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Sonntagsblatt 01/ vom

»Über Reger stolpern«

Die Stadt Weiden lässt ihren berühmtesten Sohn mit vielen Veranstaltungen hochleben


Im oberpfälzischen Weiden ist Max Reger ohnehin omnipräsent. Doch so viel Reger wie im Jubiläumsjahr 2016 war selbst in der Heimatstadt des Meisters selten.

Einzug der Familie Reger in Weiden in der Oberpfalz anno 1874.
Foto: Stadt Weiden
   Einzug der Familie Reger in Weiden in der Oberpfalz anno 1874.

        

Aus den Max-Reger-Tagen, die seit 1999 jeweils in einigen Herbstwochen stattfinden, wird nun ein ganzes Max-Reger-Jahr mit über 40 teils hochkarätig besetzten Veranstaltungen. Astrid Karl und Irmi Betz, die im Kulturamt der Stadt die organisatorischen Schneisen schlagen, wollen den Komponisten dabei vor allem aus dem gar zu konventionellen Konzerttreiben herausholen und in neue Bezüge setzen.

So spielt die Orgelprofessorin Christine Michel-Osterthun ein Orgelkonzert für Kinder, Thema: »Maxe mit der dicken Tatze« (25./26. Juli). Ein Klavierabend in einem Privathaus erinnert an die noch zu Regers Zeit üblichen Hauskonzerte im bürgerlichen Stadtmilieu (2. Dezember). Und auch das Mandelring-Quartett musiziert am 17. Juli in ungewöhnlichem Ambiente, nämlich im Brauhaus Pirk bei Weiden.

Kreativer Höhepunkt ist eine Aufführung von Regers Klarinettenquintett am 16. September. Denn acht verschiedene Komponisten haben zum letzten Satz Variationen geschrieben, die an diesem Abend in der Max-Reger-Halle uraufgeführt werden. Den sinfonischen Höhepunkt setzen Chor und Orchester des Bayerischen Rundfunks mit Werken von Brahms und Reger (Requiem für Bariton, Chor und Orchester) am 7. Mai und die Hofer Sinfoniker mit einem Weihnachtskonzert, in dem neben Tschaikowskis »Nussknacker-Suite« auch Regers »Ballettsuite« zu hören sein wird (23. Dezember).

Auch die Max-Reger-Orgel in St. Michael spielt im Jubiläumsjahr eine wichtige Rolle. Neben einigen regulären Konzerten gibt es dort am 5. August eine ganze Orgelnacht, bei der vier berühmte Gastmusiker große Orgelwerke von Reger aufführen.

Einige Ideen sind noch in der gedanklichen Warteschleife: etwa ein Abend »Reger goes Rock« oder eine Performance eines Künstlers in der Innenstadt. »Man muss in diesem Jahr richtig über Reger stolpern, wenn man durch die Stadt geht«, sagt Irmi Betz. Das ist trotz Denkmal, Straßenname, eigener Abteilung im Stadtmuseum und Max-Reger-Schule noch immer ausbaufähig.

Grenzen erreichen die wackeren Weidener nicht nur wegen der im Kulturbetrieb notorisch klammen Kassen, sondern auch, weil Regers Musik nur bei den Organisten zum Repertoire gehört. »Wir würden jede Koryphäe herkriegen«, klagt Betz, »aber die haben normalerweise keinen Reger drauf und üben den auch nicht extra für ein Konzert.« Die meisten Konzerte werden daher von motivierten Nachwuchsmusikern bestritten, die bereit sind, sich Reger eigens draufzuschaffen. Das erinnert übrigens auch an die Keimzelle der Max-Reger-Tage, die vor allem dazu dienen sollten, junge Musiker in Meisterkursen an Reger heranzuführen. Auch das gehört bis heute zum Markenkern der Weidener Reger-Aktivitäten.

 

  Informationen unter  www.maxregertage.de

MAX REGER

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thg