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Dieser Artikel: Ausgabe 03/2016 vom 17.01.2016
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Breslau

Wechselvolle Geschichte zwischen Deutschen und Polen


Breslau - die Stadt, die bei Gründung des deutschen Kaiserreichs 1871 die drittgrößte Stadt Deutschlands war, ist heute nach Warschau, Krakau und Lodz die viertgrößte Stadt Polens. Die Hauptstadt der historischen Region Schlesien an der Oder (Odra) ist Sitz eines römisch-katholischen Erzbischofs und eines evangelischen Diözesanbischofs. Mit zahlreichen Unternehmen, Hochschulen, Forschungsinstituten, Theatern und Museen ist Breslau das wirtschaftliche, kulturelle und wissenschaftliche Zentrum Niederschlesiens.

Wahrzeichen Breslaus: das spätgotische Rathaus mit der astronomischen Uhr aus dem Jahr 1580.
Foto: Kolossos / CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons
   Wahrzeichen Breslaus: das spätgotische Rathaus mit der astronomischen Uhr aus dem Jahr 1580.

        

ALS BERÜHMTESTES GEBÄUDE und Wahrzeichen der Stadt im Südwesten Polens gilt das spätgotische Rathaus mit der astronomischen Uhr aus dem Jahr 1580 (Foto). Im Untergeschoss, im Schweidnitzer Keller, speisten schon Lessing, Goethe und Eichendorff. Heute sind es vor allem Busreisende aus Deutschland.

DIE ODER, die durch Breslau zieht, hat zwölf Inseln. Auf der Dominsel nahm die Besiedlung vor rund tausend Jahren ihren Anfang. Dort überragt die fast hundert Meter hohe gotische Kathedrale Johannes des Täufers die Stadt. Wie viele Gebäude der Altstadt wurde sie bei der Belagerung der Roten Armee im Zweiten Weltkrieg schwer zerstört und nach Kriegsende restauriert.

DIETRICH BONHOEFFER wurde in Breslau am 4. Februar 1906 geboren. Ein Denkmal erinnert vor der katholischen Elisabeth-Kirche an den Sohn der Stadt. Sein Geburtshaus wurde 1945 stark zerstört. Die mächtige Villa erlitt Schäden durch sowjetische Bomber, ihre Fassade wurde teilweise restauriert, der linke Teil des Hauses ist ein schlichter Nachkriegsbau.

UNTER DEN VERHEERENDEN Folgen des Zweiten Weltkriegs hatten auch die evangelisch-unierte Kirche und die evangelisch-lutherische Kirche zu leiden. Die zu über 90 Prozent evangelische Bevölkerung wurde vertrieben. Neue polnische Bürger aus dem Osten des Landes wurden in den nun veränderten Westen Polens umgesiedelt. Sie waren zu über 90 Prozent römisch-katholisch.

DIE NACHKRIEGSZEIT war für evangelische Christen in Polen nicht einfach. Sie standen unter dem Generalverdacht, mit den deutschen Besatzern kooperiert zu haben. Alles Deutsche, dazu zählte auch der lutherische Glaube, war verhasst. Die wenigen deutschen Protestanten, die nicht vertrieben wurden, durften erst 1959 einen Gottesdienst auf Deutsch feiern. In der St.-Christopheri-Kirche lädt die heute 240 Mitglieder umfassende Gemeinde zum Gottesdienst in deutscher Sprache ein. Die Gemeinde der evangelisch-augsburgischen Kirche in Breslau hat insgesamt 700 Mitglieder.

UNTER NS-HERRSCHAFT wurde die jüdische Bevölkerung deportiert. Die deutsche Bevölkerung floh bei Kriegsende oder wurde von der neuen polnischen Verwaltung vertrieben. Seit 1945 ist Breslau polnisch. In der Stadt fand ein fast kompletter Bevölkerungsaustausch statt. Viele neue polnische Bewohner kamen aus den ehemaligen polnischen Ostgebieten, vornehmlich aus der heutigen Ukraine.

BRESLAU

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abgerufen 27.06.2016 - 18:36 Uhr

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