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Dieser Artikel: Ausgabe 02/2016 vom 10.01.2016
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Kosmos der Wunderlichkeiten

Der Geograph Alastair Bonnett beschreibt die »seltsamsten Orte der Welt«


Eiffelturm, Niagarafälle, Nordkap: Es gibt auf der Erdkugel berühmte Orte, die auf Millionen Menschen magische Anziehungskraft ausüben. Und es gibt Orte, die manchmal nur im Geheimen existieren, die vergessen oder verloren sind - in jedem Fall aber eine Spur des Staunens bei allen hinterlassen, die sich mit ihnen beschäftigen.

Niemandsland: die nordkoreanische Stadt Kijong-dong in der demilitarisierten Zone unweit der Grenze zu Südkorea.
Foto: E. N. Johnson / U.S. Army Public Affairs Officer / PD
   Niemandsland: die nordkoreanische Stadt Kijong-dong in der demilitarisierten Zone unweit der Grenze zu Südkorea.

        

Zum Beispiel Baarle-Nassau und Baarle-Hertog. Die beiden Dörfer, zusammen rund 9000 Einwohner, gehören zu den Niederlanden und zu Belgien, aber nicht so, wie man sich eine Grenzziehung zwischen zwei Ländern vorstellt. Die Dörfer sind ineinander verschachtelt. 22 Stückchen Belgien verteilen sich innerhalb niederländischen Territoriums, und zwar so, dass sich dabei acht niederländische Enklaven in belgischem Gebiet bilden.

»Besucher können sich nie sicher sein, in welchem Land sie sich gerade befinden«, schreibt der englische Sozialgeograf Alastair Bonnett in seiner kuriosen Anthologie der »seltsamsten Orte der Welt«. Die geografische Lage treibt absurde Blüten: Im Zweifelsfall muss man in Baarle nämlich in dem Land Steuern bezahlen, in dem sich die Haustür befindet. Über die Jahre wechselten daher die Hauseingänge - je nachdem, ob gerade in Belgien oder in den Niederlanden die Steuern niedriger waren.

Baarle ist der einzige Ort in Europa, in dem das territoriale Durcheinander der Frühen Neuzeit die napoleonischen Flurbereinigungen überlebt hat. Warum eigentlich? »Aus irgendeinem Grund«, gibt der führende lokale Baarle-Experte zu Protokoll.

Man kann nicht alles erklären, wie beruhigend.

Bonnetts Buch öffnet die Augen für eine Welt, die viel komplizierter, vielschichtiger und kurioser ist, als wir es als Ausflügler oder Urlaubsreisende auch nur ahnen. Würde nicht jeder Ort nach exaktem Breiten- und Längengrad zugeordnet, man wäre versucht, ihn Bonnetts blühender Fantasie zuzuschreiben.

Kangbashi zum Beispiel, eine so gut wie leer stehende Riesenstadt mit Hunderten von Wohnblocks, Museen, Parks und Stadthalle in der Inneren Mongolei; Selenogorsk, das als ein Zentrum der sowjetischen Kernforschung so geheim war, dass es auf Landkarten gar nicht auftauchte und nur als Postfachnummer existierte (»Krasnojarsk-26«), oder eine Felsenwüste namens Bir Tawil, um die Ägypten und der Sudan seit Jahrzehnten ringen, allerdings in grotesker Konstellation - keiner will sie besitzen.

In die lange Reihe der Versuche, Utopia auf Erden zu verwirklichen, gehört die sibirische Siedlung Reichlich, wo die ökospirituelle Anastasia-Sekte die Harmonie mit Mutter Natur sucht. Sandy Island dagegen findet man zwar auf Land- und Seekarten, nicht aber in der Realität - das Eiland vor der australischen Ostküste existiert nämlich gar nicht.

Unterirdische Städte in Kappadokien, griechische Klöster, die nur von Männern betreten werden dürfen, schwimmende Dörfer vor den Malediven, afrikanisches Niemandsland - der Kosmos der geografischen Absonderlichkeiten ist schier unermesslich. Auch ein Flughafenparkdeck oder eine vergessene Verkehrsinsel inmitten einer vierspurigen Stadtautobahn können dazu gehören. »Unser Verhältnis zu Orten steckt voller Paradoxa«, resümiert Bonnett, und: »Das Exotischste kann gleich um die Ecke oder direkt unter unseren Füßen liegen.«

Alastair Bonnett: Die seltsamsten Orte der Welt. C. H. Beck Verlag, München 2015, 296 Seiten, ISBN 978-3-406-67492-1, 19,95 Euro.

 

  BUCHTIPP: Alastair Bonnett: Die seltsamsten Orte der Welt. C. H. Beck Verlag, München 2015, 296 Seiten, ISBN 978-3-406-67492-1, 19,95 Euro.

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Thomas Greif

 


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abgerufen 31.05.2016 - 02:04 Uhr

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