Sonntagsblatt Archiv

Sonntagsblatt 01/ vom

Wünsch dir Glück!

Eine Ausstellung in Oberschönenfeld beschäftigt sich mit Bräuchen zum Jahreswechsel


Im Schwäbischen Volkskundemuseum bei Augsburg bekommen die Besucher Antworten auf die wichtigsten Fragen zu Silvester und Neujahr.

Glückwunschkarten zu Neujahr gibt es bereits seit der Erfindung der Buchdruckkunst. Diese hier sind etwas moderner: hier eine Karte, die vor einer Lichtquelle strahlt ...
Foto: Schwäbisches Volkskundemuseum
   Glückwunschkarten zu Neujahr gibt es bereits seit der Erfindung der Buchdruckkunst. Diese hier sind etwas moderner: hier eine Karte, die vor einer Lichtquelle strahlt ...

        

  Wurde der Jahreswechsel schon immer am 31. Dezember gefeiert?

Nein, das ist erst seit 1691 so. Damals legte Papst Innozenz XII. den 1. Januar als Neujahrstag fest. Davor hatte man den Jahresanfang an verschiedenen Terminen gefeiert. Sie orientierten sich am christlichen Festkalender. So galt der 25. Dezember, der Tag der Geburt Jesu, in vielen Regionen lange als Neujahrstag. Auch der Dreikönigstag am 6. Januar und die Verkündigung Mariens am 25. März waren Jahresanfangstage.

  Woher stammt der Name »Silvester«?

Er geht auf Papst Silvester zurück. Er starb am 31. Dezember 355. Der Silvestertag als Tag des Jahreswechsels blieb aber auch nach 1691 noch lange unbedeutend. Erst Ende des 19. Jahrhunderts begann das städtische Bürgertum, die Silvesternacht zu feiern. »Von da an hielt die Silvesterfeier Einzug in den Alltag«, sagt Dorothee Pesch vom Volkskundemuseum.

... dann eine mit handgeschriebenen Zeilen und schließlich ...
Foto: Schwäbisches Volkskundemuseum
   ... dann eine mit handgeschriebenen Zeilen und schließlich ...

        

  Warum wünscht man sich an Silvester Glück?

Glück zu wünschen war schon in der Antike ein Brauch zum Jahreswechsel. An der Schwelle zwischen zwei Jahren ist das bevorstehende Jahr unsicher. Der Neujahrstag stehe stellvertretend für das Kommende, erläutert Roman Tischberger vom Schwäbischen Volkskundemuseum: »Für eine ungewisse Zukunft wünscht man sich möglichst Gutes.«

  Seit wann gibt es Glückwunschkarten zum neuen Jahr?

Der älteste gedruckte Neujahrswunsch stammt aus dem Jahr 1466. Er geht auf den Kupferstich eines Goldschmieds zurück. Hinter dem Jesuskind wünscht darauf ein Spruchband »Ein guot selig ior«. Vermehrt kamen gedruckte Neujahrswünsche seit der Einführung des Neujahrstags 1691 auf. Nach Erfindung der Postkarte 1870 setzten sich auch Neujahrs-Postkarten immer mehr durch.

... eine Glückwunschkarte mit typischen Glückssymbolen wie Schwein (das man haben sollte) oder vierblättrigem Klee - und dem Geld, das das Glück dann ins Haus spülen soll.
Foto: Schwäbisches Volkskundemuseum
   ... eine Glückwunschkarte mit typischen Glückssymbolen wie Schwein (das man haben sollte) oder vierblättrigem Klee - und dem Geld, das das Glück dann ins Haus spülen soll.

        

  Was sind typische Glückssymbole?

Am gängigsten sind der Kaminkehrer, das vierblättrige Kleeblatt, das Hufeisen oder das Schwein. Sie alle haben zu Silvester und Neujahr Hochkonjunktur. Der historische Hintergrund der Symbole ist unterschiedlich. »So brachten die Kaminkehrer oft ihre Jahresrechnung um den Jahreswechsel herum«, erläutert Dorothee Pesch. »Und natürlich stehen sie für Glück, weil sie das Haus vor Feuer schützen.« Das Kleeblatt ist wegen seiner Seltenheit ein Glückssymbol. Das Hufeisen gilt als Glücksbringer, weil es das Pferd schützt, das schon immer als edel und wertvoll galt. Das Schwein war schon bei den Römern ein Zeichen für Wohlstand, Reichtum und materielles Glück.

  Was sind typische Bräuche an Silvester?

Bekannt ist das Bleigießen. Diesen »typischen Orakelbrauch« habe es früher jedoch nicht nur an Silvester gegeben, meint Dorothee Pesch. Auch zu anderen Anlässen habe man Blei geschmolzen, in Wasser gegossen und versucht, aus den Formen die Zukunft zu lesen. Ein anderer Brauch ist das Neujahrs-Anblasen, bei dem Blasmusiker zum Jahreswechsel von Haus zu Haus ziehen und ein gutes neues Jahr wünschen. Beim Neujahrs-Anschießen feuerten junge Burschen noch bis ins 20. Jahrhundert vor dem Haus ihrer Geliebten Schüsse ab. »Das war aber oft mit Unfällen verbunden, sodass es verboten wurde«, erklärt Dorothee Pesch. Heute begrüßen Böllerschützenvereine mit dem Anschießen das neue Jahr.

  Woher stammt der Brauch, an Silvester ein Feuerwerk zu zünden?

Schon die Germanen vertrieben zum Jahreswechsel Dämonen und böse Geister mit Lärm. Ab dem 15. Jahrhundert wurden Gewehr- und Böllerschüsse abgegeben. Feuerwerkskörper gab es erstmals im Barock an deutschen Fürstenhöfen. Privatleute konnten sich das erst leisten, als die Pyrotechnik besser und günstiger wurde. Massenhaft Verbreitung fanden Raketen und Böller zu Silvester ab Anfang des 20. Jahrhunderts.

  Seit wann stößt man mit Sekt und Champagner auf den Jahresbeginn an?

In den Städten begann das im 19. Jahrhundert. Dass in nahezu jedem Haus mit Sekt auf das neue Jahr angestoßen wird, ist erst seit den 1950er-Jahren so. Mit dem Wirtschaftswunder konnte sich die breite Bevölkerung das prickelnde Getränk zu Silvester leisten. Davor war Punsch das übliche Silvestergetränk.

 

  DIE AUSSTELLUNG »Prosit Neujahr« läuft noch bis zum 31. Januar. INTERNET:  www.schwaebisches-volkskundemuseum.de

 

 

 

Andreas Jalsovec