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Dieser Artikel: Ausgabe 02/2016 vom 10.01.2016
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Die Macht der Bilder

Der Präsident des Zentralrats der Juden Josef Schuster fordert eine faire Israel-Berichterstattung


Seit etwas mehr als einem Jahr ist der Würzburger Josef Schuster Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland. Das erste Amtsjahr war vor allem durch Themen von außen geprägt: den Terror in Europa und den Flüchtlingsstrom.

Josef Schuster.
Foto: epd-by
   Josef Schuster.

        

  Herr Schuster, Ihr erstes Jahr als Präsident des Zentralrats ist thematisch nicht ganz so verlaufen, wie von Ihnen erhofft, oder?

Schuster: So ist es. Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, das vielseitige jüdische Leben in den Vordergrund zu rücken - ohne dabei die schlimme Vergangenheit aus dem Blick zu verlieren. Es standen mehrere Ereignisse fest: 70 Jahre Befreiung der Konzentrationslager, 50 Jahre diplomatische Beziehungen zwischen Israel und Deutschland und die European Maccabi Games, die ersten jüdischen Olympischen Spiele in Deutschland seit der Schoah. Dann kam der Terror nach Europa. Und auch der große Flüchtlingsstrom wurde zum Thema.

  Ihr Amtsvorgänger Dieter Graumann hat durchblicken lassen, dass ihn die Opferrolle stört, die den Juden durch solche Themen zuteil wird.

Schuster: Natürlich konnte keiner diese schlimmen Terroranschläge in Paris und auch in Kopenhagen vorhersehen. Mir war allerdings schon bei meinem Amtsantritt sehr klar, dass ich meine thematische Agenda nicht alleine bestimmen kann, dass da vieles von außen kommt. Ich bin seit mehr als 15 Jahren Mitglied im Präsidium des Zentralrats, ich war vier Jahre lang Vizepräsident - das war also nichts Neues für mich.

  Die Anschläge auf »Charlie Hebdo« und auf das »Bataclan« haben die Juden in Frankreich verunsichert. Auch in Deutschland?

Schuster: Ja, sicher - aber auch nicht mehr als die Gesamtbevölkerung, denke ich. Es gibt in Europa und auch in Deutschland eine gewisse Verunsicherung wegen möglicher terroristischer Anschläge. Die vor dem Anschlag auf »Charlie Hebdo« eher abstrakt wahrgenommene Gefahr wurde seither konkreter. Aber sie ist nicht neu. Und sie ist nicht so groß und mächtig, dass durch diesen Extremismus die Existenz des jüdischen Lebens in Deutschland außergewöhnlich gefährdet ist.

  Sie sagen, man dürfe Muslime nicht unter Generalverdacht stellen. Zugleich warnen Sie vor dem Antisemitismus unter Flüchtlingen. Warum?

Schuster: Es ist schlichtweg falsch, zu behaupten, alle Muslime seien Antisemiten. Das habe ich auch nie gesagt. Es geht mir darum, dass die Menschen, die aus Ländern wie Syrien oder dem Irak zu uns kommen, jahrzehntelang mit juden- und israelfeindlichen Ressentiments aufgewachsen sind, gar indoktriniert wurden. Das streifen diese Menschen auch an der deutschen Grenze nicht plötzlich ab.

  Sie haben sich in der Flüchtlingsfrage mit der Forderung nach einer Obergrenze deutlich positioniert. Gefällt das allen im Zentralrat?

Schuster: Eines möchte ich klarstellen, ich habe zu keiner Zeit eine solche Obergrenze gefordert, auch wenn das behauptet wurde. Ich bin überzeugt, wenn der Zustrom weiterhin in dieser Höhe anhält, wird man in Deutschland mittel- oder langfristig an einer Begrenzung des Zuzugs nicht vorbeikommen. Ich habe auch nie gefordert, die Grenzen zu schließen. Ich sehe es so, und ich denke das ist Konsens in der Politik: Wir müssen die Menschen, die zu uns kommen, erfolgreich in unsere Gesellschaft integrieren können. Bliebe die Zahl der Flüchtlinge so hoch wie 2015, würde das aber immer schwieriger.

  Sie haben mehr Solidarität aus Deutschland für Israel gefordert. Zu Ihrem Amtsantritt klang das noch anders ...

Schuster: Nicht nur mir fällt auf, dass der Staat Israel in Deutschland heute sehr kritisch gesehen wird, während Deutschland bei den Israelis ein sehr positives Image hat. Wenn wir das mit der Situation von vor 50 Jahren vergleichen, ist das eine absolute Wende. Damals wollten viele in Israel nichts mit Deutschland zu tun haben, die Aufnahme diplomatischer Beziehungen war in Israel höchst umstritten. Ich denke, dass die oftmals einseitig israelkritische Berichterstattung deutscher Medien zu einem sehr negativen Israelbild beiträgt. Das sollte sich ändern.

  Die Medien haben doch aber keine Schuld daran, wenn Menschen in Deutschland den Militäroffensiven Israels kritisch gegenüberstehen.

Schuster: Bilder haben eine enorme Macht, gerade bewegte Bilder. Nicht, dass ich missverstanden werde: Es ist schlimm, wenn Menschen auf palästinensischer Seite verletzt werden. Häufig fehlt in der Berichterstattung aber der Hinweis auf palästinensische Attentate, die den israelischen Militäroffensiven vorausgehen - etwa die palästinensischen Raketen auf Wohngebiete in Israel oder die Messerangriffe auf israelische Zivilisten. So entsteht eine Schieflage im Blick auf den Nahostkonflikt.

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Interview: Daniel Staffen-Quandt

 


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abgerufen 02.12.2016 - 18:59 Uhr

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