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Dieser Artikel: Ausgabe 02/2016 vom 10.01.2016
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Andate avanti! Geht weiter!

Der Papst ist auch 2016 für eine Überraschung gut

Kommentar von Tilmann Kleinjung

Papst Franziskus hat bereits angekündigt, dass er Deutschland bald besuchen will. Noch gibt es keine konkreten Pläne dafür, doch bei Franziskus' Besuch in der deutschen evangelischen Gemeinde in Rom am 15. November vergangenen Jahres hat man einen Vorgeschmack bekommen. Und es schmeckt nach Überraschung.

Die evangelische Gemeinde in Rom ist klein, ein paar Hundert Mitglieder hat sie. Viele von ihnen sind mit katholischen Italienerinnen oder Italienern verheiratet. Solche gemischtkonfessionellen Paare können nicht gemeinsam am Abendmahl teilnehmen.

Eine Frau aus der Gemeinde fragte den Papst, wann es denn an diesem Punkt endlich Einheit gibt. Das ist die Kernfrage des ökumenischen Dialogs.

Und der Papst, der eigentlich sagen müsste: »Ein gemeinsames Abendmahl ist zurzeit noch nicht möglich«, antwortete der Frau überraschend: Er werde es niemals wagen, irgendeine Erlaubnis zu geben. Aber sie könne sich getrost auf Paulus berufen: »Ein Glaube, eine Taufe, ein Herr - so sagt es Paulus. Und daraus müsst ihr eure Konsequenzen ziehen. Sprecht mit dem Herrn, und dann geht weiter.«

Andate avanti! Geht weiter! Evangelische und katholische Ehepartner dürften das als Ermunterung sehen, gemeinsam zum Abendmahl zu gehen.

Und als wäre das nicht schon deutlich genug, überreichte Franziskus am Ende seines Besuchs dem verdutzten Pfarrer der Gemeinde ein symbolträchtiges Geschenk: einen Abendmahlskelch.

Normalerweise beschenkt der Papst auf diese Weise katholische Bischöfe. Und Papst Paul VI. überreichte 1964 dem ökumenischen Patriarchen Athenagoras einen Kelch, um nach 1000 Jahren die Aufhebung der gegenseitigen Exkommunikation zwischen Orthodoxen und Katholiken zu besiegeln.

Zuletzt schien der evangelisch-katholische Dialog von dem anstehenden Reformationsjubiläum 2017 eher gelähmt als beflügelt zu sein.

Für die katholische Kirche sind 500 Jahre Thesenanschlag kein Grund zu feiern, und für die deutschen Protestanten ist dieser Termin vor allem Anlass zur Selbstvergewisserung - durchaus auch in Abgrenzung zum Katholizismus.

Entsprechend waren die Reaktionen auf diesen revolutionären Auftritt in der deutschen Gemeinde: Von evangelischen Bischöfen und Theologen hörte man wenig bis gar nichts. Und der Präfekt der römischen Glaubenskongregation, Kardinal Gerhard Ludwig Müller, konterkarierte den brüderlichen Besuch seines Chefs in der evangelischen Gemeinde mit der Behauptung: Volle Einheit sei nur mit dem Papst an der Spitze möglich.

Papst Franziskus denkt nicht in diesen Kategorien. Während sich seine Vorgänger an den theologischen Unterschieden zwischen den Konfessionen abgearbeitet haben, praktiziert dieser Papst eine Ökumene der Herzen, und das, ohne auch nur einmal das sperrige Wort Ökumene zu gebrauchen.

Sonntagsblatt-Gastkommentator Tilmann Kleinjung

 

  Der Autor ist Leiter des ARD-Hörfunkstudios für Italien in Rom. Was denken Sie? Schreiben Sie an Tilmann Kleinjung:  sonntagsblatt@epv.de

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abgerufen 30.07.2016 - 16:54 Uhr

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