Selbstbewusstsein deutlich gestärkt. Wocher traut sich inzwischen auch im Umgang mit anderen Menschen mehr zu als noch vor einem halben Jahr.

Seine neue Offenheit gegenüber Menschen und Situationen demonstrierte er vor Kurzem, indem er allein zum Würzburger Tierheim ging. Er fragte nach, ob man noch jemanden brauchen könnte, der mit den Hunden Gassi geht. »Klar!«, hieß es. Seither kümmert sich der OBA-Klient ehrenamtlich um Hunde, denen es nicht so gut geht wie dem allseits umhegten Labrador Bruno.

Dass Ralf Wocher Probleme hat, auf andere Menschen zuzugehen, dass er sich oft scheut, seine Meinung klar zu artikulieren und auch einmal Forderungen zu stellen, liegt an negativen Erfahrungen mit Menschen. Wocher wurde eher leiser als lauter. Er zog sich zurück, statt in die Offensive zu gehen.

Das ändert sich durch die Begegnungen mit Bruno allmählich wieder. Der Hund braucht klare Befehle. Er muss etwa wissen, ob er etwas apportieren oder einen Gegenstand woanders hinlegen soll. Ralf Wocher hat gelernt, Befehle deutlich auszusprechen. Brunos Frauchen Silke Trost äußert es: »Dadurch wurde seine Stimme insgesamt lauter.«

Überhaupt hat Wochers Leben an Qualität gewonnen. Früher war er nicht allzu fröhlich. Wenn er heute zu Silke Trost ins Büro kommt, um mit Bruno zu üben, strahlt er. Wocher liebt den Hund. Zu wissen, dass er Bruno mindestens zweimal im Monat sieht, trägt ihn über finsterere Phasen hinweg.

Sechs Klienten trainieren derzeit mit dem Therapiehund z. A. Außerdem kommt das Tier ganz selbstverständlich zu Gruppenveranstaltungen mit, nimmt am Englischkurs seiner Halterin und an Gottesdienstvorbereitungen teil, erzählt Trost: »Selbst in der Kirche war er schon dabei.«

Bei manchen Besprechungen geht es hoch her, nicht immer sind alle einer Meinung: »Hier wirkt Bruno entspannend.« Neulich stupste er unterm Tisch eine von der Diskussion erhitzte Frau mit seiner kalten Schnauze an. Da lachte die. Und alle Anspannung war verflogen.

Bruno soll künftig noch stärker dazu eingesetzt werden, Menschen Angst vor Hunden zu nehmen. »Mir schwebt so etwas wie ein Hundeführerschein vor«, sagt die OBA-Leiterin. Wer den absolviert, soll am Ende Mimik und Körpersprache von Hunden besser verstehen. Also was es bedeutet, wenn Bruno die Ohren anlegt, wenn sich seine Nackenhaare aufstellen oder wenn er heftig mit der Rute wedelt.

 

 

 

Pat Christ