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Sonntagsblatt 03/ vom

ZEITZEICHEN


»Zeit vergeht«, sang einst Nana Mouskouri. Und schon schreiben wir das Jahr 2016 und fragen uns, wo die vorigen geblieben sind. Wenn Sie das lesen, hat dasselbige schon zwei Wochen auf dem Buckel. Die Weihnachtsgans kaum verdaut, die Urlaubsfotos immer noch nicht ausgedruckt, schon dräut der 90. von Onkel Uhu, die Erhöhung der Hundesteuer und der Superwahlsonntag in gleich drei Bundesländern. Und alles nur, weil die Zeit tut, was sie eben tut: vergehen.

Dabei ist alles nur eine Frage des Blickwinkels. Wir Christen zählen halt ab Christi Geburt, und das wahrscheinlich falsch, weil der Herr Dionysius Exiguus sich um vier bis sieben Jahre vertan hat. Wär es am End schon 2023 ... hätte das Römische Reich fortbestanden, in dem sich besagter Herr verrechnete, dann zählten wir jetzt »ab urbe condita« und schrieben das 2769.

Oh Schreck - 753 Jahre verschenkt, da legst di nieder! Nein, dann doch lieber der islamische Kalender, der sich natürlich auf Mohammed bezieht und auf seine Reise nach Medina im Jahr 622 (nach Christus!). Also lebt der gläubige Muslim im Jahre 1437 und hat noch einiges vor sich. Auweia.

Dann doch lieber den französischen Revolutionskalender von 1789, der sich vielversprechend liest: »Wir schreiben den Monat Thermidor (=Ende der Schreckensherrschaft) im Jahr 1 der Freiheit.«

Apropos Tyrannei: In Nordkorea rechnet man die Zeit ab dem Jahr 1912, in dem der schon verstorbene Kim Il Sung geboren wurde. Folglich leben die Nordkoreaner im Jahr 104. So jung und so größenwahnsinnig!

Wie wäre es in Deutschland mit dem Jahr 62 nach Angela Merkels Geburt? Oder dem Jahr 10 der Kanzlerinnenschaft? Da hätten wir dieses Jahr was zu feiern! Oder, um es mit Nana zu singen: »Zeit vergeht, aber die Liebe bleibt.«

zei