Sonntagsblatt Archiv

Sonntagsblatt 04/ vom

ZEITZEICHEN


Verlässt man sich auf die geläufigen Redewendungen, dann hat der Sand keinen sonderlich guten Ruf. Allzu oft ist er mit unerfreulichen Situationen verbunden.

In die Augen gestreut oder ins Getriebe gebracht, macht Sand ernste Probleme.

Wenn etwas im Sande verläuft oder, schlimmer noch, auf Sand gebaut wird, möchte man nicht in der Haut des Projektleiters stecken - denn dem droht dann nicht nur die Zeit, sondern auch das Geld wie Sand durch die Finger zu rinnen.

Wenn unser Heimatplanet auf ein »Sandkorn im Universum« geschrumpft wird, mag das eine Beleidigung für aufrechte Global-Patrioten sein, sofern es welche gibt.

Und wenn vom »Sand am Meer« die Rede ist, dann eher im Zusammenhang mit einer Art Überfluss, bei der das Nachzählen angesichts der schieren Menge aussichtslos ist. Immerhin hat dieser Vergleich einen festen Platz in der Bibel: Rund 20 Mal taucht er dort auf.

Ganz am Ende der Sympathieskala dürfte der Wüstensand stehen, ein Sinnbild für Lebensfeindlichkeit.

Aber hätten Sie gewusst, dass ausgerechnet Sand einer der weltweit begehrtesten Rohstoffe ist? Ohne Sand gäbe es keinen Beton und kein Glas, aber auch keine Solarzellen oder elektronischen Platinen.

Fachleute unterscheiden da noch zwischen Sanden und Kiesen, deren Verbrauch sich etwa im Baugewerbe allein in Deutschland auf 240 Millionen Tonnen im Jahr 2014 summierte. Und ähnlich wie beim Erdöl geht der Vorrat langsam zur Neige.

Auch das ein Grund, weshalb der Sand vom Berufsverband Deutscher Geowissenschaftler jetzt zum »Gestein des Jahres 2016« erklärt wurde.

Zwar dürfte Sand noch weit davon entfernt sein, etwa mit Gold aufgewogen zu werden; wer das nächste Mal aber den Kopf in den Sand steckt, hat dafür vielleicht einen anderen Grund, als man denkt ...

wl