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Dieser Artikel: Ausgabe 03/2016 vom 17.01.2016
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Früher kriegten Kinder sogar Heroin

Alte Hof-Apotheke in Sulzbach-Rosenberg erzählt von Anfängen der Pharmazie


Eine der ältesten Apotheken der Oberpfalz ist heute ein Museum. Die ehemalige Stadt- und fürstliche Hof-Apotheke in Sulzbach-Rosenberg verknüpft Pharmaziewissen mit Religionsgeschichte. Fast 1000 Exponate sind im original erhaltenen Gebäude und den alten Apothekerschränken zu sehen.

»Früher mussten die Rezepturen für Kunden genau bemessen und ausgewogen werden«, erklärt Apothekerin beim Museumsrundgang.
Foto: Johnen
   »Früher mussten die Rezepturen für Kunden genau bemessen und ausgewogen werden«, erklärt Apothekerin beim Museumsrundgang.

        

Wie früher schon sind auch heute gefährliche Substanzen oder wertvolle Apothekenobjekte hinter Glas in einem Schrank oder in einer Vitrine verschlossen. Manchmal holt Markus Lommer, Sohn des letzten Hof-Apothekers, den Schlüssel und öffnet die Schätze im Museum »Alte Hof-Apotheke«. Die Objekte stammen aus dem Privatbereich früherer Apothekerfamilien oder sind Funde, die mitunter 500 Jahre alt sind.

Allein das Ambiente am original historischen Ort kann Besucher beeindrucken, die ein halbes Jahrtausend Oberpfälzer Pharmaziegeschichte entdecken wollen. Den Grundstein hierzu legte der Universalgelehrte Christian Knorr von Rosenroth (1636-1689), der einst im heutigen Museum wohnte. Er hatte sich mit Blei vergiftet und versucht, sich selbst zu heilen.

In zwölf kleinen Räumen erfahren Museumsgäste auf 120 Quadratmetern, wie früher Medizin hergestellt worden ist. In der Nase hängen bleiben Düfte von Heilkräutern oder auch der leicht brennende und säuerliche Geruch flüssiger Arzneimittel aus alten Rezepturzeiten.

Markus Lommer hat aus der Hof-Apotheke ein Museum gemacht. Der Sohn eines Apothekers erläutert Besuchern die Pharmaziegeschichte.
Foto: Johnen
   Markus Lommer hat aus der Hof-Apotheke ein Museum gemacht. Der Sohn eines Apothekers erläutert Besuchern die Pharmaziegeschichte.

        

»So wird Geschichte lebendig«, sagt Barbara Geral, die sich mit einer Frauengruppe durch das Museum führen lässt. Sie ist begeistert, wie anschaulich die frühere Apothekerin Helma Koch und Apothekersohn Markus Lommer ihr Wissen weitergeben. Mit einer kleinen Waage zwischen zwei Fingern erklärt Koch, wie handgenau Arzneimittel am Rezepturtisch angerührt und die richtige Menge mit Schrotkugeln austariert wurden: »Apotheker waren mal Handwerker.«

Bis Ende des 18. Jahrhunderts durften Kunden nicht in den »Offizinbereich« kommen, also in die Apothekerwerkstatt. Arzneimittel wurden individuell nach Rezept hergestellt und bis ins 19. Jahrhundert nur durch ein Fenster verkauft. Augenzwinkernd weiß die Apothekerin zu berichten, welche Mittelchen bei Wehwehchen helfen oder nicht. Sogar von Bettnässertropfen und Ferkelschnaps kann sie erzählen - oder von Heroin, das es vor 150 Jahren rezeptfrei gab. »Das haben Kinder zum Schlafen oder gegen Husten gekriegt«, sagt Koch.

Doch es geht keineswegs nur um Medizin. Besucher lernen auch kulturhistorische Anekdoten kennen. Von Lommer erfahren sie, dass die Sulzbacher Druckerei Seidel schon früh Fachliteratur für Ärzte herstellte. Der Museumsgründer wollte jedoch nicht in die Fußstapfen seines Vaters treten und wurde stattdessen Seelsorger und Stadtheimatpfleger: Die Bereiche Pharmazie und Theologie bringt er nun geschickt zusammen.

Dabei gerät er ins Schwärmen und erzählt, wie 1626 ein Calvinist als angesteller Hof-Apotheker nach Sulzbach kam. Dieser sei während der Gegenreformation aus Amberg vertrieben worden, weil er evangelischer Christ war. »Insofern verbindet sich mit der Hof-Apotheke gleich Konfessionsgeschichte in der Oberpfalz - das ist sehr spannend.«

 

  INFO: Das Museum Alte Hof-Apotheke befindet sich am Luitpoldplatz 6 in Sulzbach-Rosenberg. Öffnungszeiten: donnerstags und samstags von 14.30 bis 17.30 Uhr sowie an Markttagen. Weitere Infos und Anmeldung zu Führungen unter (0 96 61) 87 75 20 oder mobil unter (01 75) 2 54 57 66 (Museumsbüro).

  INTERNET:  www.alte-hofapotheke-sulzbach.de

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Dirk Johnen

 


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abgerufen 26.05.2016 - 08:45 Uhr

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